Sony WonderbookZauberei mit Augmented Reality

Das "Buch der Zaubersprüche" ist ein Augmented-Reality-Spiel, das auch inhaltlich überzeugt: Sonys Wonderbook-Technik ermöglicht spielerische Wissensvermittlung. von 

Sonys Wonderbook

Augmented Reality mit Sonys Wonderbook  |  © Sony


Augmented Reality (AR) Games sind eine Erfolgsgeschichte – zumindest dann, wenn die Verbreitung der Maßstab für den Erfolg ist. Auf Smartphones, Mobil- und Heimkonsolen gibt es mittlerweile unzählige Spiele, die physische und virtuelle Realität miteinander kombinieren . Beinahe täglich kommen neue hinzu. Nur wenige sind so gelungen wie das Wonderbook von Sony.

Vielen AR-Games fehlt es an einem überzeugenden Spielkonzept. Ist die anfängliche Faszination verflogen, bleibt oft nicht mehr als das Gefühl, ein nettes Gimmick vor sich zu haben. Ein Blick in die App Stores für Smartphones genügt: Die populärsten AR-Games drehen sich darum, wahlweise virtuelle Objekte (wie bei AR Invaders oder ARDefender ) oder reale Personen ( Paintball Arena , iSnipeYou ) abzuschießen.

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Auch Mobilkonsolen nutzen Augmented Reality meist für Minispiele: AR-Karten werden auf Tisch oder Boden gelegt, die Konsolenkamera registriert den Code und mischt das aufgenommene Bild mit virtuellen Bestandteilen wie Monsterfallen oder auch Wassertümpeln wie bei Cliff Diving .

Allerdings verfliegt auch hier der Reiz des Neuen recht schnell. Kyle Orland von arstechnica.com etwa kritisiert, die physische Welt diene in AR-Games häufig nur als austauschbare Kulisse.

Dass Augmented-Reality-Games kommerziell erfolgreich sein können, steht jedoch außer Frage. So wurde der Playstation-2-Titel EyeToy Play von 2003 mehrfach fortgesetzt, und auch das virtuelle Kuscheltier EyePet verkaufte sich so gut, dass es neu aufgelegt wurde.

Neue AR-Games im engeren Sinne dürfte das Google-Projekt Glass mit sich bringen. Schon jetzt entstehen dafür erste Spielideen .

Was bei den meisten bisherigen AR-Games zu kurz kommt, ist die inhaltliche Ebene. Es geht fast immer um Geschicklichkeit, Reaktionsschnelligkeit und eifriges Suchen – aber nur selten darum, auch Inhalte spannend zu vermitteln. Mit seinem Wonderbook für die Playstation 3 wagt Sony nun einen Schritt in diese Richtung.

Move-Controller als Zauberstab

Beim Wonderbook handelt es sich zunächst einmal um ein blaues Hardcover-Buch mit kryptischen AR-Codes. Dieses Buch legt man auf den Wohnzimmerboden, setzt sich im Schneidersitz davor und schaltet die Playstation-Kamera ein, die den AR-Code erkennt und an die PS3 übermittelt. Der Aha-Effekt stellt sich ein, sobald man auf den Fernsehbildschirm schaut und sich dort selbst sieht, zusammen mit einem prächtig gestalteten Zauberbuch, aus dem Pflanzen und Fabelwesen hervorquellen.

Da wäre zum Beispiel ein kleiner Drache: Eben noch eine zweidimensionale Zeichnung auf Papier, erwacht er im nächsten Moment zum Leben, schlängelt sich aus der Buchseite hervor und erhebt sich mit einem garstigen Fauchen in die Luft. Dort schwebt er dann, direkt vor der Nase des Spielers, und setzt mit seinem Feueratem das Buch in Brand. Das heimische Wohnzimmer verwandelt sich so in einen verwunschenen Ort, an dem plötzlich alles möglich scheint: Willkommen in Hogwarts, der Zauberschule von Harry Potter.

Das Buch der Zaubersprüche ist das erste Spiel, das für Sonys Wonderbook erscheint. Geschickt knüpft es an den weitläufigen Potter-Kosmos an: Es ist ein Lehrbuch für angehende Magier, das die berühmte Hexe Miranda Habicht vor langer Zeit schrieb. In fünf Kapiteln erlernen Spieler insgesamt 20 Zaubersprüche – von "Incendio", mit dem man Feuer entfacht, bis hin zu "Wingardium Leviosa", der Gegenstände zum Schweben bringt.

Der Move-Controller der Playstation 3 dient dabei als Zauberstab: Um etwa "Incendio" heraufzubeschwören, muss der Spieler ein großes "Z" in die Luft schreiben.

Jedes Kapitel enthält Gedichte, Tipps und Anekdoten über die Entstehung der Zaubersprüche: Alle Texte stammen aus der Feder von Potter-Schöpferin J.K. Rowling und sind sehr unterhaltsam. Jede Lektion enthält eine Aufgabe, mit der Nachwuchsmagier ihr Wissen erproben können: Mal gilt es, verschiedene Schlösser mit "Alohomora" zu öffnen, mal Geheimbotschaften mit "Aparecium" sichtbar zu machen. Immer wieder muss der Spieler auch das Buch kippen oder schütteln, um es von Wasser, Staub oder Asche zu befreien. Am Ende jedes Kapitels wartet eine Prüfung, die mehrere Aufgaben miteinander verbindet: Hier ist neben Geschicklichkeit auch ein gutes Gedächtnis gefragt.

Spielerisch und inhaltlich ist das Buch der Zaubersprüche damit weitaus abwechslungsreicher, als man es von anderen AR-Games gewohnt ist. Auch grafisch weiß das Spiel zu beeindrucken: Die altehrwürdigen Hogwarts-Schauplätze sind stimmungsvoll in Szene gesetzt, die Buchseiten kunstvoll verziert und die Animationen stets flüssig. Als größtes Manko erweist sich der fehlende Mehrspieler-Modus: Gerade die jüngeren Potter-Fans werden sich bisweilen um den einzigen Controller balgen.

Einsatz als Lernmedium denkbar

Das Buch der Zaubersprüche ist das einzige Wonderbook-Spiel, das 2012 erscheint. Für das kommende Jahr hat Sony bereits zwei weitere Veröffentlichungen angekündigt: eine Film-Noir-Detektivgeschichte mit dem Titel Diggs Nightcrawler – und ein Abenteuer , das auf der BBC-Dokuserie Walking with Dinosaurs basiert. Man darf gespannt sein, ob das Wonderbook künftig verstärkt als Lernmedium zum Einsatz kommt: Dass es zur spielerischen Wissensvermittlung taugt, hat das Potter-Spiel bereits bewiesen.

Das Wonderbook und das dazugehörige Spiel kosten zusammen 40 Euro, das Paket mit Playstation-Eye-Kamera und dem Move-Controller gibt es für 70 Euro.

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    • Schlagworte Sony | Brand | Harry Potter | Paintball | Smartphone | MIT
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