Die Wii U funktioniert mit den neuen Controller (vorn), aber auch mit den alten. © Michael Buckner/Getty Images for Nintendo

Seit Sonntag ist in den USA die neue Nintendo-Konsole Wii U zu haben. Einige Läden meldeten bald, ihr Vorrat sei verkauft. Es kann also angenommen werden, dass das Interesse der Spieler groß ist. Allerdings müssen sie offensichtlich mit einigen Enttäuschungen fertig werden, wenn sie die neue Konsole in den Händen halten.

Die Wii U braucht zuerst einmal ein Update der Software. Eine der Neuerungen der Konsole ist die Vernetzung mit dem sogenannten Miiverse. Der Onlinedienst bietet eine Chatfunktion, außerdem können darüber neue Spiele gekauft und heruntergeladen werden. Wer das nutzen will, muss das Betriebssystem aktualisieren.

Die dafür benötigte Datei ist fünf Gigabyte groß, weshalb es mehr als eine Stunde dauern kann, sie zu laden. Das ist allerdings nicht das größte Problem. Wer die Aktualisierung des Systems unterbricht, etwa weil der Akku leer ist, weil die Netzverbindung stottert, oder weil er ungeduldig wurde und einen Neustart versuchte, der schrottet seine neue Konsole : Sie lässt sich anschließend nicht mehr starten.

Nicht ausschalten!

Ben Fritz, ein Journalist der L.A. Times, erlebte das und sammelte anschließend Berichte von Nutzern, denen es ebenso ging:

Nintendo warnt inzwischen dringend davor, den Download und die Installation zu stören. Zitat einer Mitteilung : "Powering off the console during the update may damage your system." Ob jene, für die dieser Rat zu spät kam, eine neue Konsole bekommen, ist derzeit nicht klar.

Es scheint nicht das einzige Ärgernis zu sein. Das Technikmagazin Wired hat gleich zehn Gründe gesammelt , warum die Wii U nervt. Das Steuergerät, das sogenannte Gamepad, habe beispielsweise eine viel zu kleine Batterie. In der Steuerung ist jetzt ein druckempfindlicher Bildschirm, der offensichtlich viel Strom braucht. Man müsse den Controller ständig aufladen, heißt es in dem Bericht. Das funktioniere nur über eine eigene Stromversorgung – und nicht indem der Controller mit der eigentlichen Konsole verkabelt werde.

Abwärtskompatibel, wenn auch mühsam

Geradezu zynisch wird der Autor, wenn er den Prozess beschreibt, mit dem Spiele und Spielstände von der alten Wii auf die neue Wii U übertragen werden. Möglich ist das immerhin, Nintendo hat die Konsole abwärtskompatibel gebaut, alte Spiele sind also nicht völlig nutzlos. Allerdings lassen sie sich nur übertragen, wenn sie im Speicher der Wii sind, von dort auf eine SD-Speicherkarte und von dieser auf die Wii U geladen werden. Einen anderen Weg gibt es offensichtlich nicht. Das bedeutet, dass Spiele zuerst von der SD-Karte, auf der sie sich wahrscheinlich befinden, in die Wii geladen werden müssen, um dann wieder auf die Speicherkarte und die Wii U übertragen zu werden. Direkt von der Karte akzeptiert die Wii U keine alten Spiele. Angesichts des kleinen Speichers der alten Geräte ein im Zweifel mühsamer Vorgang.

 Potenzial für Spieleentwickler

Auch das Spielen alter Titel ist offensichtlich kein großer Spaß. Denn die neue Konsole startet dazu das alte Betriebssystem, das sie mitbringt. Erst dann laufen die Titel. Interessanterweise begrenzt der Start im alten System auch den Speicherplatz auf der neuen Konsole: der ist dann so klein wie in der alten Wii. Dass die neue viel mehr Speicher hat, nutzt dem Fan alter Spiele also nichts.

Im Übrigen sei das Betriebssystem der Wii U langsam und das als soziales Netzwerk gedachte Miiverse ein verwirrender Witz. Außerdem hat Nintendo bei dem neuen System die nervtötende Idee der Regionalcodes wiederbelebt . Wer sich Spiele aus Japan oder den USA mitbringt, kann sie auf einer in Europa gekauften Konsole nicht spielen.

Klingt nicht gut. Das Interesse ist trotzdem groß. Wohl vor allem, weil sich viele neue Spielideen versprechen. Schließlich versucht die Konsole, Tablet und Fernseher zu vereinen. Denn der Controller dient nicht nur zur Steuerung des Spiels, das auf dem Fernsehschirm zu sehen ist, er zeigt auf seinem kleinen Schirm auch eigene Inhalte an und ergänzt so den großen. Eine Rezension in der Chicago Tribune ist daher durchaus zuversichtlich: Es hänge alles davon ab, ob Spieleentwickler die Möglichkeiten in nächster Zeit kreativ nutzten. Die Konsole zumindest habe genug Potenzial, um ihre Zukunft optimistisch zu sehen, schreibt der Autor.

In Europa wird die Wii U ab dem 30. November verkauft. Preise nennt Nintendo noch nicht. In den USA kostet sie je nach Ausstattung zwischen 300 und 350 Dollar.