Game-App "Curiosity"Wer spielt hier eigentlich mit wem?
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Mehr Experiment als Spiel

Interessant ist dabei vor allem die Dynamik, die sich unter den Spielern entwickelt. So fühlen sich manche berufen, die Kunstwerke der anderen so schnell es geht zu vernichten. Trolle gibt es halt überall auf der Welt. Eine Frau hat es sich hingegen zur Aufgabe gemacht, die vielen Penisse auszuradieren, sooft sie erscheinen. Schließlich, so schreibt sie auf Facebook, spielten auch Kinder mit, die die bösen Geschlechtsorgane sicher verstörten. Andere Spieler entwickeln Methoden, mit denen sie besonders viele der kleinen Würfel in Folge vernichten: Die Multi-Finger-Combo-Clear-the-Screen -Strategie ist in der Community von Curiosity derzeit besonders beliebt.

Das britische Indiegame-Unternehmen 22cans rund um Spieledesignerlegende Peter Molyneux hat mit seinem ersten Titel einen beachtlichen Erfolg erzielt. Das erklärt sich auch dadurch, dass zur Zielgruppe des Spiels nicht nur Konsolenbesitzer oder PC-Gamer zählen. Als Social Game spricht Curiosity ein älteres und vorwiegend weibliches Publikum an. Wobei, alle Kriterien der Social Games erfüllt Curiosity nicht, immerhin hat es irgendwann ein Ende.

Nur ein Marketing-Gag?

Curiosity sei mehr als Experiment denn als Spiel gedacht, behaupten die Programmierer. "Wir haben uns gefragt, ob die menschliche Neugier ausreicht, um weltweit miteinander die Mitte des Würfels zu erschließen", heißt es im Spiel. Nach den mehr als drei Millionen Registrierungen und täglich rund 250 Millionen zerbröselten Miniaturwürfeln scheint die Antwort darauf ziemlich klar Ja zu lauten.

Weniger wohlwollend könnte man das Ganze schlicht als Marketingaktion ansehen, die darauf abzielt, genügend Geldgeber für das Kickstarter-Crowdfunding des eigentlichen Hauptprojekts von 22cans zu gewinnen. Immer mal wieder lassen die Betreiber die entsprechende Internetadresse auf dem Würfel erscheinen. Allerdings scheint der Plan nicht recht aufzugehen: Elf Tage vor Ablauf der Spendenaktion ist der angestrebte Betrag gerade einmal zur Hälfte erreicht. Offenbar hat die Neugier der Menschen doch Grenzen.

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