Verjüngungskur für Lara Croft: Das neue "Tomb Raider" spielt vor den früheren Abenteuern. © Square Enix

Lara Croft hat ein gewisses Imageproblem. Zwar war das 1996 veröffentlichte Tomb Raider ein spannendes und herausforderndes Abenteuer mit Horrorelementen. Aber spätestens mit Teil zwei, als Lara zum Mainstream wurde, änderte sich das. Der damalige Publisher Eidos war daran nicht ganz unschuldig, unter anderem, weil er der Fachpresse ein dickes Set mit CDs überlassen hatte, auf denen sich alle Arten von Bildern mit der Heldin von Tomb Raider befanden. Lara auf rosa Kissen, Lara im hautengen Lederoutfit, Lara mit Weihnachtsmannmütze, Lara im Negligé und Lara so gut wie immer mit riesiger Oberweite.

Die Redaktionen fanden das toll – die bunten Bildchen waren mal was anderes als immer nur grimmig guckende Orks. Also landete Lara Croft auf den Titelblättern, was die Leser anfangs frisch und sexy fanden. Aber irgendwann wurde es zu viel, und Frau Croft hatte ein Problem, das durch die misslungenen Verfilmungen von Tomb Raider mit Angelina Jolie und mittelprächtige Fortsetzungen noch verschärft wurde.

Jetzt soll alles besser werden. Anders als bei früheren Versuchen eines Serienneustarts geht das zu Square Enix gehörende Entwicklerstudio Crystal Dynamics tatsächlich neue Wege – zumindest für Lara . Mit dem für Anfang März 2013 angekündigten Tomb Raider (für Windows-PC, Xbox 360 und PlayStation 3) arbeitet das Entwicklerstudio an einem Action-Adventure, das beim Anspielen eher an Uncharted denn an frühere Abenteuer mit Lara Croft erinnert. Auch die Heldin sieht anders aus: Sie wirkt jünger, natürlicher und sportlicher.

Dass Lara jünger ist, hat allerdings einen Grund: Das neue Tomb Raider spielt vor den früheren Abenteuern und erklärt, wie aus einer eher ängstlichen Studentin die taffe Schatzjägerin wurde. Das schick gemachte Intro erklärt die Vorgeschichte an Bord des Schiffs Endurance , das mit Lara in Plymouth in See sticht und dann südlich von Japan in einen schweren Sturm gerät. Der Pott läuft auf Grund, Lara fällt in Ohnmacht und erwacht dann frierend, vor allem aber kopfüber gefesselt in einer mit allerlei Voodoo-Schnickschnack eingerichteten Höhle.

Ab diesem Moment hatten wir die Kontrolle über Croft und konnten den zu Anfang des Spiels in einer von Square Enix bereitgestellten Version ausprobieren. Natürlich gelingt es uns rasch, Lara zu befreien und uns durch die von Fackeln erleuchtete Höhle zu schleichen – sowohl die per Motion Capturing erstellten Animationen als auch das extrem echt aussehende Feuer haben dabei einen guten Eindruck gemacht. Auch sonst wirkt das Spiel zwar sehr düster und dunkel, aber die Grafik auf Basis einer hauseigenen Engine von Crystal Dynamics wirkt auf der Xbox 360 zeitgemäß.

Die Flucht aus der Höhle dauert ungefähr 15 Minuten und ist abwechslungsreich und effektvoll in Szene gesetzt. Es gibt eine ruhige Stelle, bei der ein kleines, aber clever aufgebautes Schalterrätsel mit einem Wasserfall gelöst werden muss. Und atemlose Hochspannungsmomente, wenn wir durch niedrige Tunnel dem Licht entgegenrobben und dann plötzlich ein Unbekannter von hinten angreift und Lara an den Beinen zurückziehen möchte. Die meisten derartigen Stellen lassen sich in Quicktime-Manier durch das rasche Drücken der richtigen Tasten bewältigen.

Irgendwann stehen wir dann an der frischen Luft – in diesem Fall oberhalb eines Steilhangs, wo die erste, noch recht einfache Klettereinlage wartet. Die führt uns nicht nur über Klippen, sondern auch entlang eines abgestürzten, im Fels hängenden Flugzeugs, dessen tragende Teile immer wieder unter Laras Gewicht zusammenkrachen. Nach ein paar Minuten haben wir dann endlich eine, vom Programm vorgegebene, Stelle gefunden, an der Lara in einer Zwischensequenz mit ihrem letzten Streichholz ein Lagerfeuer entfacht.