Entwurfszeichnung zum geplanten Spiel "Godus" © 22Cans

Einmal Gott spielen, das wäre doch was. Berge versetzen, damit die Menschlein siedeln und gedeihen können. Blitze vom Himmel schicken, damit sie vor Ehrfurcht erstarren und anschließend Opfer bringen. Oder aber, wenn einem gerade danach ist, alles mit einer gigantischen Flutwelle hinfortspülen. In sogenannten God Games wie Populous ist genau das möglich. Mal fürsorglich, mal strafend lenkt der Spieler die Geschicke seines Volkes, ist Schöpfer und Zerstörer zugleich. Die Macht, die betende Anhänger ihm verleihen, verleitet zu allerlei Experimenten.

Das God Game, das derzeit die meiste Aufmerksamkeit erhält, heißt Godus. Auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter hat das Projekt gerade 650.000 Euro Startkapital gesammelt, erscheinen wird es frühestens im Herbst 2013. Dass der Wirbel jetzt schon erheblich ist, hat in erster Linie mit dem Mann hinter Godus zu tun: Peter Molyneux.

Der Brite gehört zu den bekanntesten Game-Desigern der Welt und hat das Genre God Game geprägt wie kein zweiter. 1989 veröffentlichte Molyneux mit seiner damaligen Firma Bullfrog das erste von mehreren Populous-Spielen. 1997 ließ er Dungeon Keeper folgen: In dem Mix aus God Game und Echtzeitstrategie ist der Spieler ein Erzschurke, dessen Monsterlakaien ein Kerkerlabyrinth für einfältige Abenteurer bauen.

Echte Götterspiele gibt es kaum noch

Nach dieser gelungenen Fantasy-Satire veröffentlichte Molyneux mit seinem neuen Studio Lionhead das Spiel Black & White (2000) und Black & White 2 (2005): Wie in Populous tritt man hier gegen konkurrierende Götter an, steuert aber zusätzlich eine überdimensionale Kreatur (Kuh, Tiger, Affe...), die zum Guten oder Bösen erzogen werden kann.

Glaubt man Peter Molyneux, so lag das Genre in den letzten Jahren brach. "Bestandteile von God Games wurden in Facebook-Spiele übernommen. Dann kam Free-to-play daher und hat einige dieser tollen Mechaniken auf höchst raffgierige Weise ausgebeutet", zitiert ihn das Gamesportal IGN. Molyneux meint Browserspiele wie die Aufbausimulation Cityville, die auf Facebook mehr als 100 Millionen User erreichte. Auch auf Mobile Games wie Babel Rising oder Virtual Villagers mag die Kritik durchaus zutreffen – die Auskopplung bestimmter Aspekte macht das Spielgeschehen auf Dauer zu monoton.

Allerdings gibt es auch Games, die gerade wegen ihrer konsequenten Verschlankung Spaß machen: In Pocket God beispielsweise muss man kein großes Areal im Blick behalten, sondern kann sich ganz auf seinen Job als allmächtige Gottheit konzentrieren. Auch wenn es meist darum geht, die Inselbewohner mit besonders niederträchtigen Aktionen ins Jenseits zu befördern.

Mit einer Aussage hat Molyneux immerhin Recht: In den vergangenen Jahren sind tatsächlich kaum echte God Games erschienen. Der Dauerbrenner Die Sims lebt zwar ebenfalls vom Reiz des Experiments, die göttliche Fürsorge erschöpft sich dort aber weitgehend in der Befriedigung von Konsumbedürfnissen und beschränkt sich auf einen kleinen Personenkreis. Evil Genius verlagert das Dungeon-Keeper-Konzept in ein amüsantes James-Bond-Setting, ist aber schon neun Jahre alt; Minecraft schließlich ist ein gewaltiger Sandkasten, in dem sich Spieler nach Herzenslust austoben können. Für ein God Game fehlt ihm aber die charakteristische Wechselbeziehung zwischen Gott und Gläubigen.