Figuren und Handlung machen Ni No Kuni von der ersten Sekunde an zu einem spannenden Abenteuer. Eine besonders wichtige Rolle kommt dabei dem Kobold Tröpfchen zu, der sich als Rat- und Mutgeber in allen Lagen erweist. Zugleich ist Ni No Kuni aber auch ein vielschichtiges Rollenspiel mit taktisch höchst anspruchsvollen Kämpfen. Wenn Oliver und Tröpfchen übers Land wandern, steigt die Verfolgerkamera auf Wolkenhöhe. Erst diese Draufsicht macht deutlich, wie dicht die Fabelwelt mit Monstern gespickt ist. In Ni No Kuni gibt es mehr als 300 verschiedene Monster: Sie sehen zwar drollig aus und tragen Namen wie "Hatzspatz" oder "Määhdrescher", sind aber bisweilen äußerst aggressiv und wehrhaft. Im Magischen Begleiter, Olivers Almanach, sind sämtliche Arten fein säuberlich beschrieben, ebenso wie die Waffen und Zaubersprüche, die sich besonders gut zu ihrer Bekämpfung eignen.

Zu Beginn des Spiels ist der Almanach noch unvollständig. Oliver findet aber unterwegs immer wieder Buchseiten, die ihn ergänzen. Mit jeder Heldenstufe, die er aufsteigt, erweitert Oliver sein Kontingent an Gesundheit und Magie. Beides ist auch dringend notwendig, um die zunehmend fordernden Kämpfe zu bestehen. Das Kampfsystem von Ni No Kuni mischt Echtzeitgefecht mit Rundentaktik: Aus einem Kontextmenü wählt der Spieler eine Angriffs- oder Abwehrvariante, muss dabei aber auf das richtige Timing achten, um nicht schutzlos in eine gegnerische Attacke zu laufen. Blockt man mehrere Angriffe erfolgreich ab, lässt das Monster Energiebälle fallen, die es dann rechtzeitig aufzusammeln gilt. Besonders in den Bosskämpfen sind diese Bonuspunkte überlebenswichtig, der Spieler sollte also ständig in Bewegung bleiben.

Bisweilen unübersichtliche Kämpfe

Taktisch komplex wird das Ganze allerdings erst dadurch, dass Oliver nicht alleine kämpft. Gleich zu Beginn des Abenteuers bekommt er einen "Vertrauten" zur Seite gestellt: eine Kreatur, die fortan in allen Gefechten abrufbar ist. Wie der Held selbst verbessert der Vertraute kontinuierlich seine Eigenschaften und Spezialangriffe, erhält neue Waffen und Rüstungen.

Später kann Oliver nahezu jedes Fabelwesen zähmen und trainieren, bis zu drei von ihnen darf er gleichzeitig im Kampf einsetzen. Mit der richtigen Mischung aus flinken, robusten und magiekundigen Helfern besteht Oliver selbst schwierigste Schlachten – immer vorausgesetzt, der Spieler aktiviert die Vertrauten zum richtigen Zeitpunkt per Tastendruck. Als wäre das nicht genug, gesellen sich im Spielverlauf auch noch zwei menschliche Verbündete hinzu. Das hat zur Folge, dass die Kämpfe bisweilen recht unübersichtlich werden.

Der Reiz der Zauberwelt entfaltet sich erst dadurch richtig, dass er in Motorville ein Alltagspendant hat. Die große Stärke von Ni No Kuni ist denn auch, dass es auf zwei Ebenen funktioniert: Als Rollenspiel mit enormer Tiefe und als anrührende Geschichte um Liebe, Freundschaft und Solidarität.