In The Cave bleiben die Figuren das ganze Abenteuer über stumm. Der eigentliche Hauptdarsteller ist die Höhle selbst. Mit süffisanter Stimme kommentiert sie Erfolge und Missgeschicke, klopft pseudophilosophische Sprüche und gibt hin und wieder auch mal einen durchaus brauchbaren Tipp.

Was die Helden überhaupt in der Höhle vorhaben, wird zu Beginn angedeutet: Sie alle jagen ureigenen Sehnsüchten nach. Bald allerdings stellt sich heraus, dass dieses Verlangen keineswegs unschuldig ist. Die Protagonisten schrecken vor keiner Schandtat zurück, um ihre Ziele zu erreichen. Der barfüßige, strohhutbewehrte Hillbilly beispielsweise wünscht sich nichts sehnlicher als einen Besuch auf dem Jahrmarkt – auch wenn er ihn dafür komplett niederbrennen muss. Wie die Antihelden wurden, was sie sind, erfährt der Spieler aus eingestreuten Wandgemälden. Alles in allem bleiben die Figuren aber einen Tick zu blass.

The Cave ist so konstruiert, dass spezialisierte Areale wie ein Jahrmarkt, eine Burg oder ein Raketensilo nur von den jeweiligen Figuren geöffnet werden können. Um alle Areale freischalten zu können, muss man das Spiel mindestens in drei Kombinationen erlebt haben. Was nach einem wohlkalkulierten Wiederspielwert klingt, entpuppt sich als wenig überzeugender Kompromiss: In jeder Kombination muss man neutrale Höhlenabschnitte meistern, die spätestens ab dem zweiten Durchgang nur noch langweilen. Erschwerend kommen die enormen Lauf- und Kletterwege hinzu, die Gilbert den Spielern aufbürdet: Die an sich geschmeidigen Jump'n'Run-Passagen verkommen so auf die Dauer zur lästigen Routine. The Cave ist ein atmosphärisches Abenteuer mit unterhaltsamen Rätseln – bei der "Replayability" schießt es jedoch über das selbstgesteckte Ziel hinaus.