"Antichamber"Im Irrgarten von M.C. Escher

"Antichamber" verrückt die Gesetze der Welt: Ursache und Wirkung, Raum und Perspektive sind keine Konstanten mehr. Das lehrreiche Rätselspiel ist nichts für Ungeduldige. von 

In "Antichamber" gelten die bekannten physikalischen Gesetze nicht immer.

In "Antichamber" gelten die bekannten physikalischen Gesetze nicht immer.  |  © Alexander Bruce

Misstrauen ist das erste, was der Spieler in Antichamber lernt. Verlass dich auf nichts – selbst wenn du es mit eigenen Augen gesehen hast. Denn dort, wo du gerade noch gestanden hast, klafft im nächsten Moment ein Abgrund. Die Wand, die dir eben noch den Weg versperrte, ist mit einem Mal nicht mehr da.

Wer Antichamber zum ersten Mal spielt, fühlt sich in einen bizarren Albtraum versetzt. Das Labyrinth, aus dem der Spieler entkommen muss, ist scheinbar willkürlichen Gesetzen unterworfen. Das Spiel zertrümmert systematisch alle Gewissheiten der herkömmlichen Welt, um dann etwas Neues auf diesen Trümmern zu bauen. Statt also ein Gerüst aus Regeln zu errichten, wie dies andere Spiele tun, trainiert Antichamber hypothetisches Denken und macht ganz nebenbei das Lernen selbst zum Thema. Der Spieler ist dabei das Kaninchen im Versuchslabor.

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Geschaffen hat diese Welt der Australier Alexander Bruce. Ursprünglich war Antichamber als reines Geometrie-Puzzle geplant, doch im Lauf der knapp siebenjährigen Entwicklungszeit fanden immer mehr psychologische Elemente den Weg in das Spiel. Für die Konzeption und die technische Umsetzung gewann Antichamber mehrere Preise, etwa bei der Penny Arcade Expo und dem Independent Games Festival. Nun ist es auf Steam für PC erhältlich.

Als Inspirationsquelle nennt Alexander Bruce unter anderem die Werke des niederländischen Künstlers M.C. Escher. Der bediente sich bei der nicht-euklidischen Geometrie und ihren gekrümmten Räumen.

Was nach schwergängiger Theorie klingt, ist im Spiel erstaunlich leichtfüßig umgesetzt. Der Spieler beginnt in einem dunklen, hohen und vollkommen leeren Raum. Aus dem hell erleuchteten Nebenraum, der durch eine Glasscheibe abgetrennt ist, lockt eine Tür mit der Aufschrift "Exit". Sogleich fällt auch die Digitaluhr an der Wand auf, die erbarmungslos neunzig Minuten herunterzählt. Die Eile, in die man unfreiwillig gerät, ist allerdings nur der Vorgeschmack auf eine ganze Reihe Pawlowscher Reflexe, die Antichamber gezielt vorführt. Schon bald wird deutlich, dass neunzig Minuten knapp bemessen sind und nur künstlichen Druck erzeugen. Die meisten Spieler werden ein Vielfaches dieser Zeit benötigen, um den Ausgang zu erreichen.

Der dunkle Raum vom Anfang dient in Antichamber als zentraler Knotenpunkt. Man kann sich dorthin per Escape-Taste zurückbeamen, wenn man einmal nicht mehr weiter weiß oder – was durchaus vorkommt – alle Rückwege verbaut hat. Der Spieler stirbt also nicht, sondern muss allenfalls von vorn beginnen. 

Im Ausgangsraum befindet sich auch die Karte des Labyrinths, die mit jedem Fortschritt weiter wächst. Die einzelnen Abschnitte lassen sich per Mausklick direkt ansteuern. Was auf der Karte nicht angezeigt wird, sind Höhenunterschiede und Hindernisse. Antichamber erfordert also, dass man sich die Eigenheiten der Räume gut einprägt; besonders auch deshalb, weil sich manche Rätsel über mehrere Kartensegmente erstrecken.

Leserkommentare
  1. Kann mir jemand erklären, was abgesehen von dem wirklich tollen Design und der bestimmt spannenden Rätsel daran jetzt so außergewöhnlich sein soll... also im Sinne von, dass es mit dem Verstand und der Wahrnehmung von einem spielt?

    Ich hab jetzt die Videos hier im Artikel und auf der Herstellerseite gesehen und mir ist nichts in der Richtung aufgefallen. Was eigenartig ist, da der hier zitierte M.C. Escher für verwirrende mind-f*uck Effekte keine Promovideos brauchte sondern mit dem Realitätsverständnis des Betrachters in einzelnen Bildern Pingpong spielte. Da sollte in bewegten Bildern doch mehr drin sein.
    Der Film Inception hat das ja auch super umgesetzt mit der Penrose-Treppe (die auch später nochmal sehr originell in einem Kampf Anwendung findet)
    http://www.youtube.com/wa...

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    gerade gekauft und ausprobiert...
    (nebenbei: Was genau ist das Problem mit Steam? Datenschutz? DRM? Ich kannte die Plattform vorher nicht und war nicht sonderlich begeistert mich da anmelden und seitenweise völlig undurchschaubare Lizenzvereinbarung zu akzeptieren, nur um ein Spiel zu erwerben.)

    Jedenfalls zum Spiel selbst: Es ist einfach anders, die Steuerung, die Bewegung, die Perspektive...
    Ich hab mich durch das erste dutzend Räume bewegt/gepuzzelt/geklickt/wasauchimmer, meistens ohne eine Idee zu haben, was ich da genau mache und was das Spiel von mir erwartet - mich erinnert es an einen Museumsbesuch mit sehr moderner, abstrakter Kunst: sehen, staunen und den Geist von seinen Gewohnheiten und Konventionen befreien. Faszinierend, aber für den Durchschnittszocker vermutlich ziemlich öde, zumal die Rätsel/Aufgaben/wasauchimmer zumindest bisher nicht sonderlich anspruchsvoll sind.

    • Skyejet
    • 05. Februar 2013 8:41 Uhr
    18. danke.

    Danke für Ihren Beitrag. Kann ich so unterschreiben.
    Viele der gegen Steam anwetternden, die ich kenne, nutzen auf der anderen Seite z.B. Apple-Produkte, da sehe ich regelmäßig die Inkonsistenz ihrer "Vorsicht".
    Kann ich dann gleich nicht mehr ernst nehmen.
    Ich persönlich hatte durch Steam bisher nur Vorteile und genau EINEN einzigen Nachteil: Einen erhöhten monatlichen Ausgabeposten für Games. Insbesondere im Indie-bereich. ;)

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  2. "Durch die Werbung des Steam Clients dürften aber darüber hinaus eine Vielzahl an weiteren Kunden aufmerksam werden..."

    ...die es dann gar nicht kaufen, weil Steam sie nervt. Ich zum Beispiel. Hatte gerade richtig Lust das Spiel zu ziehen, aber beim Reizwort Steam ist die Luft raus. Denn über diese Datenkrake hab ich mich schon mal geärgert.

    Ich vermisse immer noch ein Argument pro Steam. Online-Vertriebssysteme gibts ja nun haufenweise, und gerade in so einem ideellen Bereich dürfte der DRM-Overkill kaum mehr Verkäufe bringen.

    Sehr schade jedenfalls.

  3. Vielleicht sind Spiele für Sie ja Wegwerfprodukte, die man einmal spielt, und dann vergisst.

    Für mich nicht. Für mich sind das Kulturprodukte, die ich auch in zehn oder zwanzig oder dreißig Jahren erneut rezipieren können möchte, wenn die jeweiligen Vertriebskanäle (hier Steam) längst pleite sind.

    Wenn Bücher nach ein paar Jahren ihr Verfallsdatum erreichen würden, weiß ich nicht, ob es dann genauso viele Apologeten wie Sie geben würde.

    (Und natürlich geht es auch um die üblichen Verbraucherrechte, falls man sie mal braucht: Wiederverkauf und Verleih.)

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  4. 21. Schön.

    Danke für die Info.

    Ich weiß nicht, woher sie kommt, denn auf der Webseite habe ich nichts dazu gefunden, aber erfreulich.

    Dann bleibt mir ja das "raub"kopieren erspart. ;-)

    Antwort auf "Nachreichung"
    • Herzog1
    • 05. Februar 2013 10:23 Uhr

    Steam ist kein DRM. Steamworks ist DRM. Antichamber benötigt kein Steamworks und hat somit kein DRM.

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    Inwiefern ist Steam kein DRM?

    Wenn Steam irgendwann pleite ist, wie installiere ich dann Antichamber erneut auf einem anderen Rechner? Eine von Steam unabhängige Setup-Datei zum Download wird es ja wohl kaum geben.

  5. Inwiefern ist Steam kein DRM?

    Wenn Steam irgendwann pleite ist, wie installiere ich dann Antichamber erneut auf einem anderen Rechner? Eine von Steam unabhängige Setup-Datei zum Download wird es ja wohl kaum geben.

    Antwort auf "Steam und DRM"
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    • Herzog1
    • 05. Februar 2013 11:27 Uhr

    Es gibt Spiele die ohne den Steam Client funktionieren. Diese können dann über die .exe Datei im Installationsordner gestartet werden. Zudem ist es auch möglich die Spiele im Offline Modus zu spielen.

    Falls Steam pleite gehen sollte, was jedoch ziemlich unwahrscheinlich ist, so wird wohl ein Patch veröffentlicht, der alle Spiele im Offline-Mode starten lässt.

    http://forums.steampowere...

    Bessere und offizielle Quelle dazu gibt es jedoch nicht.
    Achja, weiter oben schreiben sie Games wären ein Kulturgut, die sie in 20 oder 30 Jahren immer noch nutzen möchten. Wie halten sie es derzeit mit ihren Spielen die sie auf 3,5 Zoll oder 5,25 Zoll Disketten besitzen?

    • Herzog1
    • 05. Februar 2013 11:27 Uhr

    Es gibt Spiele die ohne den Steam Client funktionieren. Diese können dann über die .exe Datei im Installationsordner gestartet werden. Zudem ist es auch möglich die Spiele im Offline Modus zu spielen.

    Falls Steam pleite gehen sollte, was jedoch ziemlich unwahrscheinlich ist, so wird wohl ein Patch veröffentlicht, der alle Spiele im Offline-Mode starten lässt.

    http://forums.steampowere...

    Bessere und offizielle Quelle dazu gibt es jedoch nicht.
    Achja, weiter oben schreiben sie Games wären ein Kulturgut, die sie in 20 oder 30 Jahren immer noch nutzen möchten. Wie halten sie es derzeit mit ihren Spielen die sie auf 3,5 Zoll oder 5,25 Zoll Disketten besitzen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    >Diese können dann über die .exe Datei im
    >Installationsordner gestartet werden.

    Schon klar, nur das heißt nicht, dass diese dann "portabel" sind, also einfach so auf einen anderen Rechner kopierbar und dann funktionsfähig. Deswegen fragte ich nach einer Setupdatei.

    Gibt es denn eine Möglichkeit vor dem Kauf zu erkennen, bei welchen Spielen das so ist?

    >Offline Modus

    Ja, aber dieser muss wohl an den lokalen Rechner gebunden, sonst würden die Offline-Modus-Spiele ja im Netz auftauchen, was sie nach meinem Kenntnisstand normalerweise nicht tun.
    Die Spiele die im Netz auftauchen sind typischerweise entweder gecrackt oder nutzen virtuelle Maschinen.

    >Steam pleite gehen sollte,
    >was jedoch ziemlich unwahrscheinlich

    Das ist sogar 100% wahrscheinlich, die Frage ist nur wann.

    >so wird wohl ein Patch veröffentlicht

    Das würde ich nur glauben, wenn die Patches direkt bei Erscheinen des jeweiligen Spiels bei einer Anwaltskanzlei hinterlegt würden o.ä..
    Glauben sie ernsthaft, dass im Falle einer Pleite das Releasen eines Patches eine hohe Priorität bei den Mitarbeitern hätte?
    Ein Rechtsanspruch auf den Patch besteht auch nicht, zumal der natürlich im Falle einer Insolvenz sowieso wertlos wäre.

    >Wie halten sie es derzeit mit ihren Spielen
    >die sie auf 3,5 Zoll oder 5,25 Zoll Disketten

    Die wurden schon lange auf meine Festplatte kopiert und werden in Dosbox gespielt. Genau das ist der Punkt: Da sie kein DRM haben, geht das problemlos.

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  • Schlagworte Rätsel | Independent | Tafel
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