"Persona 4 Golden"Die Monster des C. G. Jung
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 Eine Lebenssimulation, die diesen Namen auch verdient

Die Nähe zu seinen Charakteren macht das Spiel so besonders. Das Leben in der japanischen Kleinstadt dient nicht einfach nur als Hintergrundrauschen für immer spektakulärere Kämpfe, im Gegenteil: Die Sorgen und Nöte der Teenager stehen im Mittelpunkt der Handlung. Ihr Alltag verläuft trotz der laufenden Mordserie in weitgehend festen Bahnen. Vormittags geht es in die Schule, wo Prüfungen, nervende Lehrer und Schulhofgerüchte warten; nachmittags nehmen die Teilzeithelden an Theater-AGs und Basketballspielen teil oder verdienen sich ihr Taschengeld mit kleinen Jobs. Die Stadt Inaba ist in verschiedene Bereiche aufgeteilt, die sich per Auswahlmenü ansteuern lassen. Zu den Hauptschauplätzen gehören das Haus von Kommissar Dojima, die Schule, der Einkaufsbezirk mit vielen kleinen Läden sowie eine gigantische Shoppingmall, in der sich die Jugendlichen gerne treffen. Für die Ausflüge in die Parallelwelt bleiben nur manche Nachmittage, die Abende und die Wochenenden. Immer wenn ein Bewohner von Inaba verschwindet, ist Eile geboten und ein Blick auf die Wettervorhersage Pflicht: Die Rettung aus der TV-Welt kann nur gelingen, so lange der strömende Regen noch nicht in Nebel übergegangen ist.

Das Spiel wird dadurch lang – und mit der Zeit immer besser. Im Verlauf der gut achtzigstündigen Handlung schließt der Spieler viele neue Bekanntschaften, die sogenannten Social Links. Je mehr Zeit er mit diesen Charakteren verbringt, desto besser lernt er ihre Geschichte und ihre Beweggründe kennen. Durch wechselseitige Anteilnahme verfestigt sich das soziale Band. Davon profitieren nicht nur die Helden, sondern auch die battle skills ihrer Personae. Was nach Beziehungsoptimierung und schierem Opportunismus klingt, ist tatsächlich eine faszinierende Aufgabe: Die Charaktere sind so vielschichtig gestaltet, dass man gerne mehr über sie erfahren möchte. In Persona 4: Golden gibt es eine Fülle spannender Figuren – vom Popsternchen Rise Kujikawa, das in der Fremdwahrnehmung gefangen ist, bis hin zum sexuell ambivalenten Outlaw Kanji Tatsumi. Die gut geschriebenen Dialoge tun ihr Übriges, den Figuren Leben einzuhauchen. Persona 4:Golden ist also eine Lebenssimulation, die diesen Namen auch verdient.

Taktisch anspruchsvolles JPRG und spannende Sozialsimulation

In den Dungeons der TV-Welt ist es dann wieder ein klassisches JRPG. Die Kämpfe gegen die Monster sind taktisch und rundenbasiert: Der Spieler attackiert oder pariert, wechselt die Persona oder nutzt den Zug, um die Schwächen des Gegners zu analysieren. Komplex wird es, weil alle Helden und meist auch mehrere Monster an den Schlachten teilnehmen. Gewinnen die Helden, ist "Shuffle Time" angesagt: Aus einem Stoß Tarot-Karten erhält der Protagonist entweder eine zusätzliche Persona oder eine Karte mit Skill-Punkten. Später darf er im mysteriösen "Velvet Room" auch mehrere Personae zu einer noch mächtigeren Kampffigur verschmelzen. Vor allem in den Dungeons offenbaren sich die Neuerungen der Golden-Version: Über eingeblendete Sprechblasen erfährt man, was andere Spieler an besonders kniffligen Stellen getan haben; außerdem kann man in Notsituationen andere Onlinespieler zuhilfe rufen – das Rollenspiel Dark Souls lässt grüßen.

Mit seiner Verknüpfung von Alltags- und Schattenwelt gelingt Persona 4: Golden etwas ganz Besonderes: Es funktioniert sowohl als taktisch anspruchsvolles JPRG wie auch als hochspannende Sozialsimulation. Die ersten zwei bis drei Stunden mögen etwas langatmig und linear daherkommen, doch dann entfaltet es seine ganze Palette an Möglichkeiten, stellt den Spieler immer wieder vor wichtige Entscheidungen. Ein spannenderes Spiel als Persona 4: Golden gibt es für die PlayStation Vita derzeit nicht.

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Leserkommentare
  1. "Die Persona (lat. Maske) ist der repräsentative, nach aussen gerichtete Aspekt des Ich-Bewusstseins und entspricht der äusseren Persönlichkeit. Sie dient der Anpassung an die Aussenwelt im Sinne eines normgebundenen, sozialverträglichen Verhaltens." - http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Gustav_Jung

    Das hätte man aber auch zumindest umschreiben können und nicht direkt in seinen Artikel reinkopieren müssen, oder?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Spielkonsolen | Rollenspiele | Konsolenspiele | Sony | Japan
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