Vorstellung der PlayStation 4 in New York © Brendan McDermid / rtr

Am Mittwochabend blickte die Spielewelt nach New York: Die Firma Sony stellte dort ihre neue Spielkonsole vor, die PlayStation 4. Ein wichtiges Thema blieb bei der rund zweistündigen Bühnenshow jedoch außen vor: Gebrauchtspiele. Erst im Anschluss gelang es einem Journalisten, dem Chef der Sony Worldwide Studios eine Stellungnahme zu entlocken: "Gebrauchte Games lassen sich auf der PS4 abspielen", bestätigte Shuhei Yoshida, nachdem er sich kurz mit seinem PR-Berater über die offizielle Konzernlinie verständigt hatte. Ein fast beiläufig gesprochener Satz, der Spielefans kollektiv aufatmen ließ.

Lange wurde gemutmaßt, Sony wolle Gebrauchtspiele von seiner neuen Konsole verbannen. Genährt wurden diese Gerüchte, als Sony Anfang Januar eine neue Technologie patentieren ließ: Diese erlaubt es, Spiele-Discs via NFC (Near Field Communication) dauerhaft mit einem bestimmen Nutzer-Account zu verknüpfen. Das würde weiterverkaufte Spiele wertlos machen.

Ähnliches drang auch über den PS4-Konkurrenten von Microsoft an die Öffentlichkeit: Die neue Heimkonsole werde einem Online-Zwang unterliegen und Spiele mit einmaligen Aktivierungscodes haben, meldete das Edge Magazine Anfang Februar.

Die Aktien der Firma Gamestop gaben daraufhin um fast sieben Prozent nach. Der weltgrößte Games-Fachhändler hat 6.500 Filialen, davon 200 in Deutschland, und erwirtschaftet knapp die Hälfte seines Bruttogewinns mit gebrauchter Hard- und Software. Für das Unternehmen wären Gebrauchtspielsperren fatal, und die Diskussion darum ist keineswegs vom Tisch.

Kritik an Geschäftspraktiken von Gamestop

Studios und Publisher argumentieren so: Kunden, die Secondhand-Games kaufen, geben weniger Geld für neue Spiele aus und schaden damit der gesamten Branche. Was die Hersteller besonders stört, sind Geschäftsmodelle wie bei Gamestop: Die Kunden können dort ihre gebrauchten Spiele in Zahlung geben; der Händler wiederum verlangt für aktuelle Gebrauchtspiele Preise, die nur unwesentlich unter den Neupreisen liegen. Weil die Margen höher liegen, würden Gamestop-Kunden selbst dann Gebrauchtspiele aufgenötigt, wenn es die entsprechenden Neuspiele ebenfalls im Laden gibt. Das zumindest beklagt Industrieveteran Richard Browne.

Browne betitelt seinen Beitrag The Real Cost of Used Games. Er beschreibt die seiner Meinung nach fatalen Folgen des Gebrauchtspielehandels: Den Publishern gehen Einnahmen verloren, deshalb nehmen sie immer weniger Risiken in Kauf und setzen stattdessen auf bewährte Spieleserien wie Fifa oder Call of Duty. Darunter leide letztlich die Vielfalt, klagt Browne.

Um wenigstens indirekt an den Gebrauchtspielen zu verdienen, hätten die Publisher "Day-One-DLC" eingeführt – also Download-Inhalte, die nur mit dem Original-Code des Spiels kostenlos abrufbar sind. Viele Publisher würden zudem Mehrspieler-Modi nur deswegen anbieten, weil sich damit kostenpflichtige Online-Pässe verkaufen lassen. Die Entwicklung der Einzelspielerkampagne werde dabei oft vernachlässigt. All dies sei wenig kundenfreundlich, schreibt Browne. Günstige Gebrauchtspiele seien auch deshalb nicht so wichtig, weil die meisten Kunden genug Geld hätten, um sich neue Spiele leisten zu können.