"BioShock Infinite"Dystopia über den Wolken

"BioShock Infinite" ist ein herausragendes Computerspiel – dank packender Story, charismatischer Figuren und einem detailverliebten Abenteuerspielplatz in den Wolken. von 

BioShock Infinite

Szene aus der schwebenden Stadt Columbia  |  © 2K Games

Gleich zu Beginn von Bioshock Infinite gibt es eine Szene mit hohem Symbolgehalt. Hauptdarsteller Booker DeWitt ist soeben per Flugkapsel in der Wolkenstadt Columbia angekommen. Vom Landeplatz gelangt er geradewegs in einen Kirchenbau, dessen Boden knöcheltief mit Wasser bedeckt ist. Gedämpftes Licht fällt durch bunte Glasfenster, überall stehen Kerzen, aus der Ferne ertönen die Klänge des Kirchenlieds Will the circle be unbroken. Ein Priester tauft alle Neuankömmlinge, auf dass sie Columbia ohne Sünde betreten. Zähneknirschend willigt Booker in die Prozedur ein – und wird vom Priester so gründlich getauft, dass er dabei fast ertrinkt. Die Botschaft ist unmissverständlich: Wer hier ist, ist ein Auserwählter – solange er tut, was von ihm erwartet wird.

Die Bewohner von Columbia bekommen das auf jede erdenkliche Art eingetrichtert. Statuen, Plakate und Propagandafilme feiern den weißbärtigen Stadtobersten Zachary Comstock als Erlöser und Propheten. Die Bürger werden zu unkritischen Subjekten mit einer gehörigen Portion Bigotterie, Rassismus und Fremdenhass erzogen, während schwarze Tagelöhner wie Sklaven in den Fabriken schuften. Längst hat sich Father Comstock von den USA losgesagt, die Columbia Anfang des 20. Jahrhunderts als fliegende Festung konstruierten. Der Despot verfolgt einen Plan, mit dem er sich an den sündigen Bodenbewohnern rächen will. Auf dieser Alternativweltgeschichte errichtet Infinite einen in sich glaubwürdigen, hochgradig fesselnden Kosmos.

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Ähnlich wie die Vorgänger Bioshock 1 und 2 zeichnet der Shooter Infinite eine gesellschaftliche Dystopie. Schon in der Unterwasserstadt Rapture war es die Hybris eines Einzelnen, die statt paradiesischer Zustände eine Alptraumwelt schuf. Und wie schon in Rapture formiert sich Widerstand gegen den ach so menschenfreundlichen Tyrannen: Die Rebellen von Columbia nennen sich Vox Populi und stürzen den Himmelsstaat in einen verlustreichen Bürgerkrieg.

Mitten in diesen Konflikt gerät der raubeinige Privatermittler Booker DeWitt. Den früheren Pinkerton-Detektiv drücken Schulden, und um die zu tilgen, hat er einen höchst riskanten Auftrag angenommen: Er soll eine junge Frau namens Elizabeth befreien, die seit ihrer Geburt in Columbia gefangen gehalten wird. Elizabeth besitzt übernatürliche Fähigkeiten, denn sie kann Tore in eine andere Dimension öffnen. Comstock lässt sie von einem gewaltigen mechanischen Vogel bewachen, dem Songbird. Mit viel Glück gelingt es DeWitt, Elizabeth aus ihrem Gefängnisturm zu befreien. Ungleich schwieriger gestaltet sich die Flucht aus Columbia: Außer Comstocks Schergen sind auch die Rebellen von Vox Populi hinter dem Duo her.

Als First-Person-Shooter orientiert sich Infinite an den Vorgängern, führt aber einige Neuerungen ein. Wie in Bioshock 1 und 2 verfügt der Spieler über ein breites Waffenarsenal, das sich durch Upgrades verbessern lässt. Erhalten geblieben sind auch die Dopingmittel, die jetzt nicht mehr "Plasmids", sondern "Vigors" heißen. Booker kann sie gegen Cash am Automaten kaufen und sich damit permanente Spezialkräfte verleihen: "Murder of Crows" etwa hetzt einen Krähenschwarm auf die Gegner, "Bucking Bronco" lässt sie hilflos in der Luft schweben, "Possession" erlaubt die Kontrolle feindlicher Geschütze.

Sämtliche Vigors benötigen als Grundstoff Salz, das man entweder kaufen oder unterwegs einsammeln kann. Darüber hinaus gibt es auch wieder passive Fähigkeiten wie zum Beispiel Kleidungsstücke, die Feinde bei direktem Kontakt unter Strom setzen. Mit den überall verteilten Ressourcen übertreibt es Bioshock Infinite etwas: Um sich neue Fähigkeiten leisten zu können, werden Spieler beständig Schränke, Kisten und Leichen plündern, wodurch die Erzählung schnell in den Hintergrund geraten kann.

Fortbewegung mit der Skyline

Die spielerischen Neuerungen resultieren zum einen aus dem Levelaufbau. Die weitläufigen Außenareale von Columbia gewähren deutlich mehr Bewegungsfreiheit als die oft klaustrophobisch engen Labyrinthe von Rapture. Spieler entdecken häufiger Orte, von denen aus sie selbst große Gegnerscharen in Schach halten können; Fernkampfwaffen gewinnen an Bedeutung.

Blitzschnelle Positionswechsel ermöglicht die Skyline, eine Mischung aus Achterbahn und Seilbahn, deren Streckennetz ganz Columbia durchzieht. Mit einem Greifhaken hängt sich Booker an die Skyline, um höhere Ebenen zu erreichen oder Gegner durch Sturzangriffe zu überwältigen. Batman lässt grüßen.

Leserkommentare
    • Panic
    • 26. März 2013 14:21 Uhr

    Mein absoluter Favorit. Games, die outstanding sind, eine eigene Klasse. This is a good day!

    cheers

    3 Leserempfehlungen
  1. Bitte nicht vergessen dass es sich bei Computerspielen um triviale Unterhaltung handelt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    für die meiste Musik und Bücher, nur wie bringen uns diese Feststellungen thematisch weiter?

    Bin gespannt auf das Spiel, werde aufgrund der herausragenden Bewertungen von Medien und Communitiy aber die ersten Patches und DLCs abwarten um das bestmöglichste raus zu holen.

    • Panic
    • 26. März 2013 15:05 Uhr

    dann sind Sie über | . | nicht hinaus gekommen. Schade. Aber jeder wie er mag.

    cheers

    Bitte nicht vergessen, dass hinter solche Sätze im Internet immer ein Smiley gehört, sonst versteht die keiner.

    Das Spiel scheint einer dieser Blockbuster zu sein, wo eigentlich alles stimmt, aber das Spielprinzip in den Hintergrund rückt. Im Kern ist es eben ein einfacher Shooter. Nur das "Storytelling" macht das Spiel besonders. Irgendwie mag ich es nicht mehr, wenn ich alles töten muss, damit die Geschichte weiter geht. Ich will schon selbst entscheiden wen oder was ich aufs Korn nehme. ;) Die Wolkenstadt hätte sich durchaus angeboten für ein offeneres Spielprinzip. Spiele wie Stalker haben ja gezeigt, dass auch eine Dystopie nicht unbedingt den Tod von 99% der Spielbevölkerung verlangt.

    Ironie oder zu viel Adorno? Man weiß es nicht.

  2. für die meiste Musik und Bücher, nur wie bringen uns diese Feststellungen thematisch weiter?

    Bin gespannt auf das Spiel, werde aufgrund der herausragenden Bewertungen von Medien und Communitiy aber die ersten Patches und DLCs abwarten um das bestmöglichste raus zu holen.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "triviale Unterhaltung"
    • Panic
    • 26. März 2013 15:05 Uhr

    dann sind Sie über | . | nicht hinaus gekommen. Schade. Aber jeder wie er mag.

    cheers

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "triviale Unterhaltung"
    • hairy
    • 26. März 2013 15:34 Uhr

    ob es tatsaechlich genug Neues bringt gegenueber seinen Vorgaengern...

  3. 7. .....

    Ironie oder zu viel Adorno? Man weiß es nicht.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "triviale Unterhaltung"
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    • Oyamat
    • 27. März 2013 10:26 Uhr

    Was bitte macht es, ob / wenn etwas "triviale Unterhaltung" ist? Wichtig ist doch, ob es *gute* Unterhaltung ist, mit der man keine Lebenszeit vergeudet hat. Wenn man dabei lächeln oder sogar begeistert sein kann, hat man schon gewonnen - wenn es dazu nebenbei auch noch trivial ist, wen sollte das kümmern?

    Schade, daß ich mit Dystopien so wenig anfangen kann. Der Spielbericht klang gar nicht übel. Wenn's das als etwas weniger dystopische Sandbox gäbe, wäre ich mit einem Versuch dabei, sobald ich das Spiel in die Hände kriegen könnte...

    MGv
    Oyamat

    • Oyamat
    • 27. März 2013 10:26 Uhr

    Was bitte macht es, ob / wenn etwas "triviale Unterhaltung" ist? Wichtig ist doch, ob es *gute* Unterhaltung ist, mit der man keine Lebenszeit vergeudet hat. Wenn man dabei lächeln oder sogar begeistert sein kann, hat man schon gewonnen - wenn es dazu nebenbei auch noch trivial ist, wen sollte das kümmern?

    Schade, daß ich mit Dystopien so wenig anfangen kann. Der Spielbericht klang gar nicht übel. Wenn's das als etwas weniger dystopische Sandbox gäbe, wäre ich mit einem Versuch dabei, sobald ich das Spiel in die Hände kriegen könnte...

    MGv
    Oyamat

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    Antwort auf "....."

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  • Schlagworte Computerspiel | Columbia | George Washington | USA
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