Tomb RaiderLara Croft, die unrealistische Kampfmaschine

Lara Croft wurde neu erfunden, sie wurde jünger, verletzlicher, komplexer. Doch die Macher scheitern an der Psychologie der Figur, den Killer nimmt man ihr nicht ab. von 

Lara Croft

Lara Croft  |  © Square Enix

 

Die Spielereihe Tomb Raider hat in den vergangenen Jahren einen kontinuierlichen Niedergang erlebt. Mit jeder Fortsetzung nahm das Interesse an den Abenteuern der Archäologin Lara Croft weiter ab, daran änderten auch ein Remake des ersten Tomb Raider-Titels und ein Koop-Ausflug nichts.

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Als Grund für den Popularitätsverlust erwies sich die Figur der Lara Croft selbst: Mit bombastischer Oberweite, knapper Kleidung und übercooler Attitüde war sie eine Pixel gewordene Männerfantasie, die aber weder einem modernen Frauenbild entsprach, noch Raum für charakterliche Weiterentwicklung bot. Tomb Raider war langweilig geworden.

So ist es denn nur schlüssig, wenn die Macher die Serie runderneuern und der arg eindimensionalen Alleskönnerin neue Facetten hinzufügen. Tomb Raider (PC, PS3, Xbox 360) erzählt die Vorgeschichte der weltberühmten Archäologin: Als Nachwuchsforscherin nimmt Lara (deutsche Synchronstimme: Nora Tschirner) an einer Expedition in den Pazifischen Ozean teil. Sie will die Insel Yamatai finden, die einst von der Sonnenkönigin Himiko regiert wurde. Bei der Fahrt durch das berüchtigte Drachen-Dreieck erleidet die Besatzung in einem Sturm Schiffbruch; mit letzter Kraft kann sich Lara ans Ufer einer Insel retten, wird dabei aber von den anderen Besatzungsmitgliedern getrennt.

Dann geht alles ganz schnell: Lara bekommt einen Schlag auf den Hinterkopf, und als sie wieder aufwacht, hängt sie kopfüber und gefesselt an einer Höhlendecke – um sie herum Kerzen, Knochen und Totenschädel.

Kaum hat sich Lara aus ihrer misslichen Lage befreit, beginnt auch schon eine atemlose Flucht. Den Peiniger dicht auf den Fersen, kriecht Lara schwer verletzt durch überflutete Gänge, zwängt sich durch Felsritzen und weicht herabstürzenden Gesteinsbrocken aus. Irgendwann gelingt es ihr tatsächlich, Verfolger und Höhle hinter sich zu lassen. Schwer atmend steht Lara auf einem Felsvorsprung und blickt in eine mit Schiffswracks übersäte Bucht hinaus. Diese höchst schmerzvollen Fluchtminuten sind aber nur der Auftakt eines Martyriums, wie es eine Computerspielfigur noch selten erdulden musste.

Das bisherige Bild demontieren

In den ersten paar Stunden von Tomb Raider wird die junge Lara Croft zur Expertin für Schmerz: Sie stürzt von Bäumen und Felsen, ertrinkt fast, tappt in Bärenfallen, wird geschlagen, von Dornen aufgespießt und von Wölfen gebissen. Im permanenten Überlebenskampf lässt die Insel der Heldin kaum einmal Ruhe: Wenn Lara sich am Lagerfeuer notdürftig wärmt und verarztet, ist das nur eine kurze Pause, schon warten neue Schlammgruben, Dornenbüsche und Hinterhalte auf sie.

Was die Macher des Spiels mit diesem Überangebot traumatischer Erfahrungen bezwecken, ist klar: Sie wollen Mitleid erzeugen und das Bild der übermenschlich unverwundbaren Lara demontieren.

Mit diesem "harschen Realismus" setzt sich Tomb Raider stilistisch auch von zwei wichtigen Konkurrenten ab: zum einen von der Uncharted-Reihe, die jede noch so große Katastrophe ihres Protagonisten mit einem Augenzwinkern kommentiert. Und zum anderen von Assassin's Creed, das zwar ebenfalls nicht an Gewaltdarstellungen spart, den Helden selbst aber nur selten so peinigt wie Lara Croft.

Kämpfe seien in früheren Tomb Raider-Spielen stets nur ein Nebenschauplatz gewesen, sagt Game-Designer Ian Livingstone, dessen Firma Eidos die Figur Lara einst schuf. Wenn es nun mehr Kämpfe gebe, müsse sie realistischerweise auch "Schaden davontragen".

Leserkommentare
  1. "Letztlich steht der Kampf im Vordergrund und somit wieder eher eine Männerfantasie."
    Jopp, Männer mögen Kämpfen und Brüste, Frauen mögen Shopping und Einhörner. Gähn.

    11 Leserempfehlungen
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    Selten het eine Überschrift eine grosse Problematik so gut zusammengefasst wie ihre.

    Niemand wäre auf die Idee gekommen das ein Rambo oder Indianer Jones einer Kindheit voller schmertz und ernidrigungen ertragen musse um so hart zu werden, nein all die Action Helden sind so geworden weil sie für etwas Kämften was ihnen wichti war. Nun scheint mn zu glauben das man bei Lara das nicht anwenden kann. Sie kann nicht für etwas kämpfen oder sich die talente allmählich selbst beibringen, soder die Äuseren Umstände müssen dafür sorgen das sie so wird.

    Es scheint eher mal wieder das Wonderwomen Problem zu sein bei dem Autoren meinen das starke Frauen für den Konsumenten gebrochen werden müssen um sie ihm näher zu bringen und ihm die angst zu nehmen das er die Frau nicht kontrollieren könnte. Eigentlich waren wir davon doch nun schon lange entfernt.

  2. Ich finde ja schön, dass Videospiele hier als Kulturgut angesehen und dementsprechend auch als Kunst- und Ausdrucksform ernstgenommen werden. Jedoch höre ich nach der ersten Seite auf zu lesen, weil es einfach viel zu viele Spoiler über Dinge gibt, die man vielleicht eigenständig erfahren möchte.
    Da steht die Zeit aber nicht allein, das schafft jeder Spieletester im Netz und in den Printmedien. Ich finde das schade. Klar ist die Interaktivität in einem Game das wichtigste und sollte beschrieben werden. Aber wieso muss man dann die nicht-interaktiven Elemente wie die Geschichte oder die Figurenentwicklung, die das alles zusammenhalten, so ausbreiten?

    4 Leserempfehlungen
  3. 3. ?????

    "die aber weder einem modernen Frauenbild entsprach" was bitte ist denn ein modernes Frauenbild und viel wichtiger. Welches realistische Frauenbild hat Lara denn je verkörpert?
    Warum die Serie Probleme bekam? Könnte vielleicht etwas mit der Konkurrenz zu tun haben, des ewig gleichen Gameplayes oder aber auch einfach, dass der 27.Titel einer Serie den Zockern irgendwann wie Abzocke vorkommt. Aber nein. Es waren die großen Brüste und das unrealistische Frauenbild, was mich zu einer weitereren Frage führt. Wie realistisch ist eigentlich das Männerbild in Indiana Jones, Gothic und jedem durchschnittlichen Hollywoodfilm?
    Ich glaube Spieler wollen einfach gerne Tiefgang oder Überzeichnung haben und wenn man das noch mit einer hübchen Grafik verpackt kann man problemlos einen Hit landen.

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    Ich kann Kommenatr #3 nur zustimmen. Man(n) spielte Tomb Raider nicht wegen der Oberweite, sondern weil es ein interessantes Gameplay bot, mit Rätseln, Action und vielen liebevoll gestalteten Details.

    Das passt halt nur zu gut in die Ansichten der Hausfrauenpsychologie dass der(!) Gamer (=Nerd) alles tut um ein paar Pixel der im erste Teil noch dreieckigen (und auch nicht übertriebenen) Oberweite auf dem Bildschrim zu haben.

    Wenns darum ginge - da gab es auch 1996 schon grafisch besseres. Aber darum ging's eben nicht und auch die Nude-Haks waren eher als Spaß zu verstehen.

  4. einen schwachen Ableger handeln, mit schwacher KI, schwacher Story, die nicht glaubwürdig ist, und fehlenden Grundelementen (erkundung, kein tauchen möglich).

    Daher empfehle ich das Teil nicht zu kaufen, ist wohl wie Dead Space 3 eine schlechte Fortsetzung.

    2 Leserempfehlungen
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    bekommt man nicht mit einem Fingerschnipsen. Quellen sollten sie für ihre Aussage schon angeben.

    .
    oder man nutzt die "Let's Play"-Möglichkeiten auf YouTube:

    https://www.youtube.com/w...

  5. Uuups - dieses Spiel würde ich niemals spielen, weil es mich überhaupt nicht reizt, solche Martyrien zu durchleben. Spiel ist Spiel - in all der Unwirklichkeit will ich keine "realistischen" Schmerzen und Leiden mitansehen, sondern meine Zaubertränke parat haben, die mich gleich wieder gesund und fit machen.

    Eine Leserempfehlung
  6. Ein Spiel, welches 10 Jahre lang dauert und eine echte Navy-Seals-Ausbilduing beinhaltet. Wer das Spiel kaufen will, muss vorab einen Fitnesstest absolvieren.

    4 Leserempfehlungen
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    ...aber wenn soviel Aufwand hineingesteckt wird, eine Figur als "schwach" darzustellen und ihr sogar soviel "Leben" einhaucht, dass sie das töten eines Tieres (und erst recht eines Menschen) schockiert, dann kann man durchaus kritisieren, wenn dies alles nur Fasade und 3 Minuten später vergessen ist. Dann ist das nämlich ziemlich inkonsequent und es wäre besser auf dieses Gimmick zu verzichten.

    Möglicherweise (eine Überraschung wäre es für mich nicht), ist es aber auch so gewesen, dass die Entwickler selbst den menschelnden Survivalteil deutlich ausbauen wollten, es dem Publisher aber zu wenig Krachbumm war und sie lieber etwas vom Uncharted-Erfolg abhaben wollten. Das Endergebnis ist ein Hybrid, der es keinem wirklich Recht macht irgendwie.

  7. bekommt man nicht mit einem Fingerschnipsen. Quellen sollten sie für ihre Aussage schon angeben.

    4 Leserempfehlungen
  8. nach spätestens Tomb Raider II wurde es langweilig.
    Die Grafik wurde besser, aber Laras Oberweite war auch mit eher
    bescheidener Auflösung ein Genuss.
    Ähnlich gings ja mit Larry Laffer, der hatte zwar keine Oberweite, war aber das Coolste ever und auch da war nach der zweiten Version Schluss.

    SChade..

    3 Leserempfehlungen

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  • Schlagworte Computerspiel | Games | Lara Croft
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