Dieses Mal ist die Jury kein Risiko eingegangen. Nachdem die Auszeichnung des Egoshooters Crysis 2 mit dem Deutschen Computerspielpreises 2012 für Protest in der Bundestagsfraktion von CDU/CSU gesorgt und zum wiederholten Male eine Debatte um Sinn und Unsinn des Preises ausgelöst hatte, gewinnt in diesem Jahr ein absolut familientaugliches Spiel: das Point-and-click-Adventure Chaos auf Deponia.

Ein unwürdiger Preisträger ist das nicht. Chaos auf Deponia bietet anarchischen Humor, eine durchaus ernsthafte Hintergrundgeschichte um das Leben auf einem zugemüllten Planeten und jede Menge schräge, nonkonformistische Charaktere. Mit dem Deutschen Computerspielpreis sollen "qualitativ hochwertige sowie kulturell und pädagogisch wertvolle Computerspiele" ausgezeichnet werden. Chaos auf Deponia erfüllt diese Voraussetzungen.

Die mutigere Entscheidung der Jury aber wäre gewesen, Spec Ops: The Line  zum deutschen Spiel des Jahres zu küren. Der Third-Person-Shooter schafft es, dass sich die Spieler beim Ballern hinterfragen, dass sie Entscheidungen treffen müssen, die nie einfach richtig oder falsch sind. Und er zeigt die Grausamkeit des Krieges, bis es den Spielern schlecht geht. Zwar bemängelten Spielekritiker durch die Bank die nicht perfekte Spielmechanik, aber sie lobten umso mehr die Erzählweise.

Spec Ops: The Line stand auch auf der Shortlist für den Computerspielpreis, und nach Meinung der Jury "entfaltet das Spiel ein Wirkungspotenzial, das einer verharmlosenden, verherrlichenden oder verrohenden Wirkung der vom Spieler ausgeführten Gewalt- und Kriegshandlungen entgegenstehen soll".

Als Computerspiel des Jahres hätte es die Debatte, was Games ebenso gut wie die Kulturgüter Film und Buch können, möglicherweise vorangebracht. Im schlechtesten Fall allerdings hätte es auch die unsägliche Killerspiel-Debatte wiederbeleben können. Das wollten die Preisrichter aus Politik, Wissenschaft, der Branche und der Fachpresse möglicherweise lieber vermeiden.

Das beste Serious Game des Jahres ist nach Ansicht der Jury Menschen auf der Flucht, das vom katholischen Hilfswerk missio und Serious Games Solutions entwickelt wurde. Die Entscheidung wirkt wie eine weitere Distanzierung von Crysis 2, denn missio gab schon im Vorfeld bekannt, die Nominierung als "gezielten Kontrapunkt" zum Hauptgewinner von 2012 zu empfinden.

Das soll nicht heißen, Menschen auf der Flucht sei kein angemessener Preisträger. Das aufwendige Konzept, bei dem das Spiel nur ein Teil des missio-Trucks ist, der auf seiner Tour durch Deutschland auf die Flüchtlingssituation in Afrika aufmerksam machen soll, könnte pädagogisch wohl kaum wertvoller sein. Mehr erhobener Zeigefinger geht aber auch nicht.

Die weiteren Preise gehen an Forge of Empires (bestes Browsergame), Word Wonders: The Tower of Babel (bestes mobiles Spiel), Tiny & Big in: Grandpa's Leftovers (bestes Jugendspiel), Meine 1. App (bestes Kinderspiel) und GroundPlay von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg, das den Preis für das beste Nachwuchskonzept bekommt.