Als Raumschiff würde die Harpa gewiss keine schlechte Figur machen: Die Konzert- und Kongresshalle ist das Wahrzeichen von Reykjavik. Der wuchtige Doppelquader mit der schuppigen Glasfassade könnte direkt aus dem Weltall eingeschwebt sein. So war die Harpa denn ein würdiger Rahmen für ein Ereignis, das Reykjavik von Mittwoch bis Samstag komplett in Beschlag nahm: Computerspielfans aus aller Welt waren in die isländische Hauptstadt gekommen, um gemeinsam Eve Online zu huldigen.  

Eve Online ist ein sogenanntes MMORPG (massively multiplayer online role-playing game), ein Internet-Rollenspiel für sehr viele Spieler. 2013 feiert Eve Online sein zehnjähriges Jubiläum und Hersteller CCP zeigte auf dem Fanfest in Reykjavik spielerische und technische Neuerungen.

Das Spiel ist für seine Komplexität gleichermaßen berühmt wie berüchtigt: Die Raumpiloten – mittlerweile sind über 500.000 User registriert – kämpfen in 7.500 zusammenhängenden Sternensystemen um Ressourcen, treiben Handel und schmieden Allianzen. Jeder Pilot besitzt eines oder mehrere Schiffe, die er je nach Spezialisierung und finanziellen Möglichkeiten mit unterschiedlichen Waffen, Schilden und Energiequellen ausrüstet.

Das Leben im Weltraum ist gefährlich und genau deswegen macht es vielen Spaß. "Wenn ich mit einem teuren Schiff losfliege, kann es sein, dass ich es verliere und es dann ersetzen muss", sagt Teratles, der unter diesem Spielernamen schon lange dabei ist. "Dieses Risiko macht den Reiz aus."

Einzelgänger haben keine Chance

Teratles ist einer der zahlreichen deutschen Eve-Spieler unter den Fanfest-Besuchern. Gerade kommt er aus einem Treffen, bei dem die deutsche Community eine bessere Vernetzung geplant hat. Das Fanfest-Programm war vollgepackt mit solchen Roundtables, mit Vorträgen und Hands-on-Sessions. Wer wollte, konnte bei einem Turnier mitspielen, wissenschaftlicher Science-Fiction lauschen ("Make Eve Real") oder sich ein Eve-Logo tätowieren lassen. Sogar eine Heirat unter Eve-Fans stand auf dem Programm.

Die meisten Eve-Spieler sind in Clan-ähnlichen Corporations und gewaltigen Allianzen zusammengeschlossen. Als Einzelgänger hat man in der Onlinewelt kaum eine Chance. Die Zusammenschlüsse erlauben nicht nur ausgefeilte Gefechtsstrategien, sie begünstigen auch komplexe Wirtschaftskreisläufe.

Im Handel offenbart sich eine Stärke von Eve, die Selbstbestimmtheit. "Früher wurden alle Gegenstände von NPCs (Nicht-Spieler-Charakteren, Anm. d. Red.) angeboten, und zwar zu sehr hohen Preisen", sagt Teratles. "Schon bald waren die Spieler aber in der Lage, die Gegenstände selbst zu produzieren." Genau das fasziniert auch Wollschoof, einen deutschen Spieler mit breitem hessischem Akzent: "99 Prozent der Dinge, die in den Trade Hubs verkauft werden, sind von den Usern selbst erstellt worden. Das umfasst den Abbau und Transport der Rohstoffe, die Fertigung der Gegenstände und deren Verschiffung." Das Einzige, was Eve noch vorgebe, seien Konstruktionsblaupausen und Fähigkeitsbücher, um neue Skills zu erwerben.

So wuchs ein kompletter Wirtschaftskreislauf mit nahezu unbegrenzten Möglichkeiten. Was dazu führte, dass es alle Auswüchse des Kapitalismus wie Raub und Betrug auch im Spiel gibt.