Screenshot aus The Castle Doctrine © Jason Rohrer

Im amerikanischen Rechtssystem steht die Castle Doctrine für das Recht, den eigenen Grund und Boden gegen Eindringlinge zu verteidigen, zur Not auch mit tödlicher Gewalt. Ihre Wurzeln hat sie im England des 17. Jahrhunderts, wo galt: "an Englishman's home is his castle". In den USA wird die Doktrin sehr unterschiedlich interpretiert. Bundesstaaten wie Texas oder Florida etwa dehnen die Geltung weit über das eigene Grundstück aus. Kritiker sehen in den entsprechenden Gesetzen einen Freifahrtschein für Selbstjustiz.

Jason Rohrer, Game-Designer mit einer Vorliebe für ungewöhnliche Themen, hat daraus ein Spiel gemacht.

Im Multiplayer-Onlinespiel The Castle Doctrine (die kostenpflichtige Alphaversion gibt es hier) geht es um das Recht auf Selbstverteidigung und darum, was passiert, wenn der Verteidiger selbst zum Angreifer wird. Von Kontroversen ist darin erst einmal nichts zu spüren.

The Castle Doctrine verzichtet auf jegliche Begleitinformationen, stattdessen heißt es direkt: "work on your house". Das Spiel zeigt – in der Rohrer-typischen, pixeligen Retrografik – ein quadratisches Grundstück aus der Draufsicht, eine Familie mit zwei Kindern und einen Safe mit 2.000 US-Dollar. Mit dem Geld lassen sich Verteidigungsanlagen errichten. Verteidigung deshalb, weil das Haus später zum Ziel für andere Spieler wird.

Das Auswahlmenü bietet rund 20 verschiedene Bauelemente wie Wände aus Holz, Beton oder Eisen, Stromquellen, Kontaktschalter und Falltüren. Geschickt kombiniert, ergeben die Module ein nur schwer zu durchdringendes Labyrinth: mit Pitbulls, die hinter ferngesteuerten Türen lauern, mit elektrisch geladenen Bodenplatten und mit Trittschaltern, die zusammen wie ein Zahlenschloss funktionieren.

Der eigentliche Mehrspieler-Part beginnt erst, wenn der Architekt sein Haus verlässt und damit freischaltet. Dann taucht es in einer anonymisierten Liste auf, inklusive des Geldbetrags, der gerade im Safe liegt. Wer nun einen Listeneintrag auswählt, kann selbst Einbrecher spielen: Ausgerüstet mit Säge, Leiter und betäubendem Hundefutter geht es daran, die gegnerische Festung einzunehmen.

Werkzeuge verbrauchen sich, wenn sie benutzt werden: Die maximal acht Ausrüstungsgegenstände wollen folglich mit Bedacht gewählt sein. Der Einbruch selbst verläuft rundenbasiert, jede Aktion und jeder Schritt bedeutet einen Zug. Das ist vor allem dann von Bedeutung, wenn blutdürstige Pitbulls näher rücken oder eine flüchtende Hauskatze als "Zeitschaltuhr" eine Falle auslöst. Es ist nicht unmöglich, ein Haus nach einem vergeblichen Einbruchsversuch wieder unbeschadet zu verlassen. Doch die meisten Spieler versuchen, ihre Häuser zu perfiden tödlichen Fallen zu machen.

Erschwert werden Raubzüge zusätzlich dadurch, dass weite Teile des Hauses hinter dem "Fog of War" verborgen sind: Der Einbrecher sieht nur seine unmittelbare Umgebung. So reicht denn schon ein winziger Fehler, um alles zu verlieren: Leben, Familie, Geld und Haus. The Castle Doctrine ist eines der wenigen Spiele mit Permadeath, also endgültigem Tod. Jason Rohrer will erreichen, dass Spieler die "extremen Konsequenzen" ihres Handels zu spüren bekommen.