Playstation VitaSony umgarnt die Indie-Games-Szene

Indie-Games sind keine reinen Nischentitel mehr. Davon will Sony nun profitieren – es braucht dringend attraktive Inhalte für seine schwächelnde Playstation Vita. von Dennis Kogel

Hotline Miami

Screenshot aus "Hotline Miami"  |  © Devolver Digital / Dennaton Games

Indie-Games stehen für innovative Spielkonzepte, pixelige Optik und eine gewisse Punkrock-Attitüde der Entwickler, die sich öffentlich meist gegen große Publisher und für die eigene künstlerische Unabhängigkeit aussprechen. Zu den wichtigsten Gesprächsthemen unter den unabhängigen Entwicklern auf der diesjährigen Game Developers Conference in San Francisco zählten aber nicht Kunst und Rebellion, sondern Meetings mit Sony-Mitarbeitern.

"Wir haben mit Sony gesprochen, beim Abend- und Mittagessen. Wir sind große Fans", sagt Nigel Lowrie, einer der fünf Leiter des kleinen Indie-Publishers Devolver Digital. Zusammen mit Sony wollen sie noch in diesem Jahr das ultrabrutale und atmosphärisch an Filme von David Lynch erinnernde Action-Spiel Hotline Miami für die Playstation und Sonys Handheld-Konsole PS Vita veröffentlichen.

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Das kleine, auf dem PC kostenlose Arcade-Spiel Super Crate Box der niederländischen Entwickler Vlambeer ist bereits auf der Vita. "Denen geht es nicht darum, fünf Millionen Einheiten eines Spiels zu verkaufen, sondern um einen einzigartigen Mix aus Software für möglichst unterschiedliche Spieler", sagt Lowrie. Auch das surreale Horrorspiel Lone Survivor für PC und Mac soll bald auf der Playstation 3 und auch der Vita erscheinen.

Viel schneller profitabel

Bisher bleibt die Handheld-Konsole vor allem in Europa und Nordamerika hinter den Verkaufserwartungen zurück, was vor allem am Mangel an Exklusivspielen liegt. Sony will dieser Kritik begegnen, indem es die Vita zur Indie-Games-Konsole macht.

Das könnte sich durchaus lohnen. Die Aufmerksamkeit für Indie-Spiele wächst. Die Oscars der Spieleindustrie, die Games Developers Choice Awards, gehen seit 2009 immer öfter an innovative Downloadtitel kleiner Entwicklerteams statt an große Studios. Dieses Jahr spielten Blockbuster-Games wie Mass Effect 3 und Borderlands 2 zum ersten Mal seit der Vergabe der Awards vor 13 Jahren keine Rolle mehr. Nur der Preis für hervorragende Technik ging an den Dschungel-Shooter Far Cry 3. Der Rest ging ausschließlich an Downloadtitel wie die emotionale Wüstenreise Journey – einen Exklusivtitel für die Playstation 3 – oder den pixeligen Raumschiffsimulator Faster Than Light.

Indie-Games bekommen aber nicht nur viel Kritikerlob, sie sind inzwischen auch ein gutes Geschäft. Blockbuster-Games müssen nach Angaben des Analysten Billy Pidgeon zwischen fünf und zehn Millionen Einheiten verkaufen, um Entwicklungskosten in dreistelliger Millionenhöhe wieder einzuspielen. Selbst Spiele wie die Neuauflage von Tomb Raider scheitern an diesen Vorgaben. Mit 3,4 Millionen verkauften Spielen und trotz positiver Presse ist die neue Lara Croft von Crystal Dynamics ein Misserfolg für den Publisher Square Enix. Indie-Games benötigen nur einen Bruchteil der Entwicklungskosten, werden ausschließlich als Download verkauft und sind deshalb auch ohne siebenstellige Absatzzahlen profitabel.

Leserkommentare
    • oh.stv
    • 04. April 2013 16:09 Uhr

    Ist es nicht so, dass für Indie Entwickler Smartphones wesentlich attraktiver sind als PS Vita und co?

  1. setzen auf Gameplay, denn die Graphik hat mich in meiner Kindheit auch nicht dazu gebracht ein Spiel zu spielen, sondern der Inhalt, und ich fing auch auf NES und Amiga an, da hat man oefter einfach mal gelacht weils lustige Stellen gab oder geaergert weils bockschwer ist, die Leveldesigns waren damals wie heute (bei eben diesen Indietiteln) noch durchdacht und hatten eingies an Herausforderung zu bieten. Leider wachsen viele heute nur noch mit der "Bombengraphik" und dem "alles wird einem Serviert" -Prinzip wo man eigentlich nicht mehr nachdenken muß und knoepfe drueckt.

    Noch heute habe ich meinen NES am Fernseher und spiele mit Freunden die alten Klassiker ueber Stunden, weil die es einfach noch koennen (Battle of Olympus,Zelda ,Track and Field...)

    Also ich kanns nur begrueßen , Journey war ein echt geniales Spiel und hat zurecht den AAA-Titeln die Show gestohlen

  2. Es ist zwar zu begrüßen, dass Sony für die Playstation Vita Spiele abseits der Blockbuster (welche nicht kommen!) veröffentlichen will. Allerdings ist die Playstation Vita auf Rechenpower und Grafik im Stile der PS3 ausgelegt. Da ist es schon etwas merkwürdig, wenn man Spiele angeboten bekommt, die eher auf einen Nintendo 3DS passen. Das hätte man sich bei der Entwicklung der Playstation Vita schon denken können..

  3. Es ist zwar zu begrüßen, dass Sony für die Playstation Vita Spiele abseits der Blockbuster (welche nicht kommen!) veröffentlichen will. Allerdings ist die Playstation Vita auf Rechenpower und Grafik im Stile der PS3 ausgelegt. Da ist es schon etwas merkwürdig, wenn man Spiele angeboten bekommt, die eher auf einen Nintendo 3DS passen. Das hätte man sich bei der Entwicklung der Playstation Vita schon denken können..

    Eine Leserempfehlung
  4. Die Aufmerksamkeit für Indie-Spiele wächst auf jeden Fall. Hole mir selber auch öfter mal welche. Ich finde es super, dass Sony die ins Boot holen will. Es gibt ja jetzt auch eine Spielekonsole für kleines Geld speziell für Indie-Games. Ouya heißt die, da bin ich schon gespannt drauf.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Sony | Award | David Lynch | Lara Croft | Spieleentwickler | Sony
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