In der sogenannten Fraktionsebene des Berliner Reichstags treffen sich normalerweise die fünf Bundestagsfraktionen. Zwei Etagen über dem Plenarsaal beraten sie Anträge und organisieren Mehrheiten. Nun aber kicken kleine Roboter einen roten Ball über den grauen Teppichboden. Menschen mit 3-D-Brillen auf den Augen drängen sich um Bildschirme, andere sitzen mit Controllern vor Spielkonsolen.

Das wirkt wie eine Messe für Computerspiele, und genau das soll es auch sein. Drei junge Abgeordnete haben zum Politiker-LAN geladen. Jimmy Schulz und Manuel Höferlin von der FDP und Dorothee Bär von der CSU wollen der Software-Branche die Gelegenheit geben, sich dem Parlament zu präsentieren.

Der Plan geht nicht auf. Die Veranstaltung stößt auf wenig Interesse, die meisten Abgeordneten machen höchstens einen Kurzbesuch.

Gleich zu Beginn kommt Wirtschaftsminister Rösler vorbei, lächelt in die Kameras und lässt sich ein paar Dinge zeigen. In seiner Ansprache sagt Rösler, er sei "Gamer der ersten Stunde", anschließend lobt er die Spieleindustrie als "mächtigen Wirtschaftsfaktor". Dann geht er wieder.

Auf Röslers Rede folgt eine langatmige Podiumsdiskussion. Anschließend sollen die Hersteller ihre Produkte präsentieren. Als es nach zwei Stunden soweit ist, sind die meisten Abgeordneten schon wieder weg. Kaum einer nimmt sich Zeit, durch die aufgebauten Infostände zu schlendern.

Das Politiker-LAN findet nicht zum ersten Mal statt. Vor zwei Jahren organisierten Schulz, Bär und Höferlin die erste Ausgabe. Damals stand das reine Spielen im Vordergrund, jetzt will sich die Branche als Wirtschaftszweig präsentieren. Vertreten sind nicht nur renommierte Spielentwickler wie Electronic Arts und Ubisoft, sondern auch Mittelständler und Start-Ups, die nur am Rande mit Games zu tun haben. Viele sind extra für die LAN-Party nach Berlin gefahren.

Es ist eine vergebliche Mühe. Beim ersten Politiker-LAN kamen noch ungefähr fünfzig Parlamentarier, diese Zahl wird dieses Mal nicht annähernd erreicht. Nach den Reden sind auch die Wenigen verschwunden.