Ein halbes Jahr lang haben drei Millionen Menschen versucht, ein Rätsel zu lösen, das ihnen Gamedesigner-Legende Peter Molyneux vorgesetzt hatte. Und dann kommt ein 18-Jähriger aus Edinburgh und braucht gerade mal eine Stunde, um allen anderen den Hauptpreis wegzuschnappen. Bryan Henderson heißt der Gewinner des App-Games Curiosity.

Der Name des Spiels war treffend gewählt: Curiosity – Neugier also – bestand aus einer simplen Aufgabe: Es ging darum, durch Herumklicken auf seinem Smartphone oder Tablet einen gigantischen digitalen Würfel zu zerlegen. Der Würfel bestand aus Hunderten, wenn nicht Tausenden Schichten kleinerer Würfel, insgesamt 25 Milliarden, von denen jeder per Fingertipp zerstört werden musste.

Das Ziel war es, den letzten, den innersten Würfel zu finden und zu zerstören. Er enthielt den Preis, von dem das Entwicklerstudio von Molyneux vorab nur verriet, dass er "lebensverändernd" sein würde. Das reichte, um Millionen Menschen neugierig zu machen.

Henderson hatte sich die App erst am vergangenen Sonntag heruntergeladen, als der Würfel schon fast abgetragen war. Gerade mal eine Stunde tippte er noch herum, dann hatte er Glück und erwischte den letzten Würfel. "Ich fühle mich deswegen auch ein bisschen mies", sagte der junge Mann in einem Interview mit gameinformer.com.

Der letzte Würfel enthielt den Link zu einem Video, das ursprünglich passwortgeschützt war. Mittlerweile kann sich jeder dieses Video ansehen. Darin erklärt Molyneux dem Sieger, dass er eine entscheidende Rolle in dessen kommendem Spiel Godus gewonnen hat: "Es ist die Fähigkeit, ein digitaler Gott zu sein", sagt Molyneux. "Du, der Du das Innerste erreicht hast, wirst in Godus der Gott aller Spieler sein. Du wirst über die Regeln des Spiels bestimmen und wirst am Erfolg beteiligt sein. Immer, wenn jemand Geld in Godus ausgibt, bekommst du einen kleinen Teil davon – bis zum Ende deiner Herrschaft." Wie lange diese Herrschaft dauern kann, sagt der Game-Designer allerdings nicht.

Godus wird ein sogenanntes God Game, in dem der Spieler die Rolle einer Gottes über sein Volk übernimmt, dessen Welt er formt und dessen Schicksal er lenkt. Molyneux will dieses mittlerweile nicht mehr sonderlich populäre Genre wiederbeleben. Er hatte das Geld dafür bei Kickstarter eingesammelt und Curiosity dabei als Werbefläche für die Spendenkampagne verwendet. So kamen letztlich mehr als 600.000 Euro zusammen. Ende 2013 könnte Godus erscheinen.

Was genau Henderson tun kann, um das Spiel zu beeinflussen, hat Molyneux auch dem Gewinner selbst noch nicht verraten. Er soll offenbar eine Art Übergott werden, der einige grundlegende Regeln des Spiels festlegt. Eine Rolle, an die sich der Schotte erst noch gewöhnen muss. Über seine Verhältnis zu Religion und Glauben sagt er: "Ach, ich bin Atheist, aber jeder soll glauben, was er will, das ist ok für mich." 

Curiosity war offiziell ein Experiment, wie Molyneux wiederholt gesagt hat. Ein Experiment mit der Neugier des Menschen. Und ein Marketing-Experiment sicherlich auch, denn das Video für den Gewinner wurde bereits nach einem Tag mehr als 300.000 Mal aufgerufen, die App haben mehr als vier Millionen Menschen heruntergeladen. Viel Werbung für Godus.