Heißt sie nun Infinity, Fusion, Durango oder 720? Über den Namen von Microsofts neuer Spielkonsole, Nachfolgerin der acht Jahre alten Xbox 360, spekulierten Aficionados schon länger. Nun heißt sie einfach Xbox One und soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Nach der vor einigen Wochen vorgestellten PlayStation 4 von Sony und der seit Winter erhältlichen Nintendo Wii U komplettiert sie die achte Generation der Konsolen. 

Videospiele sind allerdings nur ein Teil der Xbox-One-Medienangebots. Schon zur Eröffnung der einstündigen Vorstellung war Xbox-Chef Don Mattrick darauf bedacht, von "Spielen und Entertainment" zu sprechen. Das Wohnzimmer habe sich in den vergangenen Jahren durch eine Vielzahl an neuen Geräten und Möglichkeiten verändert, sagte Mattrick. Die Herausforderung sei es deshalb, "fragmentierte Angebote zu vereinen."

Die Xbox One bietet All-in-One

Wie das gehen soll, demonstrierte Mattrick den Zuschauern am Objekt. Die Xbox One kann sowohl über Sprache als auch über Gesten bedient werden. Einfache Befehle ermöglichen ein schnelles Umschalten zwischen den Angeboten, zwischen Spielen und Musik, zwischen Videos und – dem aktuellen Fernsehprogramm: Die Xbox One kann auch darauf zugreifen. Über die Sprachsteuerung lassen sich Kanäle umschalten oder Programmhinweise einblenden, über Gesten können die Nutzer Filme minimieren und Texte scrollen.

Zudem unterstützt die neue Konsole Multitasking: Neben Fernsehsendungen, Filmen oder Spielen können die Nutzer sich in einer Seitenspalte weitere Inhalte anzeigen lassen, im Netz surfen oder über Skype mit Freunden einen Videochat starten. Die Oberfläche erinnert prinzipiell an die der Xbox 360, die Reaktionszeit beim Umschalten der Anwendungen war in der Präsentation erstaunlich kurz.

Microsofts Anspruch ist klar: Die Xbox One soll keine Spielkonsole mehr sein, sondern ein Komplettpaket, das sowohl Videospiele als auch die Angebote sogenannter Set-Top-Boxen vereint. Damit positioniert sich die Xbox nicht nur als Konkurrentin zur PlayStation und Nintendo Wii, sondern auch als Konkurrentin zu AppleTV, GoogleTV, Roku und so genannten SmartTVs. Statt des Fernsehers sollen die Nutzer künftig zuerst die Xbox  einschalten; sie soll die Multimedia-Schaltstelle bilden. Auf Twitter fragten viele Keynote-Zuschauer, ob die Xbox One denn überhaupt noch eine Spielkonsole sei.


Microsoft produziert bald auch TV-Inhalte

Der Schritt von Microsoft ist nachvollziehbar. Nicht nur werben Smartphones und Tablets den Konsolen die Spieler ab. Wie Microsoft zu Beginn des Jahres verriet, haben die TV-, Musik- und Fitnessinhalte der Xbox inzwischen auch die Nutzungszeit von Games überholt. Die Xbox One soll, anders als die Vorgänger, schon von Anfang an auch Nicht-Spieler ansprechen.

Deshalb plant Microsoft eigene Entertainment-Angebote. Zu Beginn des Jahres eröffnete man ein Studio in Los Angeles. Das Unternehmen möchte für die kommende Version des Xbox-Live-Service eigene Inhalte schaffen und damit dem Trend von Video-on-Demand-Anbietern wie Netflix, Hulu und Amazon folgen. Regisseur Steven Spielberg soll bereits an einer exklusiven TV-Serie auf Basis des Xbox-Spiels Halo arbeiten, die interaktive Elemente enthält.

Wie genau das Modell der Xbox-Dienste künftig aussieht, sagte Microsoft nicht. Anders als Sony verlangt Microsoft für viele Multiplayer-Spiele und Medieninhalte ein kostenpflichtiges Abonnement auf Basis sogenannter "Microsoft Points", die Nutzer zunächst erwerben müssen. Vergangene Woche verdichteten sich die Gerüchte, dass Microsoft dieses Punktesystem in ein klassisches Bezahlmodell umwandeln könnte. So oder so dürfte relativ sicher sein, dass Premium-Inhalte auch auf der neuen Xbox weiterhin bezahlpflichtig sind.