Messestände für Sonys Playstation 4 und Microsofts Xbox One auf Electronic Entertainment Expo (E3) in Los Angeles © ROBYN BECK/AFP/Getty Images

Der Ausdruck Xbox 180 geistert derzeit durchs Netz. Eine solche gibt es natürlich nicht, der Nachfolger der bisherigen Xbox 360 heißt offiziell Xbox One. Aber Microsoft hat nach Kritik der Fans bei den Funktionen der neuen Konsole eine 180-Grad-Wende vollzogen. Daher der neue Spitzname.

Was sich im Vergleich zu vorangegangenen Ankündigungen ändern wird, hat Microsoft in einem Blogpost klargestellt. Zum einen soll es nun doch keinen Onlinezwang geben. Das bedeutet, nach einer erst- und einmaligen Onlineanmeldung werden Offlinespiele wirklich offline spielbar sein. Zuvor hatte es geheißen, Gamer müssten sich alle 24 Stunden erneut online anmelden, um spielen zu können.

Auch per Download gekaufte Games sollen nun ohne Internetverbindung funktionieren – sowie es bei der Xbox 360 auch ist.

Des Weiteren soll es möglich sein, gebrauchte Spiele auf physischen Datenträgern zu verleihen, zu verschenken oder weiterzuverkaufen – wenn sie als Blu-ray-Disc gekauft wurden. Ursprünglich wollte Microsoft es dem Publisher des jeweiligen Spiels überlassen, diese Möglichkeit einzuräumen oder eben nicht. Davon rückt das Unternehmen nun ab.

Und der vierte Punkt, der verändert wird: Es soll keine regionalen Einschränkungen geben. Spiele für die Xbox One werden auf jedem Gerät funktionieren, egal ob es in Japan, Europa, Nord- oder Südamerika gekauft wurde.

All das ist eine Reaktion auf den teils heftigen Protest an Microsofts ursprünglichen Plänen. Für seine Kehrtwende in diesen Punkten – die Xbox One soll im November in den Handel kommen und 499 Euro kosten – gibt es für das Unternehmen nun Lob und Anerkennung in den einschlägigen Blogs und Foren.

Ein wichtiger Grund, auf die Wünsche der Nutzer einzugehen, dürfte Sonys Vorstellung der Playstation 4 gewesen sein. Hier wird es ebenfalls keine Einschränkungen geben, wenn es um die Weitergabe von Spielen geht,  auch einen Onlinezwang kennt die Playstation 4  nicht. Außerdem wird sie 100 Euro weniger kosten, wenn auch ohne Kamera und ohne das für Multiplayer-Onlinegames zwingende Abonnement von Playstation Plus.

Chris Velazco vom Technikblog TechCrunch drückt es so aus: "All Sony had to do to endear itself to legions of eager gamers at E3 was to point out just how un-Microsoft it was by sticking to a more traditional (read: hands-off) approach to managing how people play games." Übersetzt: Alles, was Sony bei der Gamesmesse E3 tun musste, um sich bei Legionen eifriger Gamer einzuschmeicheln, war zu betonen, wie anders als Microsoft man sei. Einfach indem man einen traditionelleren Ansatz (sprich: keine Einmischung) wählte, das Spielverhalten der Menschen zu steuern.

Zwei Nachteile hat die 180-Grad-Wende: Entgegen den früheren Plänen von Microsoft wird es nicht möglich sein, per Download gekaufte Spiele zu verleihen oder weiterzuverkaufen. Und um ein Spiel auf Blu-ray zu spielen, muss die Disc im Gerät liegen. Es wird nicht möglich sein, das Game auf die Festplatte zu ziehen und von dort zu starten.