Horror-GamesDas beliebte Spiel mit der Angst

"Among the Sleep" ist ein Horror-Game aus der Sicht eines Kindes. Statt auf Action setzen viele Entwickler solcher Spiele auf Atmosphäre und Angst. von 

Among the Sleep

"Among the Sleep" – ein Horrospiel aus der Perspektive eines Kleinkinds.  |  © Krillbite

Draußen rauscht der Regen, im Haus ist es finster. Aus dem Nachbarzimmer dringt ein Sirren, vermischt mit dumpfen Hilferufen. Der Held des Spiels krabbelt zur Tür, klettert auf einen Stuhl und drückt die Klinke herunter. Im fahlen Licht einer Glühbirne rotiert eine Waschmaschine, das Wehklagen scheint aus dem Innern zu kommen. Der Held zieht die Luke auf, und heraus fällt … ein völlig durchnässter Teddybär.

Among the Sleep ist ein Horrorspiel der besonderen Art: Spieler erleben es aus der Perspektive eines zweijährigen Kindes. Mitten in der Nacht wird das Kind wach und beginnt nach seiner Mutter zu suchen. Diese Suche pendelt zwischen Traum und Wirklichkeit: Der Fantasie des Kindes entsteigen Kreaturen, die es unter allen Umständen zu meiden gilt. Der wahre Schrecken entsteht allerdings durch die Vorstellungskraft der Spieler: Geräusche, Schatten und die überdimensionierte Spielwelt erzeugen ein permanentes Gefühl der Bedrohung. Kaum jemand, der nicht in den Wandschrank flüchtet, wenn sich schlurfende Schritte der Zimmertür nähern.

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Entwickelt wird das Spiel vom norwegischen Independent-Studio Krillbite; die Finanzierung erfolgt durch staatliche Fördergelder und eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne. Dabei ist das Grundkonzept nicht unumstritten: Im Netz entbrannte eine Debatte darüber, ob ein zweijähriges Kind denn wirklich Protagonist eines Horrorspiels sein müsse. Die Entwickler gingen in einem ausführlichen Blogpost auf die Vorbehalte ein. Ihre Hauptargumente lauten, dass Spieler selbst die Rolle des Kindes übernehmen und dass die Geschehnisse der kindlichen Fantasie entspringen.

Aber Among the Sleep ist nur eines von zahlreichen Indie-Games, die dem Genre "Survival Horror" neue Impulse verleihen: Spätestens seit dem Erfolg von Amnesia: The Dark Descent, das 1,5 Millionen Mal heruntergeladen wurde, versuchen sich immer mehr Game-Designer an digitalen Schreckensszenarien. Das Jahr 2012 hat Spiele wie Lone Survivor, The 4th Wall oder SCP-087-B hervorgebracht. Das simpel gestrickte, aber immens furchteinflößende Spiel Slender verbreitete sich millionenfach.

Der Boom des Indie-Horrors ist eng an den Boom der gesamten Indie-Szene gekoppelt: Die unabhängigen Projekte profitieren von Crowdfunding, erschwinglichen Game-Engines und erhöhter Sichtbarkeit etwa auf Steam oder in den Humble Bundles. Es braucht auch keine teuren Werbekampagnen, um die Spiele bekannt zu machen: Bei Among the Sleep reichten Kickstarter und Youtube völlig aus. 

Dass Indie-Horror eine Nische findet, hat auch noch einen anderen Grund: Er setzt mehr auf Atmosphäre als auf Action. Damit ähneln die Indie-Games den Werken, die den Survival Horror einst begründeten. Der Klassiker Silent Hill von 1999 peinigt Spieler mit klaustrophobisch engen Gemäuern, Sinnestäuschungen und einer schwergängigen Steuerung. Der Reiz liegt nicht zuletzt im "Wechselspiel von Kontrolle und Kontrollverlust", wie die Forscherin Tanya Krzywinska schreibt.

Vom Gejagten zum Jäger

Als Wendepunkt des Genres gilt Resident Evil 4 von 2005. Der Spieler wurde vom Gejagten zum Jäger und machte den Monstern mit massiver Waffengewalt den Garaus. Neuere Spiele wie Resident Evil 6 oder Dead Space 3 sind Action-Spektakel, die mit First-Person-Shootern konkurrieren. Bei dem Versuch, es allen recht zu machen, bleibt allerdings der Horror auf der Strecke, sagt zumindest Amnesia-Macher Thomas Grip. 2009 verfasste Grip eine Kampfschrift mit dem Titel Why horror games suck!. Seine Hauptkritikpunkte: Die Gefechte machen Spaß, statt Furcht einzuflößen; zu viele Cut-Scenes stören die Immersion; die Monster erscheinen inflationär und gut sichtbar, obwohl sich das wahre Grauen im Kopf abspielt.

Mit Amnesia: The Dark Descent bewies Grip, dass es auch anders geht: Das Spiel kam ohne Waffen aus, die Schutzlosigkeit sorgte für Panik und wilde Fluchten. Derzeit arbeiten die Studios Frictional Games und thechineserom am Nachfolger Amnesia: A Machine for Pigs, der noch in diesem Jahr erscheinen soll. Aus Sicht von Grip ist es ein Vorteil, dass Independent-Studios mit vergleichsweise geringen Ressourcen auskommen müssen – dadurch werde die künstlerische Vision gewahrt und das Spiel nicht unnötig aufgebläht.

Leserkommentare
  1. ... an Herrn Fehrenbach das er nicht nur TGs "Why horror games suck" kennt sondern auch gleich einen link dazu liefert.
    "Among the sleep" ist einfach nur gruselig.
    MMn ein Spiel mit Geräuschen, Licht und dem Unterbewusstsein des Spielers mehr Horror erzeugt als alle Zombie und Vampier Spiele der letzten Jahre.

    2 Leserempfehlungen
    • xelo
    • 09. Juli 2013 22:56 Uhr

    Ich muss nur die aktuellen News lesen, dann ist mein Bedarf an Horror übersättigt.

    Eine Leserempfehlung
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    Spielen Sie doch einmal so ein Horror-Game. Vielleicht können Sie den Unterschied zwischen Realität und Fiktion noch erlernen.

  2. Spielen Sie doch einmal so ein Horror-Game. Vielleicht können Sie den Unterschied zwischen Realität und Fiktion noch erlernen.

    Antwort auf "Schon genug Horror"
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    • xelo
    • 10. Juli 2013 1:42 Uhr

    Vermutlich habe ich mich unglücklich ausgedrückt.
    Nach Lektüre der News habe ich keinen Bedarf mehr nach Horror, egal ob dieser nun real oder fiktiv ist. Da sehne ich mich nach was anderem.

    Schade, dass mein Seitenhieb gegen die realen Missstände so missverstanden wurde und man mir stattdessen einen Mangel an Differenzierungsfähigkeit unterstellen muss.

    • xelo
    • 10. Juli 2013 1:42 Uhr

    Vermutlich habe ich mich unglücklich ausgedrückt.
    Nach Lektüre der News habe ich keinen Bedarf mehr nach Horror, egal ob dieser nun real oder fiktiv ist. Da sehne ich mich nach was anderem.

    Schade, dass mein Seitenhieb gegen die realen Missstände so missverstanden wurde und man mir stattdessen einen Mangel an Differenzierungsfähigkeit unterstellen muss.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Differenzieren"
    • Hainuo
    • 10. Juli 2013 4:20 Uhr

    Ich habe mir gerade mal Videos von Amnesia und Routine bei Youtube angesehen. Seit ich mich vom aktiven Spielen zurückgezogen habe, hat sich ja was getan (nicht unbedingt grafisch ;-). Bin sehr beeindruckt. Jetzt bräuchte ich nur die Zeit und Muße für dieses Hobby, ich werde es auf später verschieben. (jeder braucht eine To-Do-Liste).

    Vielen Dank für den Artikel, die Zeit-Online ist im Bereich Computerspiele wirklich seit Jahren konstant stark. Wenige Artikel, aber jedesmal mehr als nur interessant!

    2 Leserempfehlungen
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    ist das beste Beispiel, dass Low-Budget-Produkte nicht selten wesentlich mehr Seele haben können, als die Millionen schweren bekannten. Die Spannung, die dieses Spiel bei mir erzeugte, sucht seines Gleichen auf dem Spiele- und Filmemarkt. Da muss auch die Grafik nicht auf dem letzten Schrei sein um das zu schaffen.

  3. Mal wieder ein schöner Artikel, der über den Tellerrand der kommerzialisierten Gaming-Industrie hinausblickt.

    Allerdings seid ihr gar nicht auf einen technologischen Faktor eingegangen, der besonders bei »Among the Sleep« und »Routine« noch eine ausschlaggebende Rolle spielen dürfte: Der konkrete Einbezug der VR-Brille »Oculus Rift« in die Entwicklung des Spiels. Dieses Ding scheint (wenn man dem aktuellen Hype Glauben schenken kann) mit einem weiten Sichtfeld und latenzarmem Headtracking endlich die damals in den 90ern verpufften Virtual-Reality-Versprechen einzulösen und bringt für solche auf Atmosphäre aufbauenden Spiele vorallem eins: Starke Immersion durch Abschottung von der Außenwelt und Übertragung der natürlichen Kopfbewegungen des Spielers in die Spielwelt. Allerdings heißt das auch, dass Schockeffekte viel unmittelbarer als auf dem Monitor wirken. Man sehe sich nur mal ein paar YouTube Videos zum Thema »Oculus Rift« + »Horror« an...

  4. ist das beste Beispiel, dass Low-Budget-Produkte nicht selten wesentlich mehr Seele haben können, als die Millionen schweren bekannten. Die Spannung, die dieses Spiel bei mir erzeugte, sucht seines Gleichen auf dem Spiele- und Filmemarkt. Da muss auch die Grafik nicht auf dem letzten Schrei sein um das zu schaffen.

    Antwort auf "Unwissender..."
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    • Hainuo
    • 11. Juli 2013 1:43 Uhr

    In den wenigen Stunden der Muße erfreue ich mich immer wieder an Betrayal at Krondor... Das Spiel hatte damals bei mir Phantasie freigesetzt, die bis heute nicht verschwunden ist. ;-) Amnesia sieht echt gut aus, wobei ich eigentlich kein großer Fan vom Horror-Genre bin. Allerdings gefällt mir das Konzept und ein erster Trailer bei Youtube hat mich irgendwie angefixt.

  5. Ich bin total begeistert ! Fatal Frame, oder Project Zero ist meines Erachtens eines der unterschätztesten Spiele der PS2 Generation und wird trotzdem in Spiele-Redaktionen wie GameOne einfach komplett ignoriert.
    Dass das mal in einem Zeit-Artikel auftaucht, und dann auch richtigerweise mit dem Attribut Meisterwerk, finde ich klasse !

    Wer es nicht kennt, eine PS2 hat und sich nur mit einem Fotoapparat "bewaffnet" unglaublich gruseln möchte, dem sei es dringend empfohlen :-)

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Astronaut
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