Im Vorweihnachtsgeschäft kommt eine neue Konsolengeneration auf den Markt. Mit dem heutigen Beginn der Gamescom in Köln sind viele Fragen rund um die Next Gen allerdings schon beantwortet. Nein, weder PlayStation 4 noch Xbox One werden Gebrauchtspiele ausschließen. Auch einen Onlinezwang wird es nicht geben. Und selbst die Kinect-Steuerung darf ausgestöpselt bleiben, obwohl Microsoft sie nur zu gerne als permanenten Rückkanal im Wohnzimmer installiert hätte. Weil all das nun geklärt ist, kann es auf der Gamescom ums Wesentliche gehen: Die Frage, ob Next Gen tatsächlich auch bessere Spiele hervorbringt.

Die Antwort scheint nahe zu liegen, zumindest in bestimmten Spielesparten. Die Riege der für viel Geld produzierten Shooter nutzt die hochgezüchtete Hardware, um den Angriff auf die Sinne nun erst richtig zu starten. Und selbst wenn nicht jeder der erwarteten 275.000 Messebesucher wegen Battlefield, Call of Duty oder Killzone nach Köln pilgert: Die ellenlangen Warteschlangen vor den Messeständen sagen einiges über die Popularität dieser Spiele aus.

Gleichwohl sind die Action-Blockbuster keine Verkaufsgarantie für die neuen Konsolen, das wissen die Hardware-Hersteller nur zu gut. Denn mittlerweile ist das Heimkonsolen-Geschäft nur noch einer von vielen Märkten. Die Menschen spielen zunehmend mobil, zwischendurch und vernetzt. Free-to-Play-Titel haben grafisch mächtig zugelegt und reichen schon fast an 70-Euro-Titel heran. Wenn Sony und Microsoft mit Next Gen Erfolg haben wollen, müssen sie diese Entwicklungen zumindest ansatzweise übernehmen, ohne dabei die Core Gamer zu vergraulen, die nach wie vor das Rückgrat der Konsolenkundschaft bilden.

Dieser Balanceakt gelingt mal mehr, mal weniger gut, das zeigt auch die diesjährige Gamescom. Im Vorfeld der Messe hat der Branchenverband BIU eine Reihe von "Mega-Trends" ausgerufen, darunter "Multiscreen-Features, die das Spielerlebnis intensiver als bisher machen". Tatsächlich tun die Plattformbetreiber einiges, um Smartphones und Tablets eng an ihre Konsolen anzubinden: Microsoft über die App Smartglass, Sony über die Companion App.

Kaum gute Ideen für den zweiten Bildschirm

Spieler bekommen allerlei Zusatzinformationen auf die Second Screens geliefert. Am häufigsten sind das detaillierte Untermenüs oder Kartenmaterial. Dass der Second Screen das Spielerlebnis wirklich bereichert, ist bislang eher die Ausnahme. So hat Ubisoft mit ZombiU vorgemacht, wie das GamePad der Wii U den Horror verstärken kann: Man kramt hektisch im Rucksack-Inventar, während auf dem Hauptbildschirm jederzeit ein Zombie auftauchen kann.

Ähnlich spannende Second-Screen-Funktionen findet man bei den Spielen der Gamescom 2013 nur selten. In Fable Legends kann man als Bösewicht Monster auf einer Multiplayer-Karte platzieren. Die Helden müssen dann mit den heranstürmenden Horden fertig werden. Für beide Seiten kann dieses asynchrone Gameplay im besten Fall ein intensiveres Spielerlebnis bedeuten – nämlich dann, wenn der Bösewicht klüger agiert als die Standard-KI. In den meisten Multiplayer-Spielen gehen die Studios aber eher vorsichtig mit dem Second Screen um: Die Companion App dürfe "keinerlei Vorteile schaffen", betonte etwa Mark Rubin vom CoD-Entwickler Infinity Ward.

Die aktuelle Konsolengeneration geben die Hersteller aber noch keineswegs auf: Sowohl PS3 als auch Xbox 360 haben sich bis heute mehr als 70 Millionen Mal verkauft – das ist eine breite Hardware-Basis, die das Konsolengeschäft beider Unternehmen weiter mittragen soll. Sony etwa zeigt auf der Gamescom eine ganze Reihe von Titeln, die zunächst nur für die PS3 erscheinen, darunter die Rennsimulation Gran Turismo 6, der Action-Thriller Beyond: Two Souls sowie das Rätselspiel Der Puppenspieler. Auch die wenig erfolgreiche Mobilkonsole PS Vita Sony ist noch zu retten: durch neue Exklusivspiele, aber auch durch die engere Anbindung an PS3 und PS4.