"Watch Dogs" – ein Spiel über den Überwachungsstaat © Ubisoft

Aiden Pearce ist ein gebrochener Held wie aus dem Bilderbuch: Einst ein gewiefter Verbrecher, möchte er nun einfach nur ein normales Leben führen. Doch seine Vergangenheit holt ihn ein und er muss seine Familie vor Verbrechern schützen. Auf den Straßen Chicagos helfen ihm nur seine Genialität und die Hilfe weniger Freunden, um zu überleben. Die Geschichte des Spiels Watch Dogs entspricht ganz der Schablone, wie sie dutzendfach auf den Kinoleinwänden zu sehen ist. So ist es auch kein Wunder, dass Ubisoft bereits vor Veröffentlichung des Spiels eine Verfilmung des Stoffs angekündigt hat.

Auf der Spielmesse Gamescom in Köln gehört Watch Dogs zu den sehnlichst erwarteten Neuvorstellungen: Die Schlangen vor dem Stand von Ubisoft sind besonders lang. Der Spiele-Hersteller hat gutes Gespür bewiesen, indem er die Digitalisierung des alltäglichen Lebens, die Verdatung ganzer Städte zum Thema gemacht hat. Denn die Schlagzeilen der letzten Monate zeigen: Jeder ist verwundbar, alles kann gehackt werden.

Wichtigste Waffe des Helden in Watch Dogs ist sein Smartphone, das ihm quasi digitale Superkräfte verschafft. Hat er einmal den zentralen Stadt-Computer infiltriert, kann er zu jedem Passanten eine kleine Personalakte einsehen: Wer hat psychische Probleme, wer ist bei den anonymen Alkoholikern, wer hat genug Geld in der Tasche? Mit einem Klick auf den Controller wird das Konto eines Passanten gehackt, und vom nächsten Geldautomaten aus geleert. Nach und nach erobert sich der Held Zugriff auf weitere Systeme: So werden Ampeln genauso hackbar wie die vielen Werbetafeln. Durch geschickte Manipulationen kann der Spieler seine Gegner per Überwachungskamera verfolgen oder sogar in Verkehrsunfälle verwickeln.

Ubisoft hat sich viel Mühe gegeben: Die detailreiche Simulation des modernen Chicago ist besonders auf der PlayStation 4 beeindruckend, die Steuerung ist gut durchdacht. Es macht Spaß, die Spielfigur im Parcours-Modus über Mauern springen zu lassen oder in die realistisch animierten Menschenmengen eintauchen zu lassen. Die Detailtiefe ist beeindruckend.

Die Anleihen an den Konkurrenten Grand Theft Auto sind allerdings unverkennbar. So hat Ubisoft dem Spiel 65 verschiedene Fahrzeuge spendiert, die der Hacker durch die Stadt steuern kann. Wie beim Vorbild ist die Hauptfigur nicht nur mit dem Handy, sondern auch mit einer Pistole bewaffnet. Dem Spieler bleibt es selbst überlassen, ob er die Missionen möglichst geräuschlos erfüllt, oder auf den Straßen von Chicago ein Massaker nach dem anderen anrichtet. Dann muss er jedoch mit den Konsequenzen leben: Die Polizei ist ihm wegen der überall vorhandenen Überwachungsinfrastruktur schnell auf der Spur – aber auch ebenso schnell wieder abgehängt.

Ubisoft zielt mit dem Spiel auf Masse: Wo Grand Theft Auto die Grenzen austestet, greift Watch Dogs zu bewährten Erzählmustern. So vermittelt das Spiel auch keine politische Erkenntnis, die über Stirb langsam hinausgeht. Gehackt wird per Knopfdruck. Dafür geht das Spiel locker von der Hand.

Ubisoft will auch Gelegenheitsspieler ansprechen

Watch Dogs wird nicht nur auf den neuen Konsolen erscheinen, also der PlayStation 4 und der Xbox One, sondern auch auf deren Vorgängern und auf Windows-PCs. Sogar auf der Wii U kann man Watch Dogs spielen, obwohl sich andere Entwickler mit dem Konzept der Nintendo-Konsole nicht anfreunden können.

Ubisoft hat zudem eine "Companion-App" entwickelt, mit der sich andere Spieler per iPad oder Android-Tablet in das laufende Spiel einklinken können. Statt der 3-D-Oberfläche des eigentlichen Spiels, sieht der Tablet-Spieler eine Stadtplan-Ansicht von oben und kann so die Bewegungen der Polizeihubschrauber ausspionieren oder durch Hacks eigene Ablenkungsmanöver veranstalten. Der Companion kann auch den Hauptspieler herausfordern und ihn mit Polizeihubschraubern jagen. Ubisoft versucht so, das Prinzip des second screen unterzubringen und gleichzeitig Gelegenheitsspieler einzubeziehen, die sonst vorwiegend auf mobilen Geräten spielen. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich ab November zeigen, wenn das Spiel in den Handel kommt.