Zwei Disney-Figuren auf dem USB-Dock. Ihre Abbilder erscheinen im Spiel "Infinity". © Disney

Der Effekt verblüfft immer wieder, auch beim 50. Mal hat er sich nicht abgenutzt: Sobald eines der Plastikmonster auf dem Sockel steht, der per USB-Kabel mit der Konsole verbunden ist, erscheint es quicklebendig auch auf dem Bildschirm, inmitten einer virtuellen Welt. Die Plastikfigur wird zum quasi-magischen Gegenstand des 21. Jahrhunderts: leblos und belebt zugleich.

Im Regal sehen sie aus wie eine der vielen Sammelfiguren, die Gamesfirmen zu ihren Spielen verkaufen. Sind die kleinen Puppen jedoch über ihren Sockel mit dem Spiel verbunden, erleben sie dort Abenteuer, werden sie stärker und geschickter. Ihre Fähigkeiten werden per Near Field Communication auf einem Chip gespeichert, den sie im Innern tragen.

Die Firma Activision war lange Zeit allein mit diesem Konzept und hat mit den Skylanders-Figuren binnen kurzer Zeit ein Vermögen gemacht. Im Herbst 2011 kam der Hybrid aus physischem Spielzeug und Videospiel in die Läden. Knapp zwei Jahre später hat die Marke einen Umsatz von mehr als 1,5 Milliarden Dollar erzielt – und ist nach Call of Duty Activisions zweitwichtigste Einnahmequelle.

Die Auswahl an Figuren reicht vom Minidrachen bis zum Baumgiganten, sie werden in Dreierpacks oder einzeln verkauft. Die Spiele (Spyro's Adventure, Giants) lassen sich zwar auch mit dem Basis-Set aus drei Figuren absolvieren. Doch je mehr Monster man besitzt, desto mehr kann man in den Spielen erleben. Familien mit Kindern zählen genauso zu den Käufern wie Sammler, die sich die bunten Figuren ins Regal stellen.

Konkurrenz erwächst Skylanders nun durch Disney Infinity, das seit Mitte August im Handel ist. Infinity ist das bislang ehrgeizigste Game-Projekt des amerikanischen Medienkonzerns, die Entwicklungskosten sollen bei rund 100 Millionen Dollar liegen.

Genau wie Skylanders kombiniert Infinity Plastikfiguren mit digitalen Welten über einen USB-Sockel. Allerdings kann Disney aus dem Stand heraus auf ein riesiges Repertoire von Filmhelden zurückgreifen, während Activision seine Charaktere erst etablieren musste.

Zum Startaufgebot von Infinity zählen Mickey Mouse, Jack Sparrow aus Fluch der Karibik und Jack Skellington aus The Nightmare before Christmas. Vor allem aber setzt Disney auf Pixar-Filme wie Cars, Die Monster Uni oder Die Unglaublichen: Die sind bei jungen Spielern beliebt und bieten aus Konzernsicht mehr Möglichkeiten wechselseitiger Vermarktung.

Kein plumper "Skylanders"-Klon

Kritiker werfen Disney vor, einen plumpen Skylanders-Klon veröffentlicht zu haben. Tatsächlich aber tauchte die Grundidee bereits im Spiel U.B. Funkeys auf, das die Firma Mattel 2007 veröffentlicht hat. Dass U.B. Funkeys sich nicht durchsetzen konnte, lag wohl am rudimentären Gameplay, den detailarmen Figuren und der Beschränkung auf den PC als Verbreitungsplattform – alles Fehler, die Disney und Activision nun tunlichst vermeiden.

Deutliche Unterschiede offenbaren Skylanders und Infinity im Spielverlauf. Skylanders ist ein recht lineares Action-Abenteuer: Man rennt durch wechselnde Kulissen (Burgen, Wälder, Bergwerke und so weiter), vermöbelt Unmengen von Gegnern, sammelt Gegenstände und löst nebenbei ein paar kindgerechte Rätsel; die Figuren erklimmen dabei höhere Level. Der Übergang in den kooperativen Modus erfolgt nahtlos, der zweite Spieler muss nur ebenfalls seine Monsterfigur auf das Portal of Power stellen, also auf den USB-Sockel. Skylanders lebt davon, dass man die Figuren im Spiel wechselt: Nur so lassen sich bestimmte Gegner besiegen und Levelabschnitte freischalten.