Die Gerüchte waren also richtig: Die Spieleplattform Steam wird tatsächlich nicht nur ein eigenes Betriebssystem namens Steam OS ins Leben rufen, sondern gleich auch eine eigene Konsole. Das hat das Unternehmen Valve am Mittwochabend angekündigt. Doch es wird, gehen die Pläne des Entwicklerstudios auf, bei Weitem nicht bei einem Gerät bleiben.

2014 will Valve in Zusammenarbeit mit mehreren Herstellern gleich eine ganze Reihe Steam-Gaming-Maschinen veröffentlichen. Die Geräte sollen sich in der Gunst der Gamer gegen die Xbox One, die Playstation 4 und vor allem gegen all die speziell ausgerüsteten Spiele-PC durchsetzen, auf denen größtenteils Windows läuft. Valve stellt dabei das Betriebssystem, Hardwarehersteller die Konsolen und Rechner. Letztere können die Software an ihre Bedürfnisse anpassen.

Das Konzept ist das gleiche wie bei Google. Das Unternehmen entwickelt Android, Hersteller nutzen es kostenlos für ihre Geräte und verbreiten es so immer weiter. Steam könnte damit die Verhältnisse in der Gamesbranche, in der Milliarden verdient werden, gänzlich neu sortieren.

Die Ankündigung ist Teil eines dreiphasigen, über die Woche verteilten Veröffentlichungskonzerts, dessen letzter Akt für Freitag avisiert ist. Gerüchteweise könnte es beim dritten Teil der PR-Tour um das lange erwartete Spiel Half-Life 3 gehen. Aber dass es ein solches jemals geben wird, ist ungefähr genauso häufig vermutet wie dementiert worden.

Sicher ist dagegen: Während die Präsentation der Pläne für ein Steam-Betriebssystem viele Beobachter über die weitreichenden Folgen und das nahe Ende des Windows-PC als Spiele-Plattform spekulieren ließen, scheint die Reaktion der Gameswelt auf die Hardware-Vorhaben eher zwiegespalten zu sein: gleichermaßen elektrisiert wie enttäuscht. "Wir hatten ein ganzes Stück mehr erwartet", heißt es etwa im Tech-Blog The Verge.

Bislang keine Hardware gezeigt

Steam ist bisher "nur" eine Plattform zum Verkauf und Vertrieb von Spiele-Software und zum Vernetzen der Spieler, die auf den Systemen Windows, Apple OS X und Linux läuft. Doch mit seinen weltweit mehr als 50 Millionen aktiven Nutzern wird Steam durchaus zugetraut, die Kräfteverhältnisse bei den zum Spielen genutzten Betriebssystemen zu verändern. Das Ökosystem aus Programminhalten und Geräten soll dabei erklärtermaßen über den PC als bisherigen Lebensraum hinauswachsen und den Weg ins Wohnzimmer der Nutzer finden.

Über die Hardware, mit der Steam das bewerkstelligt möchte, ist jedoch trotz der Vorstellung am Mittwochabend immer noch nicht viel bekannt. Von einer Steam-Box war im Vorfeld viel die Rede. Valve benutzt das Wort "Box" nur einmal in seiner Ankündigung. Stattdessen wird ein "Hochleistungsprototyp" erwähnt. Diesen will Valve in einer Beta-Ausführung an 300 Tester kostenlos verteilen. Bewerben dafür kann sich jeder, der einen Steam-Account hat und sich in der Community bisher schon rege beteiligt. Fotos oder technische Details der Steam-Konsole gibt es derzeit noch nicht.

Jeder kann Steam optimieren

Darüber hinaus soll das Betriebssystem schon bald gratis zum Download bereit stehen, jeder soll damit spielen und daran herumbasteln können. Ganz im Sinne seiner Herkunft, es basiert auf der offenen Software Linux. 

Die Hoffnung der Entwicklerfirma Valve ist, dass eine ganze Reihe von Herstellern Steam OS auf speziellen Gaming-Rechnern einsetzen werden – und dass so viele neue Konsolen entstehen. "Es werden wie gesagt mehrere Steam-Systeme mit unterschiedlichsten Spezifikationen, Kosten und Leistungen zur Auswahl stehen", heißt es auf der Steam-Seite, "andere Systeme werden auf Größe, Preis, Geräuschlosigkeit oder andere Faktoren optimiert sein".

Das klingt nach einem Konzept, mit dem ein anderer bereits Erfolg hat – es klingt nach Android. Google überlässt sein Betriebssystem anderen Herstellern kostenlos. Die können es an ihre Hardware anpassen. Der Markanteil von Android bei Smartphones beträgt mittlerweile rund 80 Prozent.