Grauer Asphalt, weiße Begrenzungsstreifen, eine Traube von Menschen steht teilnahmslos beisammen und starrt in die Leere der Parkbuchten. Das digitale Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist ein leerer Parkplatz.

Es ist der Ort, an dem die erste Mission in GTA Online beginnt. Der Multiplayer-Ableger von Grand Theft Auto V startete am Mittwoch, irgendwie zumindest. Denn das Spiel fror für die meisten Spieler immer wieder ein. Ihre Spielfiguren warteten stundenlang gemeinsam oder allein auf einer Version dieses Parkplatzes. Denn der Andrang war gewaltig.

Zwei Wochen nach Erscheinen von Grand Theft Auto V wurde Grand Theft Auto Online freigeschaltet, das von Hersteller Rockstar als eigenständiges Spiel beworben wird und das jedem gratis zugänglich ist, der sich den fünften Teil der Serie gekauft hat.

Mehr als 15 Millionen Mal soll sich das Spiel in den ersten drei Tagen verkauft haben. Und natürlich wollen viele Spieler auch online Abenteuer erleben, nachdem sie mit den drei Hauptcharakteren GTA V unsicher gemacht hatten. Zwar können nur jeweils 16 Spieler gemeinsam durch eine Version der Onlinestadt ziehen, in der Masse war das aber ein Andrang, dem die Server von Rockstar nicht standhielten.

Ein ähnliches Phänomen trieb auch die Diablo-3-Spieler im vergangenen Jahr am Erscheinungstag in den Wahnsinn. Dort sahen sie stundenlang nur die mittlerweile berüchtigte "Error 37"-Meldung. Das beste Mittel gegen überlastete Server und ein vor Wut zerkautes Pad? Warten, bis der erste Ansturm nachgelassen hat.

Wer allein ist, stirbt schnell

Zwei Tage später hatte sich der Verkehr in Los Santos schon wieder einigermaßen normalisiert. Wer aus dem Hauptspiel in den Onlinemodus wechselt, findet sich im Charakter-Editor wieder. Mit ein paar Schiebereglern bestimmt der Spieler, wie seine Eltern und deren Eltern aussahen – und damit auch sein eigener Avatar. Das Ergebnis ist leider selten hübsch. Zum Glück gibt es einen Zufallsgenerator, der einigermaßen ansehnliche Verbrecher produziert. Dann werden noch ein paar Erfahrungspunkte verteilt und der Spieler sitzt im Flieger nach Los Santos.

Nach einigen kurzen Tutorial-Missionen ist er sich dort selbst überlassen. Und dem Gutdünken seiner Mit- und Gegenspieler. Im Hauptspiel ist er allein eine chaotische Urgewalt. Eine Variable, die die Spielwelt auf den Kopf stellt. Online prallen bis zu 16 dieser unaufhaltsamen Kräfte aufeinander. Und schnell wird dabei klar, wie die meisten Spieler ihre Geschichte in dieser Welt schreiben: Erst schießen, dann fragen. Wer sich alleine durch die Straßen von Los Santos wagt, stirbt beim Bummel zum Friseur oder zum Golfplatz plötzliche und wenig heldenhafte Tode.

Um dem Ableben unter den Händen eines Fremden im Netz zu entgehen, kann sich der Spieler per Knopfdruck aus den Überlebenskämpfen zurückziehen. Dabei verpasst er aber auch den Kitzel dieses Erwachsenenspielplatzes. Mit menschlichen Mitspielern ist die Spielwelt viel unberechenbarer als im Hauptspiel. Wer seine Beute in Los Santos nicht bei der Bank einzahlt, wird selbst ausgeraubt und bleibt blutend im Straßengraben zurück. Der Einzelspieltäter ist in GTA Online meist auch Opfer.