Auf den Süßkram muss Benjamin Hsu in Zukunft wohl verzichten. Der Entwickler hat sich eine Spiele-App ausgedacht namens All Candy Casino Slots, im Logo kurz Candy Slots genannt. Der Name ist nicht zufällig gewählt, in der App dreht sich alles um Glücksspielautomaten (slot machines) und Süßigkeiten (candy). Doch über den Titel wird Hsu noch einmal nachdenken müssen.  

Denn das Wort Candy hat sich die Londoner Spielefirma King schützen lassen. King ist die Firma hinter dem weltweiten Hit Candy Crush Saga, und sie ist offensichtlich gewillt, ihren Schutz auch durchzusetzen. Zu Beginn dieser Woche erhielt Hsu Post von King mit der Aufforderung, die App zu entfernen oder umzubennen. Eine Nachfrage brachte Hsu nicht weiter, im Gegenteil: ein weiteres Anwaltsschreiben bekräftigte nur die Aufforderung. "Wir müssen unsere Rechte durchsetzen, um unsere Spieler vor Verwechslungen zu schützen", begründet ein Sprecher von King auf Nachfrage von ZEIT ONLINE. 

Tatsächlich ist nicht von der Hand zu weisen, dass King das derzeit wohl bekannteste Süßigkeitenspiel auf den Markt gebracht hat. Gestartet wurde Candy Crush vor etwas mehr als einem Jahr. Seitdem wurden nach Angaben von King weltweit bereits mehr als 150 Milliarden Partien gespielt. Jeder 23. Facebook-Nutzer sei Fan von Candy Crush, behauptet King, was etwa 45 Millionen Menschen wären. 

Das Erfolgsgeheimnis von Candy Crush ist wohl, dass es ein unkompliziertes Game für zwischendurch ist. Das Spiel kann gratis über Facebook im Browser gespielt werden. Als Anwendung für Smartphones und Tablets gibt es das Spiel in Apples App Store, in Googles Play Store und bei Amazon. Geld verdient King über den Verkauf von Zusatzfunktionen innerhalb der App.

Der rasante Erfolg dieser Süßigkeitenspielerei hat schnell Nachahmer angezogen. Wer Candy als Suchwort etwa bei Google Play eingibt, wird von einer Lawine bonbonfarbener Spiele-Icons überrollt. Viele Games ahmen das Prinzip von Candy Crush mit ähnlichen Objekten nach, etwa mit Edelsteinen. Andere funktionieren zwar nach einem ganz anderen Prinzip, tragen aber Candy im Namen oder zumindest in der Beschreibung.  

Kalkulierte Verletzung des geistigen Eigentums

"Wir haben 'Candy' als Marke in der EU geschützt, weil unser geistiges Eigentum regelmäßig verletzt wird", sagt der King-Sprecher. Beantragt wurde der Schutz vor fast einem Jahr, am 15. Januar wurde dem Antrag nun stattgegeben. King werde nicht gegen jede Nutzung des Wortes Candy vorgehen, heißt es aus London. Und bisher habe man auch nur den Macher von Candy Slots kontaktiert, bestätigt das Unternehmen. "Wir glauben, dass der Name dieser App eine kalkulierte Verletzung unseres geistigen Eigentums ist, die dazu dienen soll, das eigene Spiel zu unterstützen, etwa bei der Positionierung in Suchergebnissen."

Ähnliches ließe sich auch über etliche andere Spiele mit Candy im Titel sagen. Es ist also durchaus möglich, dass weitere Entwickler sich einen neuen Namen einfallen lassen müssen.

Rechtlich ist das Vorgehen von King nicht zu beanstanden. Selbst so allgemeine Begriffe wie Süßigkeit – sogenannte generische Begriffe – können geschützt werden, sagt der Berliner Anwalt Thomas Schwenke, spezialisiert auf Internet- und Urheberrecht. "Das ist möglich, wenn der Begriff im Einsatzgebiet nicht generisch ist", sagt Schwenke. Der juristische Terminus dafür ist Freihaltebedürfnis. Das bedeutet: Das Wort Apfel kann nicht im Bereich der Lebensmittelindustrie gesichert werden, sehr wohl aber im Elektronikbereich. Das gleiche gilt wohl für Candy im Bereich Computerspiele, sagt Thomas Schwenke.

In Benjamin Hsus Spiel kann also auch weiterhin mit Süßigkeiten gezockt werden, die dürfen innerhalb der App auch Candy heißen, schätzt Anwalt Thomas Schwenke. Als Titel werde sich Hsu aber etwas anderes suchen müssen. Vielleicht sowieso keine schlechte Idee. Den Spielenamen Candy Slots gibt es nämlich auch schon.