Tester mit der Brille Oculus Rift HD auf der CES in Las Vegas © Robyn Beck/AFP/Getty Images

Der Traum von der virtuellen Realität ist Jahrzehnte alt. Doch bislang ist es noch nicht gelungen, mit dem Computer künstliche Welten zu schaffen, in die man abtauchen kann wie der Hacker Neo in die Matrix des gleichnamigen Science-Fiction-Films. Zwar protzen Spiele mit beeindruckend detailreicher Grafik. Es mangelt jedoch an Brillen, mit denen man sich in solchen dreidimensionalen Räumen so bewegen kann, dass es realistisch wirkt und einem nicht übel wird.

Doch ein amerikanische Firma arbeitet daran, den Traum von der virtuellen Realität – abgekürzt VR – bald Wirklichkeit werden zu lassen: Das mit reichlich Kapital ausgestattete Start-up Oculus VR hat seine Videobrille Oculus Rift so weiterentwickelt, dass sie dem Ideal näherkommt als jedes andere Gerät zuvor. Auf der Elektronikmesse CES durften ausgewählte Tester einen Prototypen aufsetzen, der bald schon in Serie gehen könnte.

Von außen ähnelt Oculus Rift einer großen Skibrille. In das Sichtfeld ist aber ein Bildschirm eingebaut – setzt man das Gerät auf, verschwindet die reale Umgebung und man taucht in das vom Computer eingespielte Szenario ein. Linsen sollen einen Rundum-Effekt erzeugen – tatsächlich ist das Sichtfeld mit einem 110-Grad-Winkel so groß, dass man die Ränder nicht wahrnimmt.

Die Sensoren der Cyberbrille messen die Bewegungen des Kopfes, der Computer errechnet darauf blitzschnell das neue Bild. Beim Test des neuen Prototypen hat man tatsächlich den Eindruck, auf einem Raumkreuzer im Weltall zu sein – Weite, egal wohin man guckt. Eine Verzögerung ist dabei nicht spürbar. Der nüchterne weiße Raum in der echten Welt ist fast vergessen, wäre da nicht das leichte Raster zu sehen. An der Auflösung arbeitet das Start-up aber noch.

Deutlich verbesserter Prototyp

Den neuen Prototypen mit dem Namen Crystal Cove hat das Start-up an zwei Stellen verbessert. Zum einen verschwimmt die virtuelle Umgebung nicht mehr bei Bewegungen, wie es vorher der Fall war. Das ist für Nutzer ein Vorteil, denen so eine Unschärfe Unbehagen bereitet. Bei der Demonstration hielt die Oculus Rift das Versprechen.

Zum anderen ist die Positionsbestimmung präziser als vorher. An der Außenseite der Brille sind Infrarot-Lämpchen angebracht, die eine Kamera an der Wand erfasst. Damit kann das System die Position im Raum errechnen. Das Resultat: Bei Kopfbewegungen bleiben die Gegenstände in der virtuellen Welt an Ort und Stelle, ganz wie in der Wirklichkeit. "So ist die Nutzung deutlich komfortabler", sagt Oculus-VR-Chef Brendan Iribe im Gespräch mit Handelsblatt Online.

"Es ist das erste Mal, dass die virtuelle Realität funktioniert", sagt Iribe selbstbewusst. Gleichzeitig dämpft er die Erwartungen. "Wir sind noch in einer ganz frühen Phase – ähnlich der Zeit, als die PCs noch monochrome Bildschirme hatten." Die Entwicklung verlaufe aber schnell: Noch vor einem Jahr habe der Prototyp schließlich fast vollständig aus Klebeband bestanden.