Es ist ein offenes Geheimnis: Ich bin schlecht in Mathe. Wie schlecht, musste ich vor einigen Jahren feststellen, als ich Schülern der Mittelstufe Nachhilfe gab. Algebra, achte und neunte Klasse. Bruchrechnung, Kürzen und Erweitern, Kehrwertbildung, natürlich mit reichlich Variablen. Nachdem ich meine Erinnerung einigermaßen aufgefrischt hatte, war die Stunde vorbei – und die Schüler kein bisschen schlauer. Schade, dass es damals die App DragonBox noch nicht gab.

DragonBox ist ein Lernspiel, das Kindern auf spielerische Weise Algebra beibringen soll. Vor zwei Jahren präsentierten es die norwegischen Entwickler erstmals. Im vergangenen Jahr wurde die App bei den Mobile Gaming Awards in der Kategorie Best Serious Game ausgezeichnet. Aktuell gibt es DragonBox in zwei Versionen: als 5+ für Kinder, die gerade die Grundrechenarten lernen und als 12+ für Mittelstufenschüler, die gerade das Prinzip von Brüchen und Variablen lernen oder bereits damit vertraut sind. Ich bin zuversichtlich und entscheide mich, die fortgeschrittenere Version zu testen. Die wurde kürzlich noch einmal überarbeitet und erweitert, sie enthält nun rund 350 Level und Übungen.

Das Spielprinzip ist simpel: Mit möglichst wenig Zügen müssen die Spieler einen Bruch oder eine Gleichung lösen. Zu Beginn sehen die Spieler allerdings weder Zahlen noch Variablen. Stattdessen sehen sie das Icon einer Holzkiste – die DragonBox. Sie gilt es zunächst auf einer Seite des Spielbretts zu isolieren und mit den übrig gebliebenen Elementen zu "füttern". So wächst mit jedem Level ein Fabelwesen heran. Erst später wird aus der Box die Variable x, die es aufzulösen gilt.

Je weniger Züge die Spieler benötigen und je weniger am Ende übrig bleibt, desto mehr Sterne gibt es als Belohnung. Zehn Lektionen gibt es insgesamt, die sich jeweils in knapp 20 einzelne Aufgaben oder Level gliedern. Wer das Spiel durch hat, bekommt im zweiten Teil der App noch zahlreiche Übungen angeboten, um das erworbene Wissen zu testen.  

 Von Bildern zu Variablen

Die ersten Level erklären das Spielprinzip. Nach und nach ziehe ich hübsch gezeichnete Geschöpfe auf eine Seite des Bretts. Jeweils ein helles und eine dunkles Bild löschen sich gegenseitig aus. Ich verstehe intuitiv, dass es sich hierbei um positive und negative Zahlen handelt, die in der Summe jeweils null ergeben.

Nach rund 15 Minuten Spielzeit folgen die ersten Brüche. Ich lerne, wie ich sie nach und nach auflöse. So langsam dämmern mir die Grundprinzipien wieder. Am Ende habe ich 52 von 60 Sternen gesammelt, habe mich allerdings auch einige Male verklickt und somit mehr Schritte benötigt als gefordert waren. Jedes Level lässt sich beliebig oft wiederholen für alle, die das Spiel möglichst perfekt meistern möchten.

In der vierten Lektion folgen dann endlich die ersten Zahlen. In der Schule war ich immer froh, wenn sich Aufgaben tatsächlich um Zahlen drehten statt um Variablen. Bei DragonBox wird meine Euphorie allerdings schnell gedämpft, denn die Zahlen lassen sich im Laufe der Lektion addieren, multiplizieren und faktorisieren. Das heißt auch, dass es nicht mehr nur darum geht, gleiche Bilder zu paaren, sondern dass man die Zahlen auf dem Brett zunächst entsprechend zusammenrechnen muss. Kurz, es wird anspruchsvoller. Immerhin stehen am Ende 50 von 60 Sternen zu Buche. 

Ganz schön einfach, denke ich mir noch. Doch dann stehe ich mitten in der fünfte Lektion plötzlich vor einer Aufgabe und weiß nicht weiter. Habe ich mich zu schnell durchgeklickt? Denn auch wenn DragonBox jede Funktion nach und nach einführt, summieren sich die Möglichkeiten bei knapp der Hälfte des Spiels schnell. Minutenlang schiebe ich grinsende Monster, Variablen und Zahlen umher, bevor ich schließlich entnervt auf die Lösung klicke.