Videospieler auf der Gamescom in Köln 2013 © Jürgen Schwarz/Getty Images

Zum sechsten Mal wird am Donnerstagabend der Deutsche Computerspielpreis verliehen. Erstmals wird mit Alexander Dobrindt der Minister für Verkehr und digitale Infrastruktur die Gala eröffnen und dabei voraussichtlich die Rolle von Videospielen als Kulturgut loben. Schließlich geht es beim je zur Hälfte von der Politik und Spielewirtschaft geförderten Preis darum, "kulturell und pädagogische Videospiele" auszuzeichnen.

Das ist prinzipiell eine gute Idee. Mit Preisgeldern im Wert von insgesamt 345.000 Euro ist der Deutsche Computerspielpreis zudem finanziell attraktiv. Vor allem für kleine Studios, für die Entwickler von Kinderspielen oder Serious Games etwa, ist das eine Menge Geld. Man könnte sagen, es zeigt die Wertschätzung für dieses Medium.

Gleichzeitig begleiten den Deutschen Computerspielpreis seit seiner Einführung im Jahr 2009 fragwürdige Entscheidungen, die größere Probleme aufzeigen: Nämlich dass die Politik zum einen weiterhin mit Games fremdelt, und dass der Deutsche Computerspielpreis dem Medium in seiner jetzigen Form nur teilweise gerecht wird.

Eine Zusatzkategorie spaltet die Jury

Das jüngste Skandälchen in einer Reihe von vielen wurde am Dienstag bekannt. Zwei Tage vor der Verleihung erklärten die beiden Spiele-Redakteure Heiko Klinge und Andre Peschke ihren Austritt aus der Jury.

Der Grund ist die Kategorie Jury Award, die es offiziell gar nicht gibt. Sie wird lediglich geschaffen, wenn ein nominiertes Erwachsenenspiel von der Jury zwar zum Sieger gewählt wird, mindestens drei Mitglieder das Spiel aber nicht für "pädagogisch und kulturell wertvoll"halten. In diesem Fall landet das Spiel in der Kategorie Jury Award. Der Clou: Das Preisgeld dieser Kategorie wird einzig von der Spielebranche gestellt, nicht aber anteilsmäßig von der Politik, wie in allen anderen Kategorien.

Es ist ein bizarrer Versuch des politischen Teils der Ausrichter, sich aus der Verantwortung für möglicherweise kontroverse Inhalte zu ziehen. Das hat Tradition beim Deutschen Computerspielpreis. 2010 kürte die Jury das eigentlich deutsche Spiel Anno 1404 zum Gewinner der damals noch vorhandenen Kategorie Bestes Internationales Spiel. Der mutmaßliche Favorit Uncharted 2 ging dagegen leer aus – wohl weil er einigen Jury-Mitgliedern doch zu viel Gewalt bot.

Zwei Jahre später schien sich der Preis weiteren Genres zu öffnen. Mit Crysis 2 gewann erstmals ein Egoshooter, und das, obwohl Vertreter der CDU und CSU dessen Nominierung öffentlich kritisierten. Doch die daraufhin eingeführte Hintertür des erwähnten Jury Awards beweist, dass die Kritik offenbar nicht folgenlos blieb, auch wenn es vonseiten der Ausrichter heißt, die Jury würde "unabhängig entscheiden und arbeiten".

Im vergangenen Jahr gewann mit dem Adventure Chaos of Deponia auch wieder ein gänzlich gewaltfreies Spiel, während der hochgelobte und durchaus nachdenklich stimmende Shooter SpecOps: The Line leer ausging.

Eine Entscheidung, die durchaus nachvollziehbar war, und die doch das zweite Problem des Preises offenbarte: Der Deutsche Computerspielpreis weiß eigentlich selbst nicht genau, was er sein möchte: ein reiner Förderpreis für die deutsche Entwicklerszene oder doch eher eine kulturelle Auszeichnung.