Es klingt wie eine Idee aus einem Science-Fiction-Film: Die Virtual-Reality-Brille Oculus Rift könne nach dem Kauf der Firma durch Facebook die Basis für ein Massively-Multiplayer-System von Facebook werden. Die Teilnehmer könnten sich so virtuell begegnen und kommunizieren. Das erzählte Oculus-Chef Brendan Iribe laut der Website The Verge dem Publikum der Technikkonferenz TechCrunch Disrupt. Mit dem System sollen bis zu eine Milliarde Facebook-Nutzer in die virtuelle Realität abgleiten können.

Ein Netzwerk mit diesen Nutzerzahlen würde alle bisherigen MMO (Massively Multiplayer Online wie World of Warcraft) in den Schatten stellen und eine enorme Infrastruktur erfordern, gibt Iribe unumwunden zu. Facebook sei das einzige Unternehmen, das die erforderliche Nutzerbasis hat. Dabei schwebt Iribe ein Metaverse vor, das verschiedene virtuelle Welten miteinander verknüpft.

Die Aussicht auf eine riesige Anzahl potenzieller Nutzer dürfte nach Ansicht von The Verge mit ein Grund für Oculus gewesen sein, das Geschäft mit Facebook und nicht mit einem traditionellen Spielehersteller zu machen – der würde im Vergleich viel zu wenig potenzielle Kunden anlocken können. Das heißt nicht, dass in einer Facebook-Virtual-Reality-Welt nicht auch gespielt werden kann und sich Oculus in Zukunft dem klassischen Spielemarkt versperrt.

Ähnlich wie in Kathryn Bigelows Film Strange Days ließen sich gar Szenen aus dem Leben der Anwender nachstellen, die sich mit anderen Teilnehmern noch einmal gemeinsam erleben lassen. Im Film wurden die Erlebnisse der Personen im realen Leben zunächst aufgezeichnet und ließen sich dann wieder- und weitergeben. Davon ist die Realität noch weit entfernt, doch schon jetzt gibt es Kameras zum Umhängen, die für die Daueraufzeichnung gedacht sind. Die Gefühle der Menschen werden sie anders als im Film weder aufnehmen noch wiedergeben – und gerade das machte in Strange Days den besonderen Reiz aus.

"Grenzenlose Räume und Erfahrungen"

Virtual Reality als soziale Plattform skizzierte Facebook-Chef Zuckerberg schon anlässlich des Kaufs von Oculus Rift. "Indem du dich wirklich präsent fühlst, kannst du grenzenlose Räume und Erfahrungen mit den Menschen in deinem Leben teilen."

Damit die Benutzer eines solchen Netzwerks echte Unterhaltungen miteinander führen können, müssten jedoch erst einmal die passenden Avatare geschaffen werden. Dazu kommt, dass die Nutzung der Tastatur bei aufgesetzter VR-Brille praktisch ausgeschlossen wäre. Den Spielern bleibt praktisch nichts anderes übrig, als wieder miteinander zu sprechen. Und das wäre auch schon ein Erfolg.

Oculus will in Seattle ein Forschungslabor eröffnen und mit Universitäten zusammen an der virtuellen Realität forschen. Geleitet wird es von Michael Abrash, der einige Jahre bei Valve arbeitete und zuvor unter anderem bei ID Software an Quake mitgearbeitet hat und bei Microsoft im Xbox-Team tätig war.

Erschienen auf golem.de