LizenzenWie Waffenhersteller von Games profitieren

Videospielfirmen kaufen Lizenzen von Waffenproduzenten, um deren Produkte abbilden zu dürfen. Spieler müssen davon ausgehen, dass sie die Rüstungsindustrie unterstützen. von Michael Schulze von Glaßer

Lizenzen: Wie Waffenhersteller von Games profitieren

Vorstellung des Spiels "Medal of Honor – Warfighter" im Juni 2012  |  © REUTERS/Gus Ruelas

Deutschland gegen England. Im "Burg-Stadion" peitscht das Publikum die Mannschaften nach vorne. Oliver Huber schlägt den Ball weit ab in Richtung des Mittelfeldroutiniers Lothar Maletz. Maletz bringt das Spielgerät unter Kontrolle und spielt dann seine ganze Erfahrung aus: Kurze Körpertäuschung und er ist vorbei an seinem Gegenspieler. Präzisionspass zu Oliver Bilkos, der an der linken Ecke des Strafraums lauert. Bilkos nimmt den Ball an, zwei Schritte und dann – bam! – jagt er das Leder humorlos in den Giebel. Kalt wie eine Hundeschnauze, dieser Bilkos! Torwart David Siyanen kann dem Ball nur hinterherschauen. England null, Deutschland eins.

Bilkos dreht jubelnd ab, doch irgendwas hält mich davon ab, mitzujubeln. Irgendwie kann ich nicht richtig ins Spiel eintauchen, mein Kopf ist voll beschäftigt mit Übersetzungsarbeit: Torschütze Bilkos ist eigentlich Oliver Bierhoff, Oliver Huber ist eigentlich Oliver Kahn, Lothar Maletz ist eigentlich Lothar Matthäus und David Siyanen ist eigentlich der englische Fliegenfänger David Seaman. Ganz schön kompliziert. Schuld daran: fehlende Lizenzen für Spieler, Vereine, Ligen und Stadien bei Pro Evolution Soccer des japanischen Herstellers Konami.

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Besonders in Fußballvideospielen machen Lizenzen viel aus: Die Pro Evolution Soccer-Serie (PES) gilt zwar als technisch gleichwertig, die Fifa-Reihe von Electronic Arts verkauft sich jedoch um ein Vielfaches besser. Konami konnte in den letzten Jahren international zumindest von einigen Vereinen Lizenzen erwerben und darf diese realistisch darstellen – mit ihren echten Namen und Logos. Auch die Uefa Champions League konnten sich die Japaner rechtlich sichern – allerdings nur die Logos, Bälle und Hymnen, nicht aber alle teilnehmenden Vereine. Borussia Dortmund sucht man in den PES-Spielen vergebens. In der Fifa-Reihe wiederum fehlt die Champions League komplett. Oder kurz gesagt: Durch die strengen und oft exklusiv vergebenen Lizenzen werden die Spiele zerstückelt. Es herrscht Lizenzchaos.

Teilweise führen Lizenzen sogar zu einem harten Eingriff ins Gameplay – etwa bei Spielen, in denen Autos vorkommen. Egal ob bei der Forza Motorsport-Serie von Microsoft, der Gran Turismo-Reihe von Sony oder den Need for Speed-Teilen von Electronic Arts: Alle Titel beinhalten aus der Realität entnommene Fahrzeuge, die mit lizenzierten Herstellerlogos versehen sind. Was auf der einen Seite für Realismus und Immersion sorgt, verhindert diese auf der anderen Seite aber auch – etwa bei der Darstellung von Schadensmodellen: Ein Bugatti Veyron trägt in Need for Speed – Most Wanted von 2012 nach Unfällen nur ein paar Beulen davon und steht nach einem Frontalcrash wie aus dem Ei gepellt auf der Straße.

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Autor Michael Schulze von Glaßer ist Politikwissenschaftler und beschäftigt sich auf seinem YouTube-Kanal Games’n’Politics intensiv mit Videospielen. Gerade hat er das Buch Das virtuelle Schlachtfeld – Videospiele, Militär und Rüstungsindustrie veröffentlicht. Dieser Artikel ist in der neuen Ausgabe des Magazins WASD erschienen, das sich in Essays mit dem Thema Games befasst.

Anders beim nicht lizenzierten Ebenbild in Grand Theft Auto V – dem "Truffade Adder". Hier fallen bei Zusammenstößen die Türen ab, das Auto ist bis zur Unkenntlichkeit zerbeult oder verbrennt sogar. Da Rockstar Games als Entwickler von GTA V keine Lizenzvereinbarungen mit Autoherstellern eingegangen ist, müssen die Entwickler zwar auf Originalnamen verzichten, aber auch keine Rücksicht darauf nehmen, dass die Fahrzeuge in ihrem Spiel werbewirksam dargestellt werden – also dürfen die Spieler die GTA-Autos nach Herzenslust zerdeppern.

Wo Lizenzen beziehungsweise deren Fehlen in Sport- und Autospielen ein Ärgernis sein können, werden sie bei Militär-Shootern zum Politikum: Für moderne Shooter kooperieren die Videospielhersteller häufig mit Waffenherstellern – und zahlen Lizenzgebühren, damit sie die Waffen realitätsgetreu und mit Originalnamen in die virtuellen Spiele einbauen dürfen.

Die Presseabteilung von Activision wollte sich zu Lizenzvereinbarungen nicht äußern: "Zu den Details der Produktion der Call of Duty-Titel und der angefragten Thematik können wir leider keine Informationen geben", war die kurze Antwort der Activision-Leute. Im Abspann der Call of Duty-Teile geben die Danksagungen zumindest Hinweise auf Kooperationen. So wird am Ende des 2012 erschienen Call of Duty – Black Ops 2 den Kleinwaffenherstellern Remington Arms Company Inc., Colt’s Manufacturing Company und Barrett Firearms Manufacturing gedankt. "Special Thanks" gingen auch an General Atomics Aeronautical Systems, den Hersteller der US-Kampfdrohne MQ-1 "Predator". Für das Ende 2013 veröffentlichte Call of Duty – Ghosts scheint die Vereinbarung mit Remington aufrechterhalten worden zu sein – wie auch immer sie aussieht.

Fehlende Transparenz

Auch beim großen Shooter-Konkurrenten Electronic Arts ist die Transparenz mangelhaft. Im Abspann des 2012 erschienenen First-Person-Shooters Medal of Honor – Warfighter kooperierten die Entwickler unter anderem mit den deutschen Kleinwaffenproduzenten Sig Sauer und Heckler & Koch.

Vom Unternehmen Sig Sauer mit Sitz in Isny im Allgäu waren Amy E. Pevear, Max Michel und Bud Fini am Videospiel beteiligt – alle sind für Sig Sauer in den USA unter anderem im PR-Bereich aktiv. Im Spiel wird eine Pistole des deutschen Waffenherstellers dargestellt. Für Heckler & Koch waren an Warfighter Stephen Farkas und Angela Harrell beteiligt, Letztere ist Bodybuilderin und Werbebotschafterin des deutschen Waffenunternehmens in den USA.

Leserkommentare
  1. Die Berichterstattung über die deutsche Rüstungsindustrie bei Zeit Online wirkt langsam tendenziös. Dieser Artikel ist ähnlich albern wie die vorherigen Beiträge. Es wird hier argumentiert als würde man den internationalen Menschenhandel unterstützen anstatt einen völlig legalen Wirtschaftszweig. Obendrein unterstelle ich Leuten die Ballerspiele spielen erstmal dass sie keine großen Probleme mit Waffen haben.

    Man mag mit Waffen an sich ein Problem haben, dass kann ich verstehen. Aber das ist nur eine persönliche Meinung und hat nichts bei Zeit Online zu suchen.

    11 Leserempfehlungen
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    Unternehmen wie Regierungen, die Waffen an sogenannte Drittländer - die euphemisierende Bezeichnung von Ländern, die durch Diktatoren oder Terrorregime beherrscht werden - liefern muss man ins Stammbuch schreiben, dass aus einem Verbrechen keine neutrale wirtschaftliche Aktivität wird indem man sie anders bezeichnet.

    Entschuldigung, da muss ich widersprechen.

    Die Berichterstattung wirkt nicht tendenziös, sie ist - unter Weglassung aller weiteren Realitäten - einwandfrei parteiisch gegen Waffen. Und das nicht "langsam", sondern schon seit langem.

    >>>>Obendrein unterstelle ich Leuten die Ballerspiele spielen erstmal dass sie keine großen Probleme mit Waffen haben.<<<<

    Ich für meinen Teil war früher leidenschaftlicher Counterstrike Spieler udn verachte auch heute eine kleine Runde zwischendurch nicht, verabscheue Gewalt und Waffen in der realen Welt durchaus.

    Es ist ähnlcih wie mit jemandem der gerne Actionfilme sieht. Derjenige muss doch nicht gleich auch in der Realität gewaltaffin sein.

    Es sind nun mal zwei vollkommen unterschiedliche Dinge Virtualität und Realität. Sollten sie die nicht mehr auseinander halten können, haben sie vielleicht ein kleines Problem mit ihrer Wahrnehmung...

    • b4w3f
    • 16. Juni 2014 15:41 Uhr

    Ich habe in meinem Leben tausende Stunden mit Computerspielen verbracht, sich auch einige 100 mit Ballerspielen. Allerdings kann ich im wahren leben keine Fliege erschlagen, sondern ertrage ihr Summen. Ich hatte in meinem Leben auch nicht einmal das verlangen eine echte Waffe zu nutzen. Nicht einmal Paintball lockt mich, was nicht daran liegen kann, dass ich unsportlich wäre. Fast alle meine Verwandte, Freunde und Bekannte haben verweigert. Niemand hat Interesse daran schießen zu lernen, niemand ist für Kriegseinsätze und wenn im Storymodus "Soldaten" neben mir umkippen ist das eine, ich erlebe es wie in einem Film, aber ganz genau weiß ich, dass niemals in Wirklichkeit erleben zu wollen.
    Den Unterschied zwischen Spaß und Ernst sollte jeder Erwachsene auf dem Schirm haben.

    und nicht in die Hände von Menschen. wo bei es da noch Abstufungen gibt, Soldaten und Polizisten müssen sie tragen, Privatpersonen nicht.
    Ich spiele gerne Shooter und Strategiespiele, kann aber Waffen nicht leiden. Sie könnten ja noch die Behauptung aufstellen, das Strategiespieler kein Problem mit Kriegen haben...genauso an den Haaren herbeigezogen. Gibt übrigens auch Shooter in denen es keine Probleme mit solchen Lizenzen gibt. Scifi z.B.
    Auch von EA angeboten und absolute Klasse, die Mass Effect Reihe.

  2. Mental unterstützen Spieler solche Spiele sowieso eine leider weit verbreitete chauvinistische Geisteshaltung.

    Eine Leserempfehlung
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    Ich spiele Battlefield 3, League Of Legends, Starcraft 2, NBA 2k14, Brothers, Borderlands 2 und Portal.

    Wer bin ich also?

    Dann bitte ich um eine Diagnose!

    Derzeitige Games:

    BF-3, BF-4, BF-2-BC, Arma 3, Dead Island 3, Gran Tourismo 5, CoD (alle Teile), Counter Strike Source, Halo, Forza, Crysis, Far Cry 3, Assassin's Creed, Dead Space, Metro 2033, S.T.A.L.K.E.R. und noch andere mehr...Wöchentliche Spielzeit insgesamt: Ca. 6,5 - 8 Stunden.

    Weitere Hobbys: Umgang mit Tieren, Tier-Fotografie, Rockfestivals, Drums, 5-Zylinder-Turbos...Autorennen, Base-Jumping, Parachuting, Paintball, und anderes mehr.

    Genug Hintergrundinformationen für eine erste Einschätzung sollten das wohl sein.

    Bin mal gespannt...

    Mfg

    K-F

    Anmerkung. Bitte kehren Sie zum konkreten Artikelthema zurück. Danke, die Redaktion/sg

    Wäre Ihre Argumentation richtig, wäre eine Person die gern Krimis schaut für Gewaltverbrechen? Eine Andere, die Arztserien bevozugt, schon ein halber Medizinstudent?

    Warum nur sondern Menschen ausgerechnet bei Videospielen soviel eigenartige Kommentare ab? Womöglich sind das in der Hauptsache Menschen, die bisher im Höchstfall "Minesweeper" versucht und nicht verstanden haben?

  3. Das ist ja ganz fürchterlich! Da wird es doch langsam Zeit, dass Spiele auf den Markt kommen, die entweder vegetarisch oder gar vegan sind. Da das nicht ganz einfach sein wird, muss der Staat dabei Unterstützung leisten.

    17 Leserempfehlungen
  4. Unternehmen wie Regierungen, die Waffen an sogenannte Drittländer - die euphemisierende Bezeichnung von Ländern, die durch Diktatoren oder Terrorregime beherrscht werden - liefern muss man ins Stammbuch schreiben, dass aus einem Verbrechen keine neutrale wirtschaftliche Aktivität wird indem man sie anders bezeichnet.

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  5. Entschuldigung, da muss ich widersprechen.

    Die Berichterstattung wirkt nicht tendenziös, sie ist - unter Weglassung aller weiteren Realitäten - einwandfrei parteiisch gegen Waffen. Und das nicht "langsam", sondern schon seit langem.

    7 Leserempfehlungen
  6. >>>>Obendrein unterstelle ich Leuten die Ballerspiele spielen erstmal dass sie keine großen Probleme mit Waffen haben.<<<<

    Ich für meinen Teil war früher leidenschaftlicher Counterstrike Spieler udn verachte auch heute eine kleine Runde zwischendurch nicht, verabscheue Gewalt und Waffen in der realen Welt durchaus.

    Es ist ähnlcih wie mit jemandem der gerne Actionfilme sieht. Derjenige muss doch nicht gleich auch in der Realität gewaltaffin sein.

    Es sind nun mal zwei vollkommen unterschiedliche Dinge Virtualität und Realität. Sollten sie die nicht mehr auseinander halten können, haben sie vielleicht ein kleines Problem mit ihrer Wahrnehmung...

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    Der Unterschied zwischen Realität und Spiel ist geringer als Sie argumentieren. Echte Waffen und Spiele die diese halbwegs realistisch darstellen sind doch Teil derselben Kultur. Man kann nicht mal gerne Counterstrike oder Call of Duty spielen ohne zu akzeptieren dass diese ebenso Teil der Waffenkultur sind wie die realen Waffen und Auseinandersetzungen auf denen diese Spiele basieren.

  7. Als Spieler der sehr gerne auch Spiele dieses Genres spielt, bin ich etwas bedrückt. Das Spielen macht Spaß, ich bin jedoch auch Kriegsdienstverweigerer und ein friedvoller Mensch. Die Waffenindustrie unterstütze ich ungerne.
    Trozdem spiele ich gerne. Da muss ich mir was überlegen...

    Überigens an alle die gleich wieder moralisieren. Ja ich kann so ein Spiel spielen und Krieg verabscheuen. Ich bin geistig in der Lage ein Spiel als das zu erkennen was es ist. Ein Spiel.

    14 Leserempfehlungen
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    Wie können Sie denn am Kriegspielen Spaß und Freude haben? Das ist doch etwas furchtbares - auch im Spiel!

    Weil es vorallem darum geht in einem Team unterwegs zu sein und gut zu zielen und zu treffen.

    Und es macht nun einmal Spass wenn im Team alle gut zielen und treffen und man überlebt. Und es darf Spass machen weil ich niemandem Schade! (Jetzt mal nicht betrachtet dass man dadurch die Waffenindustrie unterstützt, das missfällt mir...)

    Wenn ich das grandiose Brettspiel Junta spiele, dann darf ich mich dieser Fiktion hingeben und niemand sagt: du furchtbarer Diktator! Wie kannst du nur?!

    Bei einem Computerspiel schreien die Menschen auf. Warum ? Ich darf mich als Bürger dieser Fiktion hingeben. Ich schade niemanden und tatsächlich, kann mir diese Fiktion Spass bereiten.

    Krieg und Vertreibung ist kein Spass und werden es auch für mich niemals sein. Aber nur oberflächlich betrachtet ist ein Computerspiel furchtbar, dann nämlich wenn der Beobachter das Betrachtete als etwas Reales einschätzt.

    Das tue ich nicht und ich wäre glücklich wenn mir Mitmenschen die Fähigkeit anerkennen, dass ich dazu in der Lage bin ein Computerspiel nicht als Realität wahrzunehmen.

    Ich werde jetzt einfach die Sache umdrehen um das Ganze etwas zu:

    Furchtbar? Fehlt ihnen etwa die Fähigkeit zu erkennen, dass es sich um Fiktion handelt ?

    Dann sollte sie einen Bogen um alle Tatorte, Brettspiele und Bücher dieser Welt machen.

    • Chali
    • 16. Juni 2014 15:03 Uhr

    Oder?

    Sicher nicht!

    Das wäre denn ja ...

    Eine Leserempfehlung

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  • Schlagworte Games | Rüstungsindustrie | Electronic Arts | Videospiel
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