Der Level-90-Pandaren von Spieler "Doubleagent" © Blizzard Entertainment / Doubleagent

Das Online-Rollenspiel World of Warcraft (kurz: WoW) trägt schon im Namen, worum es geht: Das Kriegshandwerk, dem die Spieler in ihrem Kampf für die beiden Spielfraktionen nachgehen müssen. Jeder muss sich einer der beiden Seiten anschließen – entweder der von den Menschen angeführten und nach Ordnung strebenden "Allianz" oder der aus Orks und Untoten bestehenden, wilden und wütenden "Horde". Das ist eigentlich unabdingbar, um den eigenen Spielcharakter zu entwickeln. Dachte zumindest Blizzard, der Entwickler des Abospiels. Doch ein Spieler, der sich Doubleagent nennt, hat dieses Spielprinzip unterlaufen.

Doubleagent begann vor knapp zwei Jahren mit WoW und er wollte neutral bleiben. Dafür nahm er in Kauf, mit seinem Pandarenkämpfer nie die friedlich-pittoreske, aber auch sterbenslangweilige Startregion, die sogenannte Wandernde Insel, zu verlassen. In der Nacht vom 21. auf den 22. Juni schaffte er nun, womit wohl kaum einer gerechnet hatte: Er erreichte die höchste im Spiel erreichbare Levelstufe.

Über 4.000 Spielstunden investiert

Genau 173 Tage und zwölf Stunden reine Spielzeit hat er investiert, um seinen Pandaren-Schamanen auf Level 90 zu bringen. Das ist die derzeit höchste Stufe des im Jahr 2004 gestarteten und weltweit immer noch erfolgreichsten Online-Rollenspiels. Damit ist Doubleagent der erste und wohl auf absehbare Zeit einzige maximal "aufgelevelte" Spieler, der keiner Fraktion angeschlossen ist.

Normalerweise können Spieler das Level 90 innerhalb mehrerer Wochen oder weniger Monate erreichen, mit Erfahrungspunkten, die sie für Kämpfe und das Lösen von Aufgaben bekommen. So können sie auch neue Fähigkeiten wie Zauber oder Spezialangriffe freischalten. Doch da sich Doubleagent weigerte, wie eigentlich im Spielverlauf vorgesehen, nach dem Sprung über Stufe zehn eine der beiden Fraktionen als die seinige auszuwählen, durfte er die Startregion nie verlassen. Und so blieb er dort, wo es weder große Schlachten noch ertragreiche Aufgaben zu lösen gibt. Schließlich dient dieses Areal nur dazu, Neulingen die Grundlagen und Regeln der einigermaßen komplexen WoW-Mechanik beizubringen.

Der ewige Kräutersammler

Während um ihn herum Tausende Online-Eskapisten nach einer kurzen Lernphase in die gefährlichen Gefilde außerhalb der anschließend nie wieder betretbaren Anfangszone gingen, blieb das pandabär-artige Wesen von Doubleagent dort. "Ich bin nie fort", versicherte er immer wieder den verwunderten Neueinsteigern. In der Zeit, in der andere sich durch die Hallen des Mogu'shangewölbes schlachteten, Drachen töten und Skelettkrieger zerschmettern, streifte er hunderte Male über die immergrüne Comicinsel, sammelte Kräuter und schürfte Mineralien aus Steinen und Felsen. Das ist neben einigen einfachen Missionen die einzige Möglichkeit, im Spiel voranzukommen. 

Erfahrungspunkte sammelte er so nur in geradezu homöopathischen Dosen und verzichtete auf nahezu alles, was die Spieler an WoW sonst so fasziniert. "Manchmal finde ich es ziemlich entspannend, es ist einfach etwas anderes", sagt Doubleagent. Es sei eine Tätigkeit, die er geradezu automatisiert erledigen kann, während er gerade Filme und TV-Serien nachholt, die er zuletzt verpasst habe. Dennoch sei es hart. Denn nach jedem Levelaufstieg brauchte er für die folgende Stufe merklich mehr Erfahrungspunkte als für die vorherige. Es galt, sich immer wieder neu zu motivieren.