Stolze 2,5 Milliarden US-Dollar hat sich Microsoft die Übernahme des Minecraft-Entwicklers Mojang kosten lassen. Dass der Konzern so viel Geld in ein erfolgreiches, aber älteres Spiel steckt, kam überraschend. Für manche war es ein Zeichen, dass Microsoft verzweifelt versucht, mit einer bekannten Marke seine Gaming-Sparte aufzuwerten. Doch die Übernahme war möglicherweise Teil eines größeren Plans. Mit Project Spark startet Microsoft nun das nächste Projekt, das sowohl Videospieler als auch kreative Macher locken soll – und nebenbei die Programmierer von morgen.

Project Spark ist gleichzeitig eine Spieleplattform und ein Editor. Zum einen finden die Spieler eine Vielzahl unterschiedlicher Inhalte vor: 3-D-Adventures, Jump 'n' Runs, kleine Rollenspiele von den offiziellen Entwicklern. Zum anderen können sie die Kreationen anderer Nutzer spielen, bearbeiten und bewerten. Mit dem angeschlossenen Editor lassen sich nämlich Spiele von Grund auf erstellen und mit der Community teilen. Die vergangenen sechs Monate verbrachte Project Spark in der Betaphase. Die Spieler hätten in dieser Zeit rund 70.000 spielbare Level erschaffen, teilt Microsoft mit.

Ab sofort ist Project Spark für die Xbox One und für PCs mit Windows 8.1 als Free-to-Play-Titel per Download verfügbar. Wer das Spiel zum ersten Mal startet, hat die Auswahl zwischen dem Spiel- und dem Entwickler-Modus. Der startet mit einem Tutorial, das die Grundprinzipien der Spielentwicklung erklärt. Die Spielfiguren werden in der Welt platziert und mit einem "Gehirn" ausgestattet, das beispielsweise die Gesinnung (Freund oder Gegner) oder die Steuerungsoptionen (was geschieht beim Druck auf welche Tasten) enthält.

Anschließend formen Nachwuchs-Entwickler die Spielwelt, reichern sie mit verfügbaren Objekten an und definieren die Spielziele. Wollen sie ihre Figuren individueller gestalten, können sie ihnen mit der Bewegungssteuerung Kinect individuelle Bewegungen und Sounds verpassen. Für jede Lektion oder durch das erfolgreiche Beenden anderer Level erhalten die Entwickler Münzen, die sie wiederum in zusätzliche Materialien, Spielfiguren oder größere Missionen investieren können.

Die Grenze zwischen Spielern und Entwicklern verschwindet

Als Microsoft Project Spark im Sommer 2013 erstmals ankündigte, galt es für viele als eine Reaktion auf den Erfolg von Minecraft. Das revolutionierte in den Jahren seit der Veröffentlichung im Jahr 2009 die Welt der Videospiele mit seinem Fokus auf nutzergenerierten Inhalte. Die Einstiegshöhe war gering, die Möglichkeiten für Spieler und Drittentwickler dagegen riesig. Plötzlich waren Begriffe wie Sandbox oder Modding in aller Munde. Die gab es zwar schon lange davor, doch mit Minecraft verschwamm die Grenzen zwischen Spielern und Entwicklern stärker denn je. Minecraft hat verdeutlicht, dass ein Videospiel mehr sein kann als ein abgeschlossenes Erlebnis – wenn man die Spieler denn lässt.

Das haben auch große Spielestudios inzwischen erkannt. Sony spendierte 2011 seinem Spiel Little Big Planet 2 einen erfolgreichen Editor für nutzergenerierte Inhalte. Valve, das mit Counter-Strike ein früheres Mod zu einem der beliebtesten Onlinespiele aller Zeiten machte, fördert mit neuen Karten und Tools wie dem Source Film Maker die Kreativität der Spieler. Blizzard bietet für Star Craft II mit der sogenannten Arcade einen Modus für selbsterstellte Maps und Mods.

Tools für die Entwickler von morgen

Es wäre allerdings falsch zu sagen, dass Microsoft lediglich auf den Zug mit Sandbox-Games und nutzergenerierten Inhalten aufspringt. Tatsächlich ist Project Spark eine Weiterentwicklung der visuellen Programmierumgebung Kodu Game Lab, die Microsoft bereits seit 2009 anbietet. Primär für den Einsatz in Schulen für Kinder ab acht Jahren gedacht, ermöglicht Kodu das spielerische Erstellen von simplen Games.

Die Anwendungen von Project Spark sind komplexer und ermöglichen es, größere Projekte zu erstellen. Die Spieler müssen keinen Quellcode schreiben und lernen trotzdem Programmierprinzipien wie "Wenn X, dann Y" kennen. Wie bei allen Editoren benötigt Project Spark etwas Übung, doch die Ergebnisse sind bisweilen beeindruckend: Ein Hobby-Entwickler hat beispielsweise ein komplettes Quest aus dem Rollenspiel Fable nachgebaut –  es ist dem Original zum Verwechseln ähnlich.