Das Paris zur Zeit der Französischen Revolution als filmreife Kulisse, das verspricht Unity, der neuste Teil der Action-Spiel-Serie Assassin's Creed. Ähnlich historisch sind die Bewertungen der Spieler auf der Plattform Metacritic: Mit miesen 2,1 Punkten kommt das Spiel in etwa so gut an wie einst Marie Antoinette beim Proletariat. Schon am Tag nach der Veröffentlichung berichten viele Spieler sowohl von Leistungsproblemen als auch von zahlreichen Grafik- und Gameplayfehlern, im Englischen glitch genannt.

Das ist ärgerlich für alle, die 60 Euro ausgeben und ein Spiel bekommen, bei dem in der Endphase der Entwicklung offenbar die ein oder andere Qualitätskontrolle ausgelassen wurde. Aber während die Entwickler von Ubisoft nach einem ersten Patch bereits an weiteren Verbesserungen arbeiten, sollte man sich zurücklehnen und die Fehler genießen. Denn so lange sie das Spiel nicht zum Abstürzen bringen oder den Fortschritt behindern, sind die Fehler harmlos und oft ziemlich witzig.

Eine kleine Sammlung von Polygon jedenfalls zeigt eine Welt voller unsichtbarer Gokarts, mysteriöser Kaminbewohner und hilfloser Assassinen. Für das Spielemagazin Kill Screen ist das große Kunst: "Die Glitches machen Unity zu einer Groteske, die eines Goya und Picasso würdig wäre", heißt es augenzwinkernd.

Tatsächlich gehören Bugs oder Glitches zu Computerspielen wie Pizza und abgewetzte WASD-Tasten. Denn wo programmiert wird, entstehen Fehler. Die meisten lassen sich durch ausführliches Betatesten ausmerzen. Doch andere sind so versteckt, dass sie erst später von den Spielern entdeckt werden. Die "Minus-Welt" in Super Mario Bros. etwa erreicht man nur, indem man durch eine bestimmte Stelle einer Wand springt. Es handelt sich um Überreste eines Levels, das die Entwickler schlicht vergessen haben.

Lange Zeit waren Glitches vor allem für Spieler interessant, die das Spiel überlisten wollen. Speedrunner etwa, die Spiele so schnell wie möglich durchspielen und dabei jeden Fehler ausnutzen, um durch die Level zu flitzen. Andere verschaffen sich durch Glitches einen Vorteil, indem sie, zum Beispiel in World of Warcraft, dadurch zu mehr Geld im Spiel kommen oder Quests und Kämpfe einfacher abschließen können. Diese Fehler funktionieren also wie Cheats und werden von den Entwicklern in der Regel recht schnell behoben.

Für die wohl schönsten, in jedem Fall aber witzigsten Glitches sorgen allerdings die Grafik- und Physik-Engines der modernen Spiele. Die führen zwar zu mehr Realismus, aber auch für mehr unvorhergesehene Ereignisse. Da die Animationen von Figuren und vielen Objekten nicht mehr festgelegt sind, sondern auf die jeweilige Umwelt reagieren, kommt es immer wieder zu Situationen, in denen die Spielfiguren verschwinden, fliegen oder sich verdrehen.

Dass die sogenannte Glitch Art inzwischen nicht nur in der Kunst-, sondern auch in der Gaming-Szene etabliert ist, liegt vor allem an Plattformen wie YouTube und twitch. Der Erfolg der sogenannten Let's Plays hat dazu geführt, dass sich immer mehr Videospieler beim Spielen filmen und die kuriosen Szenen aufnehmen, die sie dabei erleben. Einzelne Glitches bringen es sogar zum eigenen Mem, wie etwa die Laddergoat aus Call of Juarez.

Inzwischen sammeln Tumblr-Blogs wie Son of a Glitch, Fuck Yeah Game Glitches und All That Glitches is Gold die besten Grafikfehler in Gif-Form. Portale wie Glitch Gamer oder Wikia haben es dagegen auf die klassischen Bugs abgesehen. Auf YouTube gibt es Zusammenschnitte der besten Bugs aus bekannten Spielen. Und Kanäle wie Birgirpall und A+Start bringen in ihren Serien beliebte Spiele gezielt zum "glitchen".