Computer- und Videospiele stehen immer wieder in der Kritik. Wenig diskutiert wird allerdings eine Problematik: Körperlich behinderte Menschen haben es auch im Jahr 2014 noch schwer, ihre Lieblingsspiele zu genießen. Meistens wissen sie noch nicht einmal, ob ein Spiel für sie überhaupt spielbar ist. Diese Information wird von den Herstellern nicht bereitgestellt.

Im Forum der Internetplattform AbleGamers tauschen Menschen mit Behinderung deshalb ihre Erfahrungen aus. Sie listen akribisch auf, wie viel Beweglichkeit man haben muss, um ein bestimmtes Spiel zu spielen. Für viele Spieler ist das Forum deshalb eine wichtige Anlaufstelle. Und es ist nicht die einzige: Der Großteil der Hilfe für körperlich behinderte Gamer kommt nicht von den Herstellern, sondern aus der Community.

"Es wäre gut, wenn man sich vor dem Kauf über die Steuerung detailliert informieren könnte", sagt Tobias Kozlowski, ein Gamer mit Behinderung. Er hat eine Muskeldystrophie und kann seine Arme kaum bewegen. Das macht spielen entsprechend schwierig. Die meisten Firmen boten Kozlowski keine Lösung. Also bestellte er eine 399 Dollar teure Alternative aus den USA: den QuadStick.

Fred Davison hat den QuadStick entwickelt und im Sommer dieses Jahres mit einer Kampagne bei Kickstarter finanziert. Es ist ein Controller, der ausschließlich mit dem Mund bedient wird. Für viele in ihrer Bewegung eingeschränkte Menschen ist er ein Segen. "Neben dem Spaß und der Flucht aus der Langeweile stärken Multiplayer-Spiele den sozialen Aspekt und reduzieren die Isolation, die viele Menschen mit Behinderung erleben. Als ich auf die Idee eines mundgesteuerten Controller stieß, wusste ich, dass so etwas vielen Menschen Freude bereiten kann", erklärt Davison.

Um den QuadStick zu benutzen, müssen die Nutzer allerdings etwas improvisieren. Davison sagt, dass die PlayStation 3 fremde Controller noch problemlos akzeptierte, die Konsolen der neuen Generation aber gingen anders damit um. Die Xbox One überprüft, ob ein von Microsoft lizensierter Controller angeschlossen ist. Die PlayStation 4 kontrolliert das sogar alle 30 Sekunden. Vermutlich denken weder Sony noch Microsoft daran, dass sie es für Menschen mit Behinderung schwerer machen, ihre Produkte zu nutzen. Sie fürchten vielmehr Verluste mit dem eigenen Peripherie-Geschäft, wenn jeder Gamer die Hardware von Drittanbietern verwenden kann.

Maßgeschneiderte Controller von Bastlern

Der Amerikaner Ken Worrall ist seit einem Arbeitsunfall vom Hals abwärts gelähmt. Der 48-Jährige hatte nach eigener Aussage keinen Spaß mehr am Leben und entschied direkt nachdem er im Krankenhaus aufwachte, dass er sterben will. Der Anblick seiner Familie überzeugte ihn, diesen Schritt nicht zu gehen. Ein Gefühl von Erfolg und einen eigenen Sinn zu Leben erlebte er, als er begann, Videospiele zu spielen. Worrall, der sich im Internet No Hands Ken nennt, spielt mit Jouse, einer Maus, die mit dem Mund bedienbar ist. Sie kann weniger als der QuadStick, der hauptsächlich für Konsolenspiele sinnvoll ist. Aber sie erfüllt ihren Zweck. Und sie ist teuer: Die aktuellste Jouse, die dritte ihrer Art, kostet 1.499,99 Dollar.

Auch Nathan Copeland aus Pennsylvania, der sich crossbred900 nennt und Quadriplegiker ist, wurde in der Community fündig. Seine vier Gliedmaßen sind gelähmt. Im Internet traf er auf einen hilfsbereiten Bastler mit dem Namen Bad Mouth. Für 100 Dollar fertigte dieser Copeland einen Xbox-Controller an, der mit den Fingerknöcheln bedienbar ist. Auf die Frage warum er etliche Stunden und Unmengen Material verwendet hat, um einem vollkommen Fremden einen Kontroller auf den Leib zu schneidern, hat BadMouth eine simple Antwort: "Meine eigentliche Motivation war es, zu zeigen, dass es möglich ist, einen analogen Arcade Joystick mit einem Xbox 360 Controller zu verknüpfen."

Da er selbst keine Verwendung für seine Spielerei hätte, entschied er sich, die fertige Arbeit für kleines Geld an jemanden zu verkaufen, der sie schätzen würde. Nachdem sich die beiden gefunden hatten, begann er zu bauen und schickte Copeland schließlich einen voll funktionsfähigen, maßgeschneiderten Controller zu.

In Kanada lebt Keith Knight, der einen anderen Weg gefunden hat mit Muskeldystrophie zu spielen: Er bedient die Maus mit seiner Wange, das Keyboad mit einem Stift im Mund. Das funktioniert besser, als man erwarten würde. Knight ist ein guter Spieler, der mit Wange und Mund Pentakills in League of Legends bewerkstelligt.