Sieben Wochen, neun Länder, elf Städte und vor allem: elf Videospiele. So lautet der Plan der Tour Bueno, die seit dem 5. Januar läuft. Hinter dem Projekt stecken die beiden Game-Designer Benedikt Hummel und Marius Winter, bekannt als Major Bueno. Für ihre Diplomarbeit im Studiengang Interaktive Medien an der Filmakademie Baden-Württemberg reisen sie im Kleinbus durch Europa.

In jeder Stadt treffen sie einen Entwickler oder ein Indie-Studio. Nur etwa 48 Stunden haben sie anschließend Zeit, um gemeinsam mit ihnen ein Spiel zu entwickeln. Ihre Erlebnisse dokumentieren sie auf Twitter, auf Facebook und in Kooperation mit Arte Creative als Webdokumentation. Sechs Mitstudenten kümmern sich um den Film. Gerade ist die erste Episode über den Auftakt in Zürich erschienen, in der Major Bueno gemeinsam mit der Soundkünstlerin Dragica Kahlina ein Spiel basteln.

Wie kommt man auf so eine Idee? Aus Langeweile. 2013 machten Hummel und Winter bei One Game A Month mit. Dessen Vorgabe lautet, innerhalb eines Jahres jeden Monat ein Spiel zu entwickeln. "Neben dem Studium driftet man leicht ab. Wir wollten ständig Spiele machen, sind aber nie dazu gekommen. One Game A Month war der Arschtritt, den wir brauchten", erzählt Hummel. Das letzte Spiel erschufen sie live vor Publikum auf dem Spielesalon in Kassel. "Als wir zurück in unsere Arbeitsträume kamen, war es trist und leer und langweilig. Wir wollten wieder zurück in die Menge", sagt Winter.

Einige Monate voller E-Mails, Skype-Gesprächen und Absprachen später stand der Reiseplan für die Tour Bueno. "Wir möchten möglichst unterschiedliche Entwickler besuchen", erklärt Winter. Mit einigen von ihnen, etwa dem polnischen Designer Sos Sosowski, hatten Major Bueno bereits in der Vergangenheit kooperiert. Andere kannten sie vor allem aus dem Netz: "Die Indie-Szene ist so klein und familiär, dass man sich irgendwie kennt, ohne sich jemals getroffen zu haben", sagt Hummel.

Die Suche nach der Inspiration

Tour Bueno steht in der Tradition der sogenannten Game Jams. Seit einigen Jahren erfreut sich das Format vor allem unter Indie-Entwicklern immer größerer Beliebtheit. In kürzester Zeit soll ein Spiel entwickelt werden. Idee, Grafik, Sound und Gameplay entstehen in meist nur 48 Stunden. Das kreative Chaos ist erwünscht, schließlich geht es bei Game Jams vor allem um Improvisation und den Austausch mit anderen Entwicklern – und um die Frage, wie Kreativität funktioniert.

"Wir haben inzwischen so viele Spiele gemacht, aber noch immer keinen Plan davon, wie die Ideenfindung funktioniert oder ein erfolgreiches Spiel aussieht. Mit der Tour wollen wir herausfinden, wie andere Menschen Inspiration finden", sagt Winter. Die Ideenfindung sei nicht das Schwerste, aber das Ungewisse bei der Entwicklung eines Spiels. Schließlich wisse man nie, wann die Idee kommt und ob sie bis zum Schluss hält, was sie verspricht.

Die erste Episode der Dokumentation zeigt, wie diese Ideenfindung aussehen kann. Gemeinsam mit Dragica Kahlina erkunden sie zunächst Zürich. In einem Café überlegen sie, ein Spiel über Kaffee und Musik zu machen. Doch der direkte Bezug zur Stadt fehlt. Den soll jedes Spiel der Tour enthalten; es ist eine der wenigen Regeln, die sich Major Bueno auferlegt haben. Eine neue Idee finden sie wenig später, als sie den Freitag Tower erklimmen: der Container-Turm als Basis für ein Spiel? Das Trio ist sicher: Da geht was.