Für viele Videospieler und YouTuber dürfte es sich wie ein Déjà-vu anfühlen: Nintendo möchte an den Werbeeinnahmen der Let's Player auf YouTube mitverdienen. Auf den Kanälen spielen Nutzer Videospiele und kommentieren sie zugleich möglichst witzig oder geistreich.

Es sind Pläne, die das japanische Unternehmen schon länger mit sich rumträgt. Bereits im Frühjahr 2013 sorgte es für Schlagzeilen, als es Urheberrechtswarnungen an zahlreiche Kanalbetreiber verschickte. Damals befand Nintendo, dass die gezeigten Spielszenen gegen das Urheberrecht verstoßen. Statt die Videos löschen zu lassen, wollte Nintendo eigene Werbung davor schalten. Das hätte zur Folge gehabt, dass die Kanalinhaber an diesen Videos selbst nichts mehr verdienen können. Der Aufschrei in der Szene war entsprechend groß.

Vergangenes Frühjahr deutete Nintendo erneut eine Initiative an, um an Let's Play mitzuverdienen. Und jetzt, fast zwei Jahre nach den ersten Warnungen, hat sich Nintendo zu den Details durchgerungen: Mit dem Creators Program sollen ab dem 27. Mai die Betreiber von Let's-Play-Kanälen mit Nintendo zusammenarbeiten. Ab sofort können sich Interessenten für die Beta-Phase registrieren.

Statt wie ursprünglich gedacht, möchte Nintendo mit der neuen Kampagne nicht mehr alle Werbeeinahmen eines Kanals abgreifen, sondern vergleichsweise geringe 40 Prozent wenn es sich um einzelne Videos handelt. Besteht ein kompletter Kanal ausschließlich aus Nintendo-Spielen, sind es sogar nur 30 Prozent. Das klingt fair, oder?

Partnerprogramm mit Fallstricken

Nicht wirklich, sagen die Spieler. Der Schwede Felix Kjellberg, unter dem Namen PewDiePie nicht nur der erfolgreichste Let's Player, sondern auch der YouTuber mit den meisten Abonnenten überhaupt, kritisiert das Vorgehen in seinem Blog. "Jeder verliert", schreibt Kjellberg, vor allem die Kanäle, die sich auf Nintendo-Spiele spezialisiert hätten und zu den treusten Unterstützern des Herstellers zählten.

Der YouTuber Jim Sterling fasst es wie folgt zusammen: "Es ist, als ob dir jemand erst deine Schuhe klaut und dann kommt und sagt: Hier hast du einen Schuh zurück. Wir sind schließlich großzügige Menschen." Sein Kollege Total Biscuit warnt vor diversen Fallstricken in Nintendos Richtlinien.

So beziehen sich die 70 beziehungsweise 60 Prozent, die Nintendo seinen Partnern verspricht (und die sich "unbegründet ändern können") nicht auf die kompletten Werbeeinnahmen. Knapp die Hälfte bekommen die Betreiber nämlich nie zu sehen weil sie direkt an YouTube gehen. Wer zusätzlich in einem Netzwerk organisiert ist, muss einen weiteren Teil abtreten. Erst was dann noch an Gewinn bleibt, soll mit Nintendo geteilt werden. Und wer das nicht möchte, riskiert womöglich Beschwerden und somit die Löschung der Videos. Oder Nintendo fordert gleich sämtliche Werbeeinnahmen ein.

Zudem erlaubt das Creators Program nur Videos über Spiele, die auf einer offiziellen Liste stehen. Dass auf dieser viele aktuelle Spiele für die Wii U fehlen, verärgert die Let's Player. Schließlich bekommen sie so vorgeschrieben, über was sie berichten dürfen. Es ist ein Eingriff in die redaktionelle Freiheit der YouTuber.

Sämtliche Einnahmen der gemeldeten Videos landen zunächst bei Nintendo, bevor der Gewinn überwiesen wird. Bis zu drei Werktagen soll es jeweils dauern, bis Nintendo die einzelnen Clips geprüft hat. Wer also an dem Programm teilnimmt, muss jedes seiner Videos von Nintendo absegnen lassen. Wie dieser Prozess genau aussieht, ist unbekannt.