Die neuen dunkelhäutigen Charaktere in "Rust" © Screenshot

Videospieler betätigen sich häufig auch als Schönheitschirurgen. Die Auswahl ihres Charakters, das Aussehen von der Taille bis zur Ohrenspitze, die Kleidung, Herkunft und Hautfarbe beschäftigen die Spieler, noch bevor das eigentliche Spiel beginnt. Manche wählen einen Charakter, der ihnen am ehesten entspricht, andere spielen lieber ein anderes Geschlecht oder gleich eine stilisierte Fantasiefigur. In jedem Fall können und sollen sie sich mit ihr identifizieren, bevor sie sich in die (Rollen-)Spielwelt stürzen.

Das erfolgreiche Online-Survival-Spiel Rust, das es bis jetzt nur als Alpha-Version auf Steam gibt, hält nichts von selbständiger Auswahl. Waren die Spielfiguren in der Vergangenheit alles ähnlich aussehende Männer, gibt es seit dem letzten Update verschiedene Hautfarben. Das Besondere ist, dass die Spieler ihre Figur automatisch zu Beginn des Spiels erstellt bekommen. Da sie sich aus der jeweiligen Nutzer-ID auf Steam ableitet, können die Spieler sie anschließend nicht mehr ändern.

"Wie im echten Leben bist du wer du bist", heißt es in der Ankündigung des Updates. Anders gesagt: Du bist eben nicht dein Wunsch-Charakter, sondern kommst zufällig in die Welt. Das passt zum Spielprinzip, denn in Rust wachen die Spieler wie im verwandten DayZ zu Beginn halbnackt und ohne weitere Vorgeschichte auf. Anschließend müssen sie mit knappen Ressourcen ums Überleben kämpfen. Spieler auf dem gleichen Server können sich zusammenschließen – oder sich gegenseitig ausrauben und töten. Im Vergleich zu traditionellen Rollenspielen spielt der Zufall eine große Rolle in Rust.

"Wie kann ich meine Hautfarbe ändern?"

"Wir haben einen Weg gesucht, damit sich Spieler jenseits ihrer Namen identifizieren können, eine Art Fingerabdruck", sagt Entwickler Garry Newman im Gespräch mit dem Spieleportal Kotaku. Noch sei die Auswahl an Hautfarben und Aussehen begrenzt. Nach und nach aber soll der Genpool von Rust erweitert werden, sagt Newman, der sich mit dem Sandbox-Klassiker Garry's Mod einen Namen machte. Eines Tages soll jeder Spieler so individuell aussehen, dass ihn andere Spieler in der Welt von Rust sofort wiedererkennen.

Newman weiß, dass man die Idee, Spielfiguren mit verschiedenen Hautfarben automatisch zu verteilen, durchaus kritisch sehen kann. Wenn Rust Spielern, die zuvor mit einem hellhäutigen Charakter durch die Welt spazierten plötzlich eine dunkelhäutige Spielfigur zulost, ist das dann nicht letztlich ein aufgezwungenes, virtuelles Blackfacing? Oder gerade nicht, weil die Auswahl zufällig geschieht, natürlich auch andersrum auftritt und die Hautfarbe ohnehin keine Auswirkungen auf das Spielgeschehen hat?

Die Reaktionen der Spieler auf Steam sind jedenfalls gespalten. Während sich viele keine Gedanken darum machen, wie ihre Spielfigur aussieht, und es einige sogar begrüßen, sind andere verwirrt. "Wie kann ich meine Hautfarbe ändern?", fragt ein Nutzer noch vergleichsweise harmlos. Andere äußern sich beleidigend: "Ich werde gezwungen, einen Fahrraddieb zu spielen", schreibt ein Spieler, noch eindeutigere Beschimpfungen folgen.

Noch deutlicher sind die Reaktionen im Spiel selbst, wenn Spieler im Überlebenskampf auf dunkelhäutige Konkurrenten treffen. "Ich wünschte wir hätten eine Möglichkeit, die Häufigkeit des N-Wortes vor und nach dem Update zu messen", sagt Newman. Seiner Empfindung nach sei das Wort in den Wochen seit dem Update ziemlich häufig gefallen. Dennoch habe man sich dagegen entschieden, das Wort im Chat zu zensieren.