Die Produktion eines modernen Videospiels ist eine komplexe Angelegenheit. Nicht selten dauert es drei oder mehr Jahre, bis ein Triple-A-Titel fertiggestellt ist und in den Handel kommt. Sonys The Last Guardian befindet sich bereits seit 2005 in der Entwicklung. 2009 wurde es im Rahmen der damaligen E3-Messe der Weltöffentlichkeit präsentiert, viele Spieler handelten es bereits als geistiges Erbe der Ausnahmewerke Ico und Shadow of the Colossus.

Doch dann verschwand The Last Guardian von der Bildfläche. Immer wieder kursierten Gerüchte über den Entwicklungsstand des Abenteuergames, sogar eine Einstellung des Projekts stand zur Debatte. The Last Guardian avancierte zum Nessie der Videospielbranche: Es wurde viel darüber berichtet, doch gesehen hat es niemand.

Zumindest bis zur diesjährigen E3-Pressekonferenz von Sony: Unter tosendem Applaus kündigte Shawn Layden, Präsident von Sony Computer Entertainment America, ein Spiel mit einer "poetischen Geschichte von Abenteuer und Freundschaft an", ehe ein Junge und sein Drachenwesen über die Bildschirme liefen. The Last Guardian lebt und soll 2016 für die Playstation 4 erscheinen. Obwohl man dem Spiel seine lange Produktionszeit ansieht, könnte es für den japanischen Spieledesigner Fumito Ueda, der auch schon bei Ico und Shadow of the Colossus federführend war, sein bislang wichtigstes Werk sein.

Für die Spieler

The Last Guardian gab den Takt der Sony-Show vor: Spiele für jeden Geschmack – und gerne mit Mut zu Neuem oder zumindest zu neuen Perspektiven. Verließ sich Microsoft bei seiner Pressekonferenz vor allem auf bekannte Marken wie Gears of War oder Halo, wartete Sony gleich mit mehreren von den Konsumenten geforderten Überraschungen auf. Square Enix verkündete das Remake seines Rollenspielklassikers Final Fantasy VII von 1997 und untermauerte die Neuankündigung mit einem grafisch beeindruckenden Trailer. Final Fantasy VII erscheint zuerst auf der Playstation 4, dürfte aber später auch für andere Systeme kommen.

Nach einem kurzen Auftritt des US-Studios Devolver Digital, das Indiespiele wie Ronin vorstellte, schlug man den Bogen hin zur Enthüllung von Shenmue 3. Shenmue gilt als Wegbereiter für Open-World-Spiele wie GTA V und setzte um die Jahrtausendwende mit zwei Spielen auf Segas Dreamcast-Konsole Maßstäbe. Ein dritter Teil der Serie war von den Fans lange gewünscht worden, Chefentwickler Yu Suzuki hatte ihn jedoch nie in die Tat umgesetzt. Suzuki nutzte die Pressekonferenz als Werbeplattform für die Kickstarter-Kampagne von Shenmue 3. Mit Erfolg: Bereits wenige Stunden nach der Ankündigung erreichte das Projekt die Zielsumme von zwei Millionen US-Dollar. Shenmue 3 soll 2016 für PC und Playstation 4 erscheinen.

Das holländische Studio Guerilla Games  (Killzone) präsentierte Horizon: Zero Dawn, ein futuristisch anmutendes Actionspiel, in dem Science-Fiction auf ein archaisches Szenario trifft. Media Molecule, die Macher von Little Big Planet und Tearaway, bewiesen hingegen mit dem surrealen Dreams ihre Vorliebe für ungewöhnliche Spielkonzepte. Im Trailer sah man, wie Spieler mithilfe des PS4-Gamepads eigene Traumlandschaften zeichneten und diese zum Leben erweckten. Alex Evans, Co-Gründer des Entwicklerstudios, blieb in seinen Ankündigungen noch sehr vage, versprach aber, dass man Dreams "verstehen würde, wenn man sich damit beschäftige". Weitere Details zu dem vielversprechenden Titelsollen Ende Oktober auf der Paris Games Week folgen.

Games - Neue Spiele auf der E3 Auf der Electronic Entertainment Expo in Los Angeles präsentieren noch bis Donnerstag Spieleentwickler ihre kommenden Neuerscheinungen. Trotz großer Erwartungen gab es zu Sonys VR-Brille Project Morpheus bisher kaum Neues.