Einige Mitglieder des Berliner Saftladens © Christian Huberts

Der Saftladen ist nicht alleine. Das Künstler- und Entwicklerkollektiv Kokoromi aus Kanada existiert bereits seit 2005. In den USA haben sich 2011 die Juegos Rancheros in Austin zusammengetan und 2012 das Indie Game Collective aus Boston. Zum Synonym für Entwicklerkooperationen ist jedoch das Copenhagen Game Collective geworden, das 2008 in Dänemark gegründet wurde und seit 2012 als gemeinnützige Organisation anerkannt ist. Kaum ein Szene-Event kommt noch ohne eines ihrer körperbetonten Multiplayer-Spiele wie Johan Sebastian Joust aus. Daneben organisieren die Mitglieder des Kollektivs regelmäßig selbst Veranstaltungen für Kollegen und Öffentlichkeit, halten weltweit Vorträge über ihre Arbeit und veröffentlichen theoretische Texte zu ihren Spielen.

Das Copenhagen Game Collective hat sich auf diese Weise trotz seiner vielen verschiedenen Mitglieder als wiedererkennbare Marke etabliert, die für experimentelle, kreative und vor allem sehr unterhaltsame Spieleentwicklung steht. "Gerade dieses gelungene Marketing ist ein Vorbild für uns", so Riad Djemili. Wo vielen kleinen Entwicklern die Kapazität für die erfolgreiche Selbstvermarktung fehlt, kann ein gemeinsam erarbeitetes Label für die nötige Sichtbarkeit sorgen. Zwar will der Saftladen eigene Wege beschreiten, den Namen ihres Kollektivs zum Synonym für Spielspaß und Experimentierfreude aus der Region Berlin zu machen, ist aber ein wichtiges Ziel.

Inkubator für neue Ideen

Und noch ein Anliegen teilt der Saftladen mit vielen Indie-Kollektiven. "Wir haben alle Bock darauf, nicht nur einfach starr auf das eigene Computerspiel zu blicken, sondern auch das gesamte Medium weiterzubringen", sagt Djemili. Die Arbeit im Kollektiv ist ein idealer Inkubator für neue Ideen. Das Risiko ist auf viele Schultern verteilt und das kritische Feedback nur einen Schreibtisch weit entfernt. Wo in großen Teilen der Gaming-Branche gerne auf Bewährtes gesetzt wird, ist der Indie-Bereich längst zum experimentellen Hoffnungsträger geworden.

Auch Maschinen-Mensch wollen beweisen, dass Bewegung im Medium möglich ist. The Curious Expedition thematisiert beispielsweise nicht nur den sensiblen Bereich der europäischen Kolonialgeschichte, sondern hat sein Repertoire an Charakteren öffentlichkeitswirksam um eine Reihe berühmter Frauenfiguren aus der Geschichte erweitert. Und Studio Fizbin haben mit Beyond The Mountains bereits ein neues Spielprojekt in Planung, dass sich an Literatur von H.P. Lovecraft orientieren wird. Um interessierten Nachwuchs muss sich der Saftladen ebenfalls keine Sorgen machen. Für Sebastian Mittag sind größere Räume mittelfristig kaum zu vermeiden: "Wir platzen aus allen Nähten!" Die Zeit scheint reif zu sein für Saftläden.