Manche Namen stehen stellvertretend für Computerspiele. Sid Meier, der Schöpfer der Civilization-Reihe, ist etwa ein Synonym für komplexe Strategiespiele vor historischem Hintergrund. Hideo Kojima ist spätestens seit Metal Gear Solid gleichbedeutend mit Schleichen als Spielmechanik sowie ausuferndem Hollywood-Bombast. Und ein Peter Molyneux liefert nicht nur in seinen Götter-Simulationen zuverlässig Größenwahn oder die ewige Frage nach Gut und Böse.

Diese Spieleentwickler haben eine eigene Handschrift entwickelt. Doch obwohl ihre Spiele so stark von ihnen geprägt sind, lassen diese kaum Rückschlüsse auf die Persönlichkeit ihrer Macher zu. Es gehört zu den ungeschriebenen Regeln guten Game-Designs, dass sich die Designer nicht in den Vordergrund schieben.

Der Texaner Davey Wreden bricht mit dieser Regel. Sein jüngstes Projekt, das PC-Spiel The Beginner’s Guide (8,99 Euro auf Steam) ist eines der ungewöhnlichsten und gleichzeitig interessantesten Titel des Jahres – ein spielerischer Essay, der gekonnt die Grenzen zwischen Spielfigur, Entwickler und Spielenden in Frage stellt.

Bereits Wredens erstes Werk The Stanley Parable überzeugte im Jahr 2013 mit einem humorvollem Gleichnis auf Games als Kontrollsystem. Immer wieder konfrontierte das Spiel seine Spieler mit der Sinnlosigkeit ihrer Entscheidungen, der Eingeschränktheit ihrer Handlungsmöglichkeiten sowie der Allmacht des Entwicklers. Die Erzählstimme des Spiels war gewissermaßen ein übermächtiger Gott, der keine Flucht aus dem geregelten Spielverlauf duldete.

Interessant ist, was nicht reibungslos funktioniert

In The Beginner’s Guide richtet Wreden den Blick nun zurück auf diesen göttlichen Schöpfer, in Gestalt der ebenso anonymen wie fiktiven Figur Coda. Er habe sie (oder ihn; das Geschlecht bleibt unklar) vor einigen Jahren kennengelernt, erzählt Wreden zu Beginn des Spiels aus dem Off. Nun möchte er den Spielenden das unveröffentlichte Werk von Coda eröffnen. Als Kurator und Museumsführer zugleich, begleitet er die Spieler in den nächsten knapp eineinhalb Stunden durch eine Reihe kurzer, experimenteller Spielereien, die zwischen den Jahren 2008 und 2011 entstanden sein sollen.

Codas Werk beginnt simpel; das erste Spiel entpuppt sich als kaum veränderte Bearbeitung eines Levels aus Counter-Strike. In typischer Ego-Shooter-Manier lässt sich die 3D-Architektur frei durchlaufen. Nur hier und dort versperren nun Graswände den Durchgang, schweben Holzkisten unmöglich in der Luft. Ihm gefalle, offenbart Wreden ungefragt den Spielern, wie sich Codas Kreativität in eben diesen vielen kleinen Fehlern und Schrulligkeiten zeigt.

Es sind vor allem Fehler, Glitches und enervierende Spielmechaniken, mit denen The Beginner’s Guide seine Figur Coda charakterisiert. Wenn Sid Meier, Hideo Kojima oder Peter Molyneux oft nur als bloße Markennamen erscheinen, hängt das auch damit zusammen, dass sich ihre Spiele kaum eine ergonomische Blöße geben. Dabei zeigt sich der Schöpfer am deutlichsten dort, wo seine Schöpfung nicht mehr reibungslos funktioniert.

Codas Experimente sind dagegen geprägt durch Mechaniken, von denen jede Einführung in Game-Design abraten würde. Irritation statt Immersion scheint die Devise zu sein. Eines der Spiele kann etwa nur rückwärts durchschritten werden, bei einem anderen verlangsamen sich die Bewegungen der Spielenden fast bis zum Stillstand. Manche Spiele wären gar nicht zu beenden – würde nicht Wreden aus dem Off regelmäßig Abhilfe schaffen.