Seit Donnerstag läuft die Gruppenphase des "Dota-2"-Turniers in Shanghai. Es ist eines von drei neuen sogenannten Major-Turnieren, die der Entwickler Valve vergangenes Jahr ins Leben rief. Das Preisgeld von drei Millionen US-Dollar liegt zwar deutlich unter dem des wichtigsten Turniers The International, aber immer noch weit über dem anderer Turniere. Der deutsche Profispieler Kuro "KuroKy" Salehi Takhasomi ist als Kapitän von Team Liquid in Shanghai dabei. Wir sprachen kurz vor seinem Abflug mit ihm. 

ZEIT ONLINE: Herr Takhasomi, Sie und Team Liquid sind beim Major-Turnier in Shanghai dabei. Zuvor war das Jahr in der professionellen Dota-Szene fast ausschließlich auf The International zugeschnitten. War der Ausbau überfällig?

KuroKy: Wir Spieler begrüßen das. Es macht die Szene stabiler und größere Turniere sind immer willkommen. Ein Major ist noch mal etwas anderes als ein, ich sag mal, normales Turnier. The International findet eben nur einmal im Jahr statt und es kann immer sein, dass ein Team eine schlechte Phase erwischt hat. Dann kommt es eben "nur" in die Top 8 oder Top 12. The International und auch die Majors sind ohnehin sehr top-heavy: Zwischen dem ersten und dem zweiten Platz besteht ein großer Unterschied in Sachen Preisgeld, aber jetzt hat man zumindest mehrmals im Jahr eine Chance zu gewinnen.

ZEIT ONLINE: Was ist Ihr Ziel für Shanghai, wie schätzen Sie die Chancen ein?

KuroKy: Ich bin zuversichtlich. Wir gehören noch nicht zur absoluten Elite, aber wir trainieren hart und haben uns in den letzten Monaten stark verbessert. Es gibt vielleicht drei Teams, die immer zu den Favoriten zählen, aber wir können sie an guten Tagen schlagen. Beim letzten International kam das chinesische Team CDEC quasi aus dem Nichts und wurde am Ende Zweiter. Prinzipiell ist also auch für uns alles möglich und ich denke, wir haben diesmal bessere Chancen als noch beim letzten Major-Turnier im November in Frankfurt.

ZEIT ONLINE: Ihr aktuelles Team hat sich erst im Oktober zusammengefunden. Wieso wechseln Spieler so häufig?

KuroKy: Es ist schwierig, ein Team zusammenzuhalten. Man spielt Turniere, entweder gewinnt oder verliert man und das war es dann. Die E-Sports-Szene ist noch nicht so strukturiert wie traditionelle Sportarten. Das Major-System hilft ein bisschen, zumal Valve auch einen Roster-Lock eingeführt hat. Jetzt dürfen Spieler nur noch zu bestimmten Zeiten das Team wechseln. Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist, aber es ist der Anfang eines Systems, das Spieler, Teams und Organisationen stärker integriert.

ZEIT ONLINE: Wie lange dauert es, um sich als neues Team einzuspielen?

KuroKy: Nach zwei Monaten ist man relativ eingespielt. Ein guter Spieler muss sich seinen Teammates anpassen können. Wer das kann, findet sich auch recht schnell in neuen Teams zurecht. Klar kann es helfen, wenn Spieler über Jahre hinweg zusammenspielen. 

ZEIT ONLINE: Mit jedem größeren Dota-Patch verändert sich das Spiel: Einzelne Helden werden gestärkt, andere geschwächt, es gibt neue Gegenstände und insgesamt verändern sich Strategien, das sogenannte Meta-Game. Motiviert Sie das als Spieler?

KuroKy: Es hält das Game einigermaßen frisch und ist spaßig. Mir persönlich ist es egal, ich bin so ehrgeizig, dass ich einfach das Bestmögliche aus mir herausholen möchte. Ich sage deshalb auch nicht, dass ein Patch nun besser oder schlechter ist, das würde mir als Profi schaden. Aber natürlich kommt jeder Patch und jedes Meta dem Spielstil einzelner Teams mehr entgegen als dem von anderen. 

ZEIT ONLINE: Alliance is back.

KuroKy: Genau, Alliance [nach Dota-Maßstäben ein Traditionsteam aus Schweden – Anm.] ist ein Beispiel für ein Team, das gerade sehr stark ist, weil viele ihrer besten Heroes sehr stark sind und sie ihr Meta-Game zurückbekommen haben. Das bevorzugt sie ein bisschen, aber sie sind eben auch clever und nutzten den Patch gut aus. Jedes Team hat die Verantwortung, das genauso gut oder sogar besser zu machen. Man sollte deshalb auch nicht dem Spiel oder den Entwicklern die Schuld zuweisen, wenn es bei einem selbst nicht läuft.

M wie Moba

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...vom Mod zum Mainstream

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Games-Glossar

Moba, das

steht als Abkürzung für "Multiplayer Online Battle Arena", ein Genre aus dem Bereich der Echtzeit-Strategiespiele, bei dem sich zwei gegnerische Teams aus mehreren Spielern auf einer Map (der "Arena") gegenüberstehen.

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Alle Mobas teilen sich zentrale Spielmechaniken. So unterschiedlich die einzelnen Spiele im Detail sein mögen, die Grundprinzipien sind stets ähnlich und unterscheiden sich von klassischen Echtzeit-Strategiespielen.

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Entwickler: Riot Games. Erschienen: 2009. Aktive Spieler: circa 70 Millionen pro Monat

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ZEIT ONLINE: Als Team-Kapitän stehen Sie besonders in der Verantwortung. Was sind Ihre Aufgaben?

KuroKy: Jeder Captain interpretiert diese Rolle vermutlich anders. Ich bin nun schon ein paar Jahre dabei und habe mit vielen Spielern zusammengespielt. Neben meinen spielerischen Pflichten kümmere ich um analytische Dinge und um meine Mitspieler. Ich versuche, ihnen soweit es geht, Last abzunehmen, damit sie sich auf das Spielen konzentrieren können. Es ist wichtig, Synergien aufzubauen.

ZEIT ONLINE: Auf spielerischer oder persönlicher Ebene?

KuroKy: Beides. Klar, es kann spielerisch funktionieren, wenn zwei oder drei gute Spieler zusammenfinden, aber auf Dauer kann es zwischenmenschlich anstrengend werden. Wenn es aber passt, hat man den Idealfall und dann versucht man auch, dieses Team möglichst lange zusammenzuhalten.

"Ich bin mal für ein Turnier in Moskau gelandet und hatte kein Hotel"

ZEIT ONLINE: In der vergangenen Woche gab es Diskussionen um Ihren früheren Arbeitgeber Team Secret. Es geht darum, dass Spieler und Verantwortliche nicht bezahlt wurden. Sind Sie davon betroffen?

KuroKy: Ja, bin ich. Meine Exmitspieler und ich haben uns in den letzten Tagen auch noch einmal zusammenschlossen. Jeder will natürlich sein Geld haben. Was ich sagen kann: Die Verantwortlichen von Team Secret sind nicht shady und keine Betrüger, sondern es handelt sich in erster Linie um ein bürokratisches Desaster. Aber das ist peinlich genug und lässt sowohl Team Secret als auch die E-Sports-Szene in keinem guten Licht erscheinen.

ZEIT ONLINE: Ist der Fall ein Beispiel dafür, wie viel E-Sports noch zu lernen haben?

KuroKy: Auf bürokratischer Ebene sicherlich. Da stecken E-Sports noch in den Kinderschuhen. Man kann sich das so vorstellen: Die Leute, die diese Jobs einnehmen sind in vielen Fällen Freelancer oder Leute ohne Arbeitserfahrung, die durch Connections und Freundesfreunde dabei sind. Die bemühen sich, aber häufig ist nicht die Professionalität vorhanden, die man sich wünscht.

ZEIT ONLINE: Wieso äußern sich die Spieler nicht viel aktiver?

KuroKy: Das ist so eine Sache. Die Spieler wollen in erster Linie spielen. Sie setzen sich nicht zusammen, um Sachen zu fordern oder sich um das Organisatorische zu kümmern. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich das ändert, wenn die erste Generation von Spielern ihre aktive Laufbahn beendet und dann ins Management wechselt. Ich zum Beispiel denke mir: Die nächste Generation soll nicht das durchleben, was ich erlebt habe.

ZEIT ONLINE: Was denn zum Beispiel?

KuroKy: Ich bin mal für ein Turnier in Moskau gelandet und hatte kein Hotel. Ein Bekannter vor Ort hat mir dann einen Schlafplatz angeboten. Immerhin, aber ich musste dann jeden Tag zwei Stunden Zug fahren, um zum Turnierort zu gelangen. Zumindest in dieser Hinsicht läuft mittlerweile vieles besser, die Organisation von Turnieren ist professioneller geworden.

ZEIT ONLINE: Sie hatten schon einmal öffentlich geäußert, dass in der E-Sports-Szene junge Menschen schnell mal ausgenutzt werden. Wie haben Sie das gemeint?

KuroKy: Es ist schwierig, für einen jungen E-Sportler seinen Marktwert einzuschätzen. Er möchte vor allem spielen, aber er hat keine Ahnung, wer ihm wie viel dafür bezahlen sollte. Das ging mir genauso, als ich angefangen habe. Es gibt in der Szene keine richtigen Agenten, weshalb es unter Umständen leicht für alle möglichen Organisationen ist, jemanden auszubeuten.