Langsam pirscht sich Takkar vom Stamm der Wenja an seinen Gegner heran. Sein Ziel ist ein Krieger der konkurrierenden Udam, einem gnadenlosen Kannibalen-Clan. Er hat sein Opfer fast erreicht, da ertönt hinter ihm das Kreischen eines Mammuts. Das schreckt den Udam auf, er dreht sich um und entdeckt Takkar. Nun muss alles ganz schnell gehen: Takkar rammt seinen Speer in den Leib des Gegenübers, Blut spritzt, der Feind geht zu Boden. Der Wenja schnappt sich die Beute des Getöteten und tritt die Flucht an, denn das Mammut hat bereits seine Verfolgung aufgenommen.

Diese Szene stammt nicht aus Roland Emmerichs viel gescholtenem Abenteuerfilm 10.000 B.C. , sie steht exemplarisch für die martialische Action in Far Cry Primal, das ab sofort für PS4 und Xbox One erscheint und am 1. März für den PC veröffentlicht wird. Zuletzt konfrontierte Entwickler Ubisoft den Spieler in seiner Shooterserie Far Cry mit Bürgerkriegsszenarien. Im fünften Teil jedoch ist man in der Mittelsteinzeit unterwegs, mit Speer, Steinschleuder und Bogen.

In der Rolle des Kriegers Takkargilt es, sich gemeinsam mit seinen Stammeskollegen in einem Tal namens Oros gegen zwei verfeindete Stämme zu behaupten – oder mit ihnen zu kooperieren. Zum einen gibt es die schon erwähnten Menschenfresser der Udam, zum anderen die Izila, die bereits Bewässerung und Landwirtschaft kennen und andere Menschen als Sklaven halten.

Die Handlung dreht sich vor allem um die Kämpfe zwischen den Clans und den Aufbau des Wenja-Dorfes, hat aber auch einige mystische Komponenten und ist in zahlreiche aufwendige Zwischensequenzen eingebettet. Far Cry Primal beschäftigt Spieler 35 Stunden und mehr – je nachdem, ob man nur die Hauptmissionen absolviert oder sich einer der zahlreichen Nebentätigkeiten widmet.

Steinzeitabenteuer mit bekannter "Far Cry"-Formel

Schon nach der ersten Ankündigung zu Far Cry Primal stellten sich viele die Frage: Sind den Entwicklern die Ideen ausgegangen? Haben sie sich deshalb für die Steinzeit als Schauplatz entschieden? Schließlich feiern Spiele mit prähistorischem Hintergrund derzeit große Erfolge, allen voran die Dino-Überlebenssimulation Ark: Survival Evolved. Und auch das kommende PS4-Exklusivspiel Horizon: Zero Dawn setzt auf einen von der Steinzeit inspirierten Schauplatz, in dem allerdings Roboter-Saurier eine wichtige Rolle spielen werden.

"Nein, diese Epoche hat sich schon vor der Fertigstellung von Far Cry 4 herauskristallisiert", sagt Story-Designer Kevin Shortt von Ubisoft Montreal im Gespräch mit ZEIT ONLINE. "Die Far-Cry-Reihe drehte sich schon immer um ungezähmte, gesetzlose Szenarien. Die Steinzeit passt einfach perfekt in dieses Schema."