PC-Spieler erinnern sich vielleicht noch vage an Games for Windows Live. 2007 war es der erste Versuch von Microsoft, PC-Gamer mit der Konsolenplattform Xbox Live zu versöhnen. Mit gemeinsamen Funktionen wie Achievements, dem Gamerscore, einem neuen Marktplatz und einigen Spielen, in denen PC-Spieler sogar gegen Kontrahenten auf der Xbox antreten konnten, sollten beide Plattformen zusammenwachsen. Besonders erfolgreich war Games for Windows Live nicht. Es gab zu wenige Spiele, zu viele Bugs und viele PC-Spieler ignorierten den Dienst schlicht.

Phil Spencer, der verantwortliche Microsoft-Manager für die Xbox, wird in diesen Tagen öfters an Games for Windows Live erinnert. Unter seiner Leitung versucht das Unternehmen jetzt nämlich erneut, die Lücken zwischen PC und Konsolen zu schließen – und will es dabei besser machen als beim ersten Mal. Auf dem Xbox Spring Showcase in San Francisco präsentierte Spencer nun einige interessante Pläne.

Gemeinsame Codebasis für Xbox und PC

Die neue Schnittstelle zwischen PC und Xbox ist Windows 10. Im Herbst bekam die Xbox One ein großes Systemupdate auf Basis des neuen Betriebssystems. Das ermöglicht Entwicklern, Inhalte für die gemeinsame Universal Windows Plattform (UWP) zu programmieren. Windows 10 ermöglicht, vereinfacht gesagt, Apps, Programme oder Spiele mit der gleichen Codebasis für verschiedene Windows-Endgeräte zu entwickeln und über einen zentralen Marktplatz anzubieten. "Wir wollen ein komplettes Gaming-Ökosystem auf Basis universeller Windows-Apps schaffen", sagte Spencer in San Francisco.

Ein neues Spiel brachte er gleich mit. Mit Forza Motorsports 6: Apex soll erstmals ein Teil der bislang Xbox-exklusiven Rennspielserie auf dem PC erscheinen, und zwar als abgespeckte Free-to-Play-Version. Es soll vor allem die Technik demonstrieren, berichtet der Guardian. Microsoft möchte die Forza-Reihe zwar künftig komplett auf den PC bringen, Apex aber soll in erster Linie eine Demonstration für UWP sein.

Weitere UWP-Titel sind geplant oder bereits erschienen. Mit der PC-Version von Rise of the Tomb Raider hat Microsoft kürzlich das erste richtige AAA-Game im hauseigenen Windows Store veröffentlicht. Zuvor war es exklusiv für die Xbox erhältlich. Allerdings bemängelten Spieler, dass die UWP-Version aus dem Windows-Store im Vergleich zur "traditionellen" Version auf Steam einige technische Einschränkungen enthielt.

Seit dieser Woche ist Gears of War: Ultimate Edition auf dem PC verfügbar und Anfang April erscheint der Deckungsshooter Quantum Break gleichzeitig auf der Xbox One und im Windows Store, obwohl er zunächst ausschließlich für die Konsole angekündigt war. Vorbesteller erhalten zudem die sogenannte Cross-Buy-Option: Wer es für die Konsole kauft, bekommt die PC-Version gratis dazu.

Plattformübergreifendes Spielen und Kompatibilität

Für Entwickler dürfte es mit der UWP noch einmal einfacher werden, Spiele sowohl für die Xbox als auch den PC zu programmieren. Zwar enthalten sowohl die Xbox One als auch die PlayStation 4 bereits Hardware, wie sie in PCs vorkommt, trotzdem gibt es regelmäßig Probleme mit schlechten Portierungen von einem System auf das andere. Eindeutige Spezifikationen könnten die Situation verbessern. Allerdings weisen Entwickler darauf hin, dass dies auch mit Einschränkungen verbunden sei, wenn Microsoft künftig mehr Vorgaben macht, was den Entwicklern erlaubt ist und was nicht.

Sollte Microsoft Cross-Buy tatsächlich standardmäßig einführen, profitieren zudem die Spieler. Sie können künftig entscheiden, auf welchem System sie ihre Games spielen; Speicherstände und Achievements werden jeweils übertragen und möglicherweise wird es künftig mehr Multiplayer-Spiele geben, in denen Xbox- und PC-Spieler gegeneinander antreten. Allerdings ist zu erwarten, dass Microsoft diese Spiele dann exklusiv über seinen eigenen Store anbieten wird. Neben Steam, Origin oder Uplay wäre der Window Store dann ein weiteres, geschlossenes Ökosystem, mit dem sich Gamer arrangieren müssen. Das Upgrade auf Windows 10 wäre zudem Pflicht.