Laut einer Studie ist jeder zwölfte männliche Heranwachsende in Deutschland computerspielsüchtig: In der Gruppe der jungen Männer zwischen 12 und 25 Jahren waren acht Prozent betroffen, heißt es in einer Untersuchung im Auftrag der Krankenkasse DAK unter Beteiligung des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Von den jungen Frauen wurden nur drei Prozent als computerspielsüchtig eingestuft. Das Institut Forsa befragte dazu 1.531 repräsentativ ausgewählte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren.

Sechs Prozent der männlichen Befragten hätten wegen ihres Spielverhaltens "ernsthafte Probleme mit Familie und Freunden", teilte die DAK mit. 19 Prozent hätten Streit, 13 Prozent könnten ihr Spielpensum trotz Anratens anderer nicht senken.

Der Alltag wird bei wesentlich mehr Jungen beeinträchtigt: 69 Prozent der männlichen 15- bis 17-Jährigen berichten davon, dass sie Freunde oder Verwandte vernachlässigten, die ihnen früher wichtig waren. 34 Prozent verpassen wegen des Spielens gemeinsame Mahlzeiten. 89 Prozent der 12- bis 14-jährigen Jungen berichten, dass sie wegen des Themas mit ihren Eltern streiten.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), nennt die zahlen "beunruhigend". Computerspiele seien zwar längst Bestandteil der Alltagskultur und nicht jeder Spieler habe Probleme. Die Untersuchung zeige aber, dass insbesondere bei den 12- bis 17-jährigen Jungen das Risiko eines Kontrollverlusts bestehe. Der Suchtexperte Rainer Thomasius vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf forderte, Suchtkriterien bei der Altersfreigabe von Spielen zu berücksichtigen.

Grundlage der Untersuchung mit dem Titel "Game over: Wie abhängig machen Computerspiele?" war eine von Wissenschaftlern in den USA entwickelte Systematik namens Internet Gaming Disorder Scale. Den Probanden werden neun Fragen gestellt, zum Beispiel: "Haben Sie im vergangenen Jahr Spiele gespielt, um nicht an unangenehme Dinge denken zu müssen?" oder "Haben Sie die Zeit, die Sie Spielen gewidmet haben, vor anderen geheim gehalten?". Wenn mindestens fünf dieser neun Fragen bejaht werden, gilt der Befragte nach dieser Methode als spielsüchtig.