Bielefeld gegen Karlsruhe, im Fußball ist dieses Duell schon länger kein sportlicher Leckerbissen mehr. Die beiden Traditionsclubs stecken derzeit tief im Tabellenkeller der zweiten Liga. Ganz anders im E-Sport; hier sind die Teams aus Karlsruhe und Bielefeld erstklassig – sie spielen ganz oben mit in der Liga von University Esports Germany (UEG), der ersten deutschen Universitätsliga für das Onlinespiel League of Legends.

Neben den traditionellen Sportarten entdecken immer mehr Hochschulen Videospiele für sich. Sei es als Freizeitangebot, als Stipendium für begabte Gamer, als eigenes Studienfach oder als die nächste Sportart, in der man es der Konkurrenz zeigen kann. Der E-Sport findet seine Nische zwischen Hörsaal und Bibliothek und könnte damit seine gesellschaftliche Anerkennung vorantreiben.

In den USA haben am Montag die ersten beiden Teams der Big Ten Conference im Onlinespiel League of Legends (LoL) gegeneinander gespielt. Die Big Ten ist eine der ältesten Universitätssportligen der USA. Insgesamt 14 Hochschulen messen sich das Jahr über in Sportarten wie Baseball, Football, Golf oder Turnen. Zwölf von ihnen stellen nun ein eigenes LoL-Team, bestehend aus jeweils fünf Spielern. In dem taktisch komplexen Spiel versuchen sie, mit zuvor ausgewählten Spielfiguren die gegnerische Basis zu zerstören.

"Leidenschaftliche Community"

Ausgestrahlt und kommentiert werden die Spiele sowohl online als auch im Kabelfernsehen. Das Big Ten Network kann von 60 Millionen Haushalten empfangen werden und zeigt wöchentlich eine ausgewählte Partie. Nach dem Finale im März qualifizieren sich die Gewinner für die College Championship, die der League-of-Legends-Entwickler Riot Games veranstaltet. Auch wenn es in den USA unter anderem mit der Campus Series und der Collegiate Starleague schon landesweite Ligen für verschiedene E-Sport-Titel gibt, ist die Kooperation mit den Big Ten die erste Partnerschaft, die Riot mit einer bestehenden, traditionellen Universitätsliga eingeht. Andere, etwa die Pac-12 aus dem Westen der USA, haben ebenfalls bereits Interesse geäußert.

"Die Big Ten Unis sind nicht nur historische Größen im Collegesport, sondern stellen einige der größten und leidenschaftlichsten Communities in League of Legends", sagt Riots E-Sport-Manager Michael Sherman im Gespräch mit dem IT-Portal Mashable. Auch wenn E-Sport in den USA – ebenso wie in Deutschland – noch nicht als offizielle Sportart anerkannt ist, glauben die Verantwortlichen von Riot daran, kompetitives Gaming zunächst auf dem Campus und später darüber hinaus etablieren zu können. Einzelne Hochschulen wie die Universität von Kalifornien in Irvine und die Robert Morris Universität in Chicago bieten seit einiger Zeit sogar Stipendien für besonders talentierte E-Sportler an.

Der E-Sport erreicht die deutschen Unis

In Deutschland gibt es noch keine E-Sports-Stipendien, keine offiziellen Amateurligen, keine Deals mit Kabelsendern und keine prestigeträchtigen Rivalitäten zwischen Hochschulen. Aber zumindest Projekte und Menschen, die das ändern wollen. Zum Beispiel Martin Hoffmann, der in University Esports Germany (UEG) die erste Hochschulliga für Gamer mitgegründet hat. Was zunächst mit kleineren Turnieren begann, an denen gemischte Teams aus Studenten verschiedener Unis teilnahmen, hat sich mittlerweile zu zwei Ligen mit insgesamt 14 Mannschaften entwickelt. In diesen Tagen geht die dritte Saison zu Ende.

M wie Moba

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...vom Mod zum Mainstream

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Games-Glossar

Moba, das

steht als Abkürzung für "Multiplayer Online Battle Arena", ein Genre aus dem Bereich der Echtzeit-Strategiespiele, bei dem sich zwei gegnerische Teams aus mehreren Spielern auf einer Map (der "Arena") gegenüberstehen.

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Alle Mobas teilen sich zentrale Spielmechaniken. So unterschiedlich die einzelnen Spiele im Detail sein mögen, die Grundprinzipien sind stets ähnlich und unterscheiden sich von klassischen Echtzeit-Strategiespielen.

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Entwickler: Riot Games. Erschienen: 2009. Aktive Spieler: circa 70 Millionen pro Monat

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"Wir wollen mit UEG eine Basis für stärkere Clubs und Rivalitäten zwischen Unis bilden", sagt Hoffmann. In der Liga sollen eines Tages nicht bloß Teams aus einzelnen Studenten mitmachen, sondern Hochschulen mit ihren eigenen, geförderten E-Sports-Clubs vertreten sein. Durch die Identifikation mit der eigenen Uni entsteht ein gesunder Konkurrenzkampf, der wiederum auch für Zuschauer interessant sein könnte, glaubt Hoffmann. "Für uns ist wichtig, dass sich langsam Vereins- und Verbandsstrukturen bilden, die E-Sport dann in einigen Jahren vielleicht auch den Weg ebnen, offiziell als Sportart anerkannt zu werden."

Tatsächlich sind die fehlenden Strukturen eines der Argumente, die der DOSB gegen die Anerkennung von E-Sport anführt. Sportvereine wie Schalke 04 oder der VfL Wolfsburg haben mittlerweile zwar eigene E-Sport-Abteilungen, andere Profiteams werden von Unternehmen gesponsert. Vereine im Amateurbereich gibt es dagegen kaum. Wer kompetitiv online spielt, tut dies von zu Hause aus. Nachwuchsarbeit, Training, Förderung – alle diese Elemente des klassischen Sports gibt es im E-Sport praktisch nicht. Eine Universitätsliga könnte das, in einem begrenzten Rahmen, ändern.