Die gute Nachricht: Das von Donald Trump erlassene Einreiseverbot für Menschen aus sieben islamisch geprägten Ländern bleibt vorerst ausgesetzt. Das hatte das Berufungsgericht in San Francisco in der vergangenen Woche noch einmal bekräftigt. Die schlechte Nachricht: Schärfere Grenzkontrollen in den USA dürften wohl auch ungeachtet dessen kommen. Sie könnten dazu führen, dass Einreisende zumindest aus manchen Ländern bald ihre Social-Media-Passwörter herausrücken müssen. Und dass manche es schwerer haben werden, ein Visum oder eine Arbeitserlaubnis für die USA zu erhalten.

Nicht nur die Technikunternehmen aus dem Silicon Valley sehen dadurch ihre internationalen Mitarbeiter und letztlich auch ihr Geschäft gefährdet. Auch die E-Sport-Industrie verfolgt die Entwicklung ganz genau. Der Spieleentwickler Valve wäre sogar bereit, seine Turniere nicht mehr auf heimischem Boden in den USA zu veranstalten, sollten sich die Einreisebestimmungen wirklich verschärfen.

"Die Entwicklung ist besorgniserregend für uns", sagte Erik Johnson, Valve-Mitarbeiter und Entwickler des Multiplayer-Spiels Dota 2, vergangene Woche in einem Gespräch mit Journalisten. Mit The International veranstaltet Valve jeden Sommer das höchstdotierte E-Sport-Turnier der Welt. Im vergangenen Jahr lag das Preisgeld für die besten Teams in Dota 2 bei mehr als 20 Millionen US-Dollar. Zuletzt fand das Turnier in Seattle statt, wo auch Valve seinen Firmensitz hat. "Das Event wird auf jeden Fall stattfinden", sagte Johnson, aber wenn es zu schwer werde, für einzelne Spieler ein Visum zu bekommen, müsste man eben "einen anderen Weg finden".

Opernsänger haben es leichter als E-Sportler

Valve-Gründer Gabe Newell sagte den Journalisten: "Wenn du ein Opernsänger bist, bekommst du relativ leicht ein Visum. Wenn du ein Nobelpreisgewinner bist, hat jeder ungefähr eine Vorstellung davon, was du machst." In Sachen E-Sport sei das etwas anderes. Zwar hatte die US-Regierung bereits vor drei Jahren professionellen E-Sportlern den Status von Athleten zugesprochen. Trotzdem sei es im Vergleich zu traditionellen Sportler weiterhin schwierig, eine Arbeitserlaubnis für die häufig noch minderjährigen Spieler zu bekommen.

Bereits dreimal habe sich Valve in der Vergangenheit deshalb direkt an die demokratische Senatorin des Staates Washington, Maria Cantwell, wenden müssen, um ein Visum für einzelne Spieler zu erhalten. Das sei noch unter den alten bestehenden Einreisebestimmungen gewesen. 2014 hatten etwa zwei chinesische Spieler Probleme damit, ein Visum zu bekommen. Ein Ausschluss einzelner Spieler würde bedeuten, dass die Teams entweder mit einem Ersatzspieler antreten oder das Turnier komplett absagen müssen.

Der von Trump geplante Einreisestopp würde mehrere Profispieler treffen. Der Dota-Profi Aliwi "w33" Omar etwa wurde in Syrien geboren. Er befindet sich Berichten zufolge seit Januar mit seinem Team in den USA, könnte aber Probleme bei einer neuen Einreise bekommen. Syed "SumaiL" Hassan vom erfolgreichen Team Evil Geniuses und einer der besten Dota-Spieler der Welt, ist in Amerika aufgewachsen, aber in Pakistan geboren und Muslim. "Die Situation fühlt sich an wie eine Folge Black Mirror, aber es passiert wirklich", twitterte er, nachdem Trumps Pläne bekannt wurden.