Eine Veranstaltung wie die Nürnberger Spielwarenmesse ist ziemlich laut und chaotisch. Für Besucher ist die Reizüberflutung nicht immer leicht zu bewältigen. Dass sogar die Ausstellungsstücke unter dem Chaos leiden, kommt dann aber doch eher selten vor. Der kleine Dash jedenfalls, ein kugeliger Lernroboter auf Rädern, ist seit einiger Zeit auffallend still. Kein Piepsen dringt aus seinem Gehäuse, kein buntes Licht aus seinem Frontstrahler. Dash sei es hier gerade schlichtweg zu laut, sagen seine Betreuer am Stand in Halle 6. Die Sprachsteuerung des Roboters vesagt. Die Kakophonie der Messe ist eben deutlich herausfordernder als Kinderstimmen im heimischen Wohnzimmer, wo Dash eigentlich hingehört.

Mehr als 2.800 Aussteller aus 60 Ländern präsentieren in Nürnberg ihre neuesten Produkte, von der Drohne bis zur Barbie, vom Puzzle bis zum Bastelset. Einer der wichtigsten Trends der diesjährigen Messe sind Lernroboter für Schule und Alltag. Manche lassen sich zusammenbauen, andere sind bereits fertig montiert. Zur Kommunikation und Steuerung besitzen sie häufig Infrarot-Sensoren, Lautsprecher, Räder und Lämpchen, die meisten von ihnen lassen sich via Bluetooth übers Tablet programmieren. Das alles soll die Neugier der Kinder fördern und sie Schritt für Schritt an die Informatik heranführen.

Deutschland hat in dieser Hinsicht einiges aufzuholen. Seit dem Nationalen IT-Gipfel im November ist es das erklärte Ziel der Bundesregierung, schon Grundschüler auf die Digitalisierung der Gesellschaft und nicht zuletzt einen entsprechend veränderten Arbeitsmarkt vorzubereiten. Auf dem Gipfel wurde denn auch ein ambitioniertes Projekt vorgestellt: 2016 sollen sämtliche Drittklässler im Saarland den Kleinstcomputer Calliope mini erhalten und damit das Programmieren lernen. Mit den Lernrobotern auf der Spielwarenmesse soll das ebenfalls gehen: Einfache, grafikbasierte Programmiersprachen sollen die Kinder spielerisch mit dem mathematisch-logischen Denken vertraut machen. Wobei sich die Gestaltung und die Interaktionsmöglichkeiten der Roboter teils deutlich unterscheiden. 

Machen Roboter den Mathe-Unterricht anschaulicher?

Dash beispielsweise kommt als fertiger Roboter aus der Verpackung. "Uns war wichtig, etwas zu entwickeln, was sofort funktioniert, was nicht noch lange zusammengebaut werden muss", sagt Christopher Cederskog vom Anbieter Wonder Workshop. "Die Kinder sollen sofort Erfolgserlebnisse haben." Dash fährt auf drei Rädern und hat auf zwei Seiten Infrarot-Sensoren, die die Entfernung zu anderen Objekten registrieren. Er besitzt einen Speicher und eine Sprachausgabe, verschiedenfarbige Lichter und eben die Spracherkennung, die – jenseits des Messetrubels – verlässlich funktioniert.

Mit der App Blockly lassen sich verschiedene Aktionen aneinanderreihen: Zum Beispiel fährt Dash einen Meter weit, lässt den Scheinwerfer aufblitzen und spielt dann, abhängig von der Helligkeit im Raum, unterschiedliche Melodien. Neben diesen einfachen Abläufen sind auch komplexere Wenn-dann-Strukturen (IFTTT) möglich; außerdem kann der 180 Euro teure Dash mit seinem kleinen Pendant Dot kommunizieren, der allerdings 40 Euro extra kostet. "Unsere Produkte kommen an verschiedenen Schulen in den USA, in China und Skandinavien zum Einsatz", sagt Cederskog. Im Mathematikunterricht könne man beispielsweise Kurven berechnen und Dash dann so programmieren, dass er diese Kurven haargenau abfährt.

Kick it like Marty. © Robotical

Ein anderes Konzept liegt den Tinkerbots zugrunde, die Messebesucher in Nürnberg ebenfalls ausprobieren können. Die Basis der Tinkerbots bilden zusammensteckbare Bausteine mit unterschiedlichen Eigenschaften. Sie lassen sich zu einfachen Robotern zusammensetzen. Zentrales Steuermodul ist das würfelförmige Powerbrain, das die übrigen Komponenten auch mit Strom versorgt. Sie besitzen Licht- und Bewegungssensoren, Räder oder Greifarme; mit wenigen Handgriffen entsteht ein Kran, ein Käfer oder auch ein Rennauto. Anschließend weist man den einzelnen Modulen bestimmte Verhaltensweisen zu. Das funktioniert entweder über einen Knopf direkt am Baustein, mit dem man zum Beispiel eine gefahrene Strecke aufzeichnet. Oder über eine spezielle App für Smartphones und Tablets, die mit dem Roboter per Bluetooth kommuniziert.

Wer möchte, kann die Tinkerbots aber auch über Arduino programmieren. Die offene Plattform erfreut sich bei Roboter-Bastlern weltweit großer Beliebtheit. Tinkerbots-Nutzer laden die Arduino-Software auf ihren PC und verbinden den Roboter per Kabel. Noch dieses Jahr soll mit My First Robot ein weiteres Modell auf den Markt kommen: Es wird, ähnlich wie Dash, über eine grafikbasierte Programmiersprache mit Drag-and-Drop-Funktion gesteuert. Tinkerbots ist laut Hersteller Kinematics nicht nur für Grundschulen, sondern auch für weiterführende Schulen und Hochschulen geeignet. "Wir planen Kooperationen mit Universitäten", sagt Start-up-Chefin Adrienne Fischer.