Jahrelang war der Deutsche Computerspielpreis (DCP) vor allem durch lähmende Alternativlosigkeit geprägt. Seit 2009 wird er jährlich im Wechsel in München und Berlin verliehen. Strategiespiele aus der Anno-Reihe wurden dabei schon insgesamt vier Mal ausgezeichnet, zweimal davon in der Hauptkategorie "Bestes Deutsches Spiel".

Ähnlich sieht es bei den Adventures des Hamburger Entwicklers Daedalic Entertainment aus. Sie kommen auf insgesamt sechs Auszeichnungen, davon ebenfalls zweimal in der Hauptkategorie. Rechnet man sowohl hier als auch bei der Anno-Reihe die zahlreichen Nominierungen hinzu, wirkt die deutsche Gamebranche erschreckend einfallslos. Dass 2017 zum ersten Mal seit sieben DCP-Preisverleihungen weder ein Anno-Strategiespiel noch ein Daedalic-Adventure nominiert ist, ist deshalb vor allem eines: erfrischend.

Selten präsentierten sich die Nominierungen für den DCP so vielfältig und frei von den üblichen Verdächtigen. Das mag schlicht damit zusammenhängen, dass die in den vergangenen zwölf Monaten keine neuen Updates bekommen haben. Insbesondere die Leerstellen im Hauptpreis wurden dafür aber mit drei hochwertigen Titeln besetzt.

Schluss mit Skat als Serious Game

Das Echtzeitstrategiespiel Shadow Tactics: Blades of the Shogun des Münchener Studios Mimimi Productions etwa hat es bis an die Spitze der Verkaufscharts des Distributionsdienstes Steam geschafft. Taktisches Gameplay und ein recht unverbrauchtes Setting im feudalen Japan verschafften dem Überraschungserfolg zudem durchweg positive Kritiken.

Deutlich von Minecraft inspiriert ist das Multiplayerspiel Portal Knights von Keen Games aus Frankfurt am Main. Zwar ist das fertige Spiel noch nicht erschienen, die Early-Access-Version kommt aber schon sehr gut beim Publikum an.

Das in Kassel und Berlin ansässige Indiestudio Black Pants konnte beim DCP 2013 mit Tiny & Big: Grandpa‘s Leftovers bereits die Auszeichnung als Bestes Jugendspiel erlangen. Ihr Puzzleplattformer On Rusty Trails ist dieses Jahr für den Hauptpreis nominiert. Das Spiel überrascht mit seinem eigenwilligen Grafikstil ebenso wie mit einer Hintergrundgeschichte über Vorurteile und Gentrifizierung.

"She Remembered Caterpillars" ist als Bestes Kinderspiel nominiert. © caterpillar.solutions

Die Nebenkategorien waren bereits in vergangenen Jahren stets interessanter besetzt als der Hauptpreis, abgesehen von mehreren eher fragwürdigen Nominierungen besonders in der Kategorie Bestes Serious Game. Skatlernspiele sahen sich da in unmittelbarer Nachbarschaft von Jump’n’Runs über Trauerprozesse.

Dank des Einreichungsrekords von mehr als 450 Spielen gibt es in diesem Jahr aber keine so offensichtlichen Lückenbüßer mehr. Mit der Überwachungssimulation Orwell der Hamburger Osmotic Studios ist unter anderem ein nachvollziehbarer und von der Kritik gelobter Kompromiss zwischen inhaltlichem Anspruch und spielerischer Qualität vertreten.

Auch die anderen Kategorien sind gespickt mit herausragenden Titeln: She Remembered Caterpillars, nominiert als Bestes Kinderspiel, ist ein schön illustriertes Puzzlespiel, das auch schon beim diesjährigen Award des Independent Games Festivals in San Francisco vertreten war.

Das gerade veröffentlichte Action-Adventure Future Unfolding, nominiert für die Beste Inszenierung, wird schon länger positiv von der Fachpresse begleitet und auf Kulturfestivals herumgereicht. Mit seinem offenen, explorativen Spielverlauf gehört es zu den größten Überraschungen des diesjährigen DCPs.